Yay! It's Garten Ecke Brücken Time – with me and Unicat. (I)

Garten- Ecke Brückenstraße
Blick vom Stauwehr Neckarabwärts
Brückenstraße
Die Matratze lieg noch auf dem Boden und ich kann vermutlich nicht genug Regale in das Zimmer stopfen, um alle Bücher unterzubringen, die ich mitgebracht habe. Außerdem vermute ich eine Verschwörung bei IKEA, weil ins Expedit-Regalfach exakt ein Kasten Wulle passt.
Außerdem ist das Bad unendlich weit weg und die Küche bis auf einen Kühlschrank noch nicht vorhanden. Trotzdem… freue ich mich wie Bolle. (Der Auspruch hängt möglicherweise mit einem Berliner Geschäftsmann zusammen, über den ein Lied gedichtet wurde. Daraus findet sich etwa dieser Auszug: „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel, da verlor er seinen Jüngsten ganz plötzlich im Gewühl. (…) Aber trotzdem hat sich Bole ganz prächtig amüsiert.“ Möglicherweise hängt es aber auch mit einem Spottlied über einen Barbier namens „Bollermann“ aus Brandenburg zusammen. Ein Ur-Berliner mag das bitte aufklären. Danke.)
Wo war ich? Genau. Ich freue mich auf diese „Abenteuer-Zeit“ und ich bin ziemlich sicher, dass es anfangs sehr turbulent und streckenweise sicher auch problematisch sein wird, dennoch freue ich mich …, genau, wie Bolle. Aber das hatten wir ja gerade.
Außerdem, und für diesen Satz werde ich mich in ungefähr 3 Wochen sehr hassen, freue ich mich wirklich schon aufs Studium. Vor allem der Schwedisch-Unterricht reizt mich gerade und ich glaube – in all meiner Naivität -, dass es auch ab und an mal Spaß machen wird.
Und deshalb… und weil ich inzwischen so blogsüchtig bin, dass ich wohl nie aufhören werde können (Thomas Matterne), lasse ich Dich – DICH! – daran teilhaben. Und mein zukünftiges Ich. Außerdem… mal ehrlich: Eine Einhornkatze? Wie abgefahren ist das denn bitte?!

Es gibt keinen Frieden zwischen Frühaufstehern und Wachbleibern, weil einer der beiden den Friedensschluss immer verschläft.

Dies Diskussion gibt es zurecht immer wieder: Nutze ich den Tag besser, wenn ich früh aufstehe oder lange wach bleibe? Beides hat seine Vor- und Nachteile. Vor allen Dingen wird eines der beiden Alternativen gesellschaftlich besser anerkannt.
Die lange Nacht hat ein Imageproblem
Niemand würde auf sein Straßenschild schreiben „Land der Wachbleiber“, ein Werbespruch wie „Land der Frühaufsteher“ wird aber tatsächlich von Sachsen-Anhalt verwendet. Weil diese Umfragen zufolge schon um 06:39 Uhr aufstehen. Der Durchschnittsbundesbürger ist 9 Minuten ausgeschlafener.
Mit frühem Aufstehen wird Arbeitsamkeit assoziiert, während Menschen, die lange wach sind als seltsam dastehen. Der Schlaf nach Tageswechsel, behauptet der Volksglaube, sei ungesünder. Mir ist keine wissenschaftliche Studie bekannt, die das bestätigen könnte. Meines Erachtens nach ist der Hass auf die Wachbleiber eine unsinnige und unnötige Diskriminierung. Ob ich besser tagsüber arbeite oder in den Abend und Nachtstunden hängt vor allen Dingen an mir. Keins von beidem ist von vornherein besser und jemand, der bewusst, weil von gesellschaftlichen Normen gezwungen, dann zu arbeiten versucht, wenn er eigentlich besser im Bett läge, ist alles andere als produktiv oder gesund.

Auch in meinem Freundeskreis erklärte mir jemand voller Stolz, was er heute schon alles geleistet habe und betete zugleich runter, wo er überall schon gewesen sei. Ich, da ich bin um die Mittagszeit schlief, nuckelte an meinem Tee und hörte nur so halb zu. Nun – Null Uhr Zweiundzwanzig – bin ich sehr motiviert, diesen Text zu schreiben. Sehr motiviert, E-Mails zu beantworten. Mein Kopf arbeitet ausgerechnet dann gut, wenn andere schlafen.
Größter Vorteil davon: Niemand stört. Versuche ich tagsüber zu Schreiben oder irgendetwas zu erledigen, kommt ständig irgendjemand und möchte etwas von mir. Erst jetzt, wenn die anderen das Bett hüten, habe ich Zeit und Muse, einen Text nach dem anderen zu verfassen, Blogeinträge anderer zu lesen, meine Uniwochen zu planen. Wenn auch der öffentliche Nahverkehr ruht, dann werde ich präsent. Schreibe Hausarbeiten, denke nach und schaffe mehr, als andere oft den ganzen Tag lang.
Ist das falsch?
Nein. Ich kann nichts dafür, wann ich gut arbeiten kann.
Ist das für mich dennoch problematisch?
Ja. Unsere Gesellschaft belächelt nicht nur die Wachbleibenden, sondern zwingt ihnen ihre unsinnigen Regel auf. Die Öffnungszeiten mancher Behörden sind dafür symptomatisch („Mittwochs 8 bis 10 Uhr“). Gerade traditionsreichere Institutionen (wie Universitäten und Schulen) neigen zu einer gewissen Verachtung des Wachbleibens, so, wie sie einst Linkshänder als „falsch“ wahrnahmen. Inzwischen setzen allerdings langsam Verbesserungen ein. Etwa ein langer Donnerstag in vielen Behörden.
Weil wir aber immer noch eine Minderheit sind und die Vorteile der Arbeitsteilung zwischen Tag- und Nachtmenschen noch nicht erkannt wurden, stehen wir noch am Anfang. Zwar fängt der frühe Vogel den Wurm, aber der faule Wurm lebt noch, wenn der fette Vogel schon von der ausgeschlafenen Katze gefangen wird (Frei nach Volker Pispers).
Ob man lieber lange schläft oder früher zu Bett geht, ist einem selbst überlassen. (An dieser Stelle bitte das „Why can’t we have both“-Meme vorstellen. Danke.)

Und der Müllmann bekommt ein Date.

Ein großer Haufen Papier – natürlich unsortiert – hat meinen Schreibtisch übernommen. Ich schnappe mir als Waffe einen Mülleimer und beginne zu sortieren. Sachen, die ich für die Uni brauche werden umgestapelt. Sachen, von denen ich nicht weiß, wo sie hingehören, wandern zum Unizeugs. Wird schon von irgendeiner Vorlesung gewesen sein. Zettel, die ich nicht mehr brauche, wandern in den Papierkorb. Der Motivation willen denke ich ein Comic-Geräusche dazu. Das Stempelkärtchen der Burgerbude, die vor zwei Jahren geschlossen hat? Pow. Ein leeres Medikamentenpäcken? Pow. Die Obdachlosenzeitung? Pow. Das „Endlich Urlaub!“-Schild vom letzten Schweden-Spiel bei der EM 2012? Pow. Sachen aus dem abgewählten Seminar? Super-Pow!
Plötzlich, ein kleiner Zettel. Darauf ein Name – der Name eines Mädchens -, eine Adresse und – oh! – eine Telefonnummer. Der Name sagt mir überhaupt gar nichts. Die Zettel darüber und darunter geben keinen Hinweis. Kenne ich Sie aus der Uni? Hab ich ihre Nummer vielleicht bei einer Party gekommen, und erinnere mich nur nicht mehr daran (weil zu betrunken, etc.)? Warum sollte mir ein Mädel ihre Nummer – und Adresse! – geben? Die Schrift ist schnörkellos, aber offensichtlich die einer jungen Frau… Verdammt! Was mache ich jetzt? Anrufen, damit sie erfährt, dass ich nicht mehr weiß, wer sie ist? Oder im Internet nach dem Namen? Internet!
Ich finde drei Profile. Drei Profile von Frauen, die ich nicht kenne und vermutlich auch nicht kennengelernt habe. Hm. Doch die Nummer anrufen? Ich stehe ratlos da, betrachte die Schrift, die so akribisch den Namen und eine Kontaktmöglichkeit offeriert. Am Ende ist sie nur eine Referatspartnerin – oder die Liebe meines Lebens. Verflucht! Ich weiß nicht, was ich tun soll!
Der Papierkorb lacht mich aus. Der Schreibtisch kichert auch – unter dem Gewicht des Papiers schafft er kein volles Lachen. Ich starre und denke nach. Dann lass ich den Zettel fallen.
Pow.

Ein Rollmatratzen-Abenteuer

All meine Sorgen sind unberechtigt. Eine Rollmatratze scheint direkt nach dem ausrollen sehr weich zu sein und erreicht erst durch das zwei Tage lange liegen und sich mit Luft vollsaugen ihre gewünschte Festigkeit und Härte. Aber, ich erzähle die Geschichte besser von vorne.
Mit meiner alten Matratze bin ich unzufrieden. Sie ist nicht schlecht und sie riecht auch nicht unangenehm, aber nach gut 10 Jahren unter mir hat sie schon etwas gelitten. Ich erinnere mich noch, dass sie gar nicht mal so billig war und ich anfangs sehr gut darin schlief. Aber ich wurde älter – geht ja anderen auch so – und sie wurde älter – was niemand zu verhindern wusste – und um ehrlich zu sein legte ich im Vergleich zu meinem Grundschul-Ich auch etwas an Gewicht und Körpergröße zu.
Nach dem ich nun schon seit einigen Wochen kaum noch darauf schlafen kann – und will – entschied ich mich, das sowieso als „Matratzengeld“ veranschlagte Geburtstagspräsent der Großmutter mit in den nächsten Möbeldiscounter zu nehmen. Nach kurzer Diskussion unter Freunden, einem eher erfolglosen Versuch in einem örtlichen Bettenfachgeschäft (Ich: „Ja, guten Tag, ich suche eine Matratze die möglichst hart sein soll, kann aber nur bis 150 Euro bezahlen, sonst kann ich nächsten Monat nämlich nichts essen. Die Größe ist mir relativ egal.“ [… Komplizierteste Diskussion im gesamten Universum …] Sie: „Da hätten wir zum Beispiel dieses Modell hier für 375 Euro.“ [Vorhang, Buh-Rufe]) und langem Hin und Her entschied ich mich recht spontan zum „Dänischen Bettenlager“ zu fahren. Schnell noch die Angebote gecheckt: Könnte passen.
Ein Zug, ein überfüllter Bus und eine ewig lange Straße weiter (wie sich herausstellte, hätte ich eine Bushaltestelle später aussteigen sollen), war ich am Ziel angekommen: Die Tübinger Filiale des „Dänischen Bettenlager“, Tochter der JYSK-Holding, die wiederum Lars Larsen (!) gehört, einem der reichten Männer Dänemarks (zirka 2,4 Millarden Euro schwer).
Zunächst war ich etwas verwundert. Nur gut ein Drittel der Verkaufsfläche war tatsächlich mit Betten und dessen Zubehör gefüllt. Der Rest war voller Regale, Tische, Krimskrams und anderem Einrichtungsunsinn. „Dänisches Betten- und anderes Zeugs-Lager“ hat wohl nicht aufs Schild gepasst. Hm. Ich schnurstracks quer durch den Laden gelaufen und im hintersten Eck tatsächlich ein Regal mit Matratzen gefunden. Große Matratzen, kleine Matratzen, bunte Matratzen, weiße Matratzen, Rollmatratzen, Jugendmatratzen (Keine Ahnung, was das sein sollte), Federnkern-, Schaumstoff- und Zaubermatratzen, dicke und dünne und alle schön preislich sortiert vom teuersten zum „Hey, das kann ich mir gerade so leisten“.
Ich schaue mich ein bisschen um, schaue nach Härtegraden und werde plötzlich von einer Mitarbeiterin – die eine Matratze ins Regal hebt – entdeckt. Ich helfe ihr kurz, sie bedankt sich und fragt dann: „Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“
„Ja, ich suche ne möglichst harte Matratze, bin jetzt aber eher knapp bei Kasse. Ideal wäre im 2-stelligen Bereich.“ – „Jagut, da haben wir grad nur eine da.“ Sie zeigt mir das Angebot. Probeliegen is‘ nicht, da Rollmatratze, aber drüben ist eine bauähnliche aufgebaut, die praktisch den gleichen Härtegrad besitzt. Ich hocke mich drauf. Kein Knarzen und Springen von Metallfedern. Kein Einsinken wie in Treibsand. Fühle mich wohl.
„Perfekt, die nehme ich dann. Was kostet die denn?“ „99 Euro im Angebot.“ Die wirklich sehr nette Mitarbeiterin krabbelt halb unters Regal und sucht die Rollmatratze raus. 1,40 auf 2 Meter. Ich hellauf begeistert. Ich lasse mir dann noch Bettlacken in dieser Größe zeigen (worauf meine Begeisterung leicht einknickt. 12,50 das Stück. Im günstigsten Fall.) Immerhin. Mit 125 Euro weniger und einer riesigen, in Folie verpackten Rollmatratze verlassen ich den Laden und finde – auch dank den netten Mitarbeiterinnen – direkt die Bushalte. Einladen, von allen Leuten doof angesehen werden und dann 3 Minuten, nach dem der Anschlussbus abgefahren ist, am Umsteigeort aussteigen. Mist.
Also Matratze geschultert und bis zur Wohnung geschleppt. Bin begeistert von der Wohngegend. Wohngegend ist weniger begeistert von mir. Noch mehr blöde Blicke. Egal. Haustür auf, Matratze und ich rein. Vorsichtig runter, um nicht – schon wieder – die Treppe runterzufallen, Wohnungstür auf und in einem der leeren Zimmer ausgepackt.
Die Matratze beginnt sofort zu wachsen, so dass die Folie nur mit grober Gewalt runter geht. Bin leicht irritiert, weil die H3-Matratze zunächst sehr weich ist. Aber, 2 Tage lang wie auf der Packung verlangt ruhen lassen und dann erst meckern. Noch schnell ein Schild geschrieben – „Bitte nicht stören. Matratze muss sich ausruhen“ – und … Bus verpasst. Also einmal über die – wirklich wunderschöne – Brücke am Stauwehr laufen und gerade rechtzeitig in den dortigen Bus hüpfen, vom Bus zum Zug rennen und – Mission Accomplished.

Neue Matratze

Meine neue Schaumstoff-Matratze schläft sich aus. (Eigenes Bild)

Am nächsten Tag dann die positive Überraschung: Die Matratze ist nicht nur sichtbar gewachsen (vor allem in der Dicke), sondern auch viel härter geworden. Ich bin völlig zufrieden. Mal sehen, wie die erste Nacht darauf wird.

*Denn unsere Ansprüche sind sehr niedrig.

Kennen Sie diese Shows bei MTV, bei denen Leute etwas bekommen (wie z.B. Pimp my Ride, bei dem die Teilnehmer ihr Auto „aufgehübscht“ erhalten) und dann völlig ausrasten? Nun, ungefähr so bin ich gerade ausgerastet, als ich in der zukünftigen Küche meiner Wohnung einen Kühlschrank (!!!) und einen W-Lan-Router (!!!!!!!!!) fand.
Und während ich derart ausrastete fühlte ich mich plötzlich an Pete’s Comic neulich erinnert. Meine Ansprüche an eine Wohnung, ja vermutlich sogar meine Ansprüche an mein Leben sind alles andere als hoch. Und ich weiß nicht, warum ich nicht nach höherem Strebe. Mehr verlange. Mehr einfordere. Bin ich zur Genügsamkeit erzogen oder machen alle die Zukunftsvisionen mir zuviel Angst, als dass ich etwas mehr von meinem Leben wöllte als ein kleines bisschen Sicherheit? Zehn Quadratmeter, eine Küche, ein Bad. Nicht hungern müssen und vielleicht eine gute Internetanbindung. Diese sehr niedrigen Ansprüche finden sich auch in anderen Bereichen wieder und ich glaube, es geht nicht nur mir so. Vielleicht ist das unsere heutige Form des Bidermaiers. Weil es kein „Zuhause“ gibt, kein „Privates“, in das wir uns verkriechen könnten verstecken wir uns im Netz und sind mit allem zufrieden, was uns nur gegeben wird.
Vielleicht sind wir auch so geprägt von negativen Utopien und Filmen wie Network. Vielleicht… vielleicht… Ich weiß es nicht.