Here comes the bus.


2010 erschien Quentin Dupieux‘ Rubber, ein Lobgesang auf die Willkürlichkeit des Kinos, ein Film, in dem ein Gummireifen umher rollt und Menschen mit seinen Kräften tötet. Ein verwirrender Film, dem seine Möchtegern-Tiefsinnigkeit aus allen Bildern tropft und zu recht als „episch schlecht“ bei Amazon bezeichnet wird.
Die Willkür mancher Ereignisse – z.B. Warum schreibe ich jetzt diesen Blogeintrag? – wird tatsächlich viel zu wenig gewürdigt. Aus diesem Grund liebe ich Supercuts und das Internet. Ersteres sind Zusammenschnitte ähnlicher Szenen meist aus Filmen. Zweiteres wahrscheinlich der Grund, warum wir uns irgendwann gegenseitig ausrotten werden. (Yeah!)
Einer der Großmeister des Supercuts – Harry Hanrahan – schnitt Anfang vergangenen Monats eine Vielzahl von Filmszenen aneinander, in denen Menschen überraschend von (überwiegend) einem Bus überfahren werden. Hit by a bus* versammelt eine Großzahl großartiger vom-Bus-angefahren-werden-Szenen, darunter das bezaubernde Finale der Geschichte aus Stranger than Fiction und natürlich Edith Keelers Tod in der Star-Trek-Folge City on the Edge of Forever. Was sagt uns dieser kleine Film? (Nach dem Klick)
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Die Leute waren nicht dumm, wir waren nur zu jung um sie zu verstehen.

Gerade traf mich dieser Gedanke völlig unvorbereitet. Nicht die Menschen früher waren einfacher gestrickt, sondern wir, als wir von diesen Menschen lernten.
Ich erinnere mich noch halbwegs an den Geschichtsunterricht in der Grund- und Hauptschule. Mir wurde damals eine sehr undifferenzierte Weltsicht geboten, auch wenn ich mich an andere Situationen in dieser Zeit erinnere, in der mich Lehrer anspornten, weiterzudenken.
Die Welt, insbesondere die uns präsentierte Vergangenheit, war dagegen recht übersichtlich. Die Menschen des Mittelalters wurden in Klassen sortiert. Adel, Klerus, Bauern, usw. Es wurde aber nicht bemerkt, wie differenziert die Ereignisse doch eigentlich waren. Wir wurden nicht sensibilisiert für die Tatsache, dass die Geschichte kein Kalender, sondern ein fliesender, wabernder Prozess ist.
Moment. Das stimmt gar nicht. Uns wurde die Unglaubwürdigtkeit solcher angeblich verbreiteter Theorien wie der der „Erde ist eine Scheibe“ offengelegt… Der Schulunterricht – oder sagen wir besser: meine hervorragenden Lehrer_innen – präsentierten ein komplexes Bild einer komplexen Vergangenheit, und wir – das heißt: ich – waren einfach noch zu jung, um diese Komplexität zu verstehen.
Diese Erkenntnis – dass man geschichtliche Tatsachen nur so weit begreifen kann und differenziert, wie man dazu selbst fähig ist – bringt vor allem zwei Aspekte mit sich: Zum einen holt einen diese Erkenntnis runter von der Idee, man sei gerade in einer bedeutender Generation oder – optimistischer noch – in der „besten Welt bisher“. Das ist Unsinn und das wussten wir auch. Gleichzeitig offenbart diese Erkenntnis aber auch, dass diese Zeit, in der man lebt, doch bedeutend gemacht werden kann, wenn man nur möglichst vielen Menschen dabei hilft, ihren eigenen Horizont zu erweitern.
Ich schäme mich ein bisschen, dass ich ganze 22 Jahre gebraucht habe – voller Hinfallen, voller voller Windeln, voller Kindergarten, Grundschule, voller sinnentleerter Abschlüsse, voller Geschichtsunterricht – um zu begreifen, dass die Zeit keine Epochen sind und es (praktisch) keine geniehaften Erfindungen gibt, sondern alles eine fließende Entwicklung ist. Dass die Kultur, die wir heute Leben, von Millionen Jahre alten Ideen beeinflusst wird und die Menschen vor 500 Jahren teilweise die gleichen Sorgen hatten. Vor allem aber, dass es kein „vor 500 Jahren so und so“ gibt.
Man hat uns die Welt so gut erklärt, wie wir es damals verstehen konnten und hat kleine Ideen und Fragen angelegt, die manchmal erst Jahre später zur Entfaltung kommen konnten. Ich frage mich, welche Ideen und Fragen, an denen ich heute scheitere oder die ich zu einfach fallen lasse, mich in zukünftigen Jahren innehalten lassen werden.

Trulla, trulla, trulala

Endstation

Auf der schwäb'schen Eisenbahn
Geißbock

Warum wir dieses Jahr 160 Jahre „Auf de schwäb’sche Eisebahne“ feiern hatten wir an dieser Stelle ja bereits geklärt. Das unsere kleine Laufgruppe – dieses Jahr zeitweise 18 Leute – mit diesem Thema an den Fasnet in Rottenburg teilnahmen, sickerte sicher auch schon irgendwo durch. Ich verzichte mal darauf, hier Bilder der wirklich großartigen Verkleidungen zu präsentieren, schon allein, weil ich in all der Fasnetsstimmung fast vollständig vergaß, Bilder zu machen. Gerade der Sonntagsumzug ist völlig undokumentiert (d.h., es gibt wohl jede Menge Aufnahmen, die die Zuschauer und die Zeitung machten. Ich kam dagegen nicht dazu.), obwohl wir da mit den gelungensten Kostümen und den meisten Leuten unterwegs waren.
Alles in allem eine sehr gelungene Fasnet. Auch wenn es vielleicht keine gute Idee war, am Montag bei jeder letzten Strophe („Stoßet mit den Gläsern a‘, aufs Wohl der schwäb’sche Eisebah'“) anzustoßen… Bei Gelegenheit schreibe ich vielleicht noch ein wenig ausführlicher über die einzelnen Tage. Falls, ja falls ich dazu irgendwo Bilder auftreiben kann. Update: Links zu Fotos von (teilweise professionellen) Umzugszuschauern eingefügt.

Nebenbei muss man auch noch leben.

Falls sich jemand fragt, warum hier gerade so ruhig ist, und wann es hier wieder weiter geht: Mitte Februar. Dann habe ich – hoffentlich – alle Prüfungen dieses Semester bestanden. Dann wird es – vermutlich – Bilder von unserem großartigen Fasnetsumzug am 10. Februar geben (eventuell gibt es zuvor noch einen Eintrag zu unserem Thema „160 Jahre Auf d’r schwäb’schen Eisenbahne“, falls ich mich dazu aufraffen kann) und ein paar andere Einträge, die hier so halb-veröffentlichbar rumliegen.

*Denn unsere Ansprüche sind sehr niedrig.

Kennen Sie diese Shows bei MTV, bei denen Leute etwas bekommen (wie z.B. Pimp my Ride, bei dem die Teilnehmer ihr Auto „aufgehübscht“ erhalten) und dann völlig ausrasten? Nun, ungefähr so bin ich gerade ausgerastet, als ich in der zukünftigen Küche meiner Wohnung einen Kühlschrank (!!!) und einen W-Lan-Router (!!!!!!!!!) fand.
Und während ich derart ausrastete fühlte ich mich plötzlich an Pete’s Comic neulich erinnert. Meine Ansprüche an eine Wohnung, ja vermutlich sogar meine Ansprüche an mein Leben sind alles andere als hoch. Und ich weiß nicht, warum ich nicht nach höherem Strebe. Mehr verlange. Mehr einfordere. Bin ich zur Genügsamkeit erzogen oder machen alle die Zukunftsvisionen mir zuviel Angst, als dass ich etwas mehr von meinem Leben wöllte als ein kleines bisschen Sicherheit? Zehn Quadratmeter, eine Küche, ein Bad. Nicht hungern müssen und vielleicht eine gute Internetanbindung. Diese sehr niedrigen Ansprüche finden sich auch in anderen Bereichen wieder und ich glaube, es geht nicht nur mir so. Vielleicht ist das unsere heutige Form des Bidermaiers. Weil es kein „Zuhause“ gibt, kein „Privates“, in das wir uns verkriechen könnten verstecken wir uns im Netz und sind mit allem zufrieden, was uns nur gegeben wird.
Vielleicht sind wir auch so geprägt von negativen Utopien und Filmen wie Network. Vielleicht… vielleicht… Ich weiß es nicht.