Interesse an Kennen-Knuddeln-Knutschen kann nur beidseitig sein.

Neulich sagte mir ein*e Freund*in, nach dem sie*r festgestellt hatte, dass ich nicht sein*ihr Typ bin, dass sie*r wohl auch nicht meiner sei.
Da fühlte ich plötzlich einen Laster über mir Erde abladend, und ich konnte erstmal nichts sagen. Ich habe keinen Typ, dachte ich trotzig in meinem Hügel schmollend. Jaja, ich versuche keine emotionale, enge Bindung zu Nazis, Truthern und Maskulinisten aufzubauen, aber ich will ja auch nicht mit diesen befreundet sein. Zu sagen, sie*r sei sicherlich auch nicht mein Typ fühlte sich an als ob sie*r mein Freundschaftsangebot nicht nur ablehnt – was völlig ok ist -, sondern es auch zerknüllt. Und mich gleich mit. (Was auch ok wäre, trotzdem schmerzt die Vorstellung.) Ich war dort in meinem Erdhügel sauer – auf mich selbst -, weil ich nichts hatte sagen können und das Thema nun schon vorbei war. Nach ein paar Tagen wurde mir aber klar, dass sie*r recht hatte. Den wichtigsten und selbstverständlichsten Punkt hatte ich vergessen. Ich stehe auf Consent. Alles andere – jemanden mehr zu mögen, als die Person möchte oder kann – fühlt sich schleimig, falsch und übergriffig an. So fühle ich mich nicht gerne. Ja, ich habe diese Grenzen sicherlich schon einmal übertreten, aber es war stets zum Nachteil aller Beteiligten und noch heute fühle ich mich schlecht dafür. Wenn sich der Consent aber nicht herstellen lässt – man nicht zusammen gleichberechtigt funktioniert -, dann ist wohl dieser andere Mensch nicht „mein Typ“. Oder konkreter: Wenn ich nicht sein*ihr Typ bin, ist sie*r auch nicht meiner. (Klingt im ersten Moment ein bisschen nach Kindergarten, aber Früher war nicht alles schlecht™)
[…]
Gleichzeitig wird mir durch diese Regel, die ich unterbewusst immer versuchte zu befolgen, bewusst, dass es niemande*n gibt, der*die gerade „mein Typ“ wäre. Nur Schmerzen und Schuldgefühle. Nur „Schwärmereien“ (igitt!). Großartige Freundschaften, aber niemand zum Kennen-Knuddeln-Knutschen.
Ich habe kein Recht auf eine Beziehung. Ja. Niemand schuldet mir das – so wie ich das niemand schulde. Es ist völlig ok, alleine zu bleiben. Ja. Ein Gedankengang daran macht mich aber dennoch sehr traurig. Die (bessere?) Alternative zum Ewig-Single-Sein, die Alternative zu Kennen-Knuddeln-Knutschen ist der (andere?) K-Klub. Katzen ein Zuhause bieten, um selbst zuhause zu sein. Aber mit Katzen gibt es keinen Consent, also auch keine Möglichkeit für eine Freundschaft oder auch nur ein Zusammenleben. (Jajaja, Bob, blah.) Ich wäre immer „der Mensch“ und sie immer abhängig von mir. Mit Freiräumen, ja, aber doch in einem Abhängigkeitsverhältnis. Und das geht halt nicht, wenn man versucht auf allen Beziehungsebenen sich nicht wie ein Arsch zu verhalten…
(Undatierter Notizzettel.
Letzte zwei Absätze hinzugefügt. Gender angepasst.)


Anm.: Das Thema Consent hat Laci Green in ihrem YouTube-Dings ausreichend ausführlich und verständlich erklärt. Dass ich den Begriff hier eher als „Konzept“ verwende, also Einwilligung gegeben, auf der selben Seite sein, Vertrauen haben können, nichts ausnützen…, und nicht nur als „Zustimmung“ – das klingt nämlich doch sehr sehr nach Ungleichberechtigt -, dürfte aufgefallen sein. Auch, dass ich durch die Formen sie*r, ihn*sie, usw. versuchte eine geschlechtliche Festlegung der Beteiligten zu vermeiden. Ich hoffe, es war trotzdem verständlich.

Vom Formen der Revolutionsmasse

(Uralter Eintragsetwurf aus dem September 2014. Ungelesen veröffentlicht.)

Aus erschöpften, depressiven, vereinzelten Individuen lässt sich keine Revolutionsmasse formen. (Byung-Chul Han in der SZ. (link))

Die Arbeiterschaft macht keine Revolution mehr. Wissen wir. Ich halte demnach Gewerkschaften für keinen Ort mehr, in dem gesellschaftliche Wandlungen abseits von „3,4 Prozent mehr Lohn“ erkämpft werden können. Eine Solidarität in Betrieben ist – bei Globalisierungsangst und Millionenarbeitslosigkeit – leider nur noch Wunschdenken. Ich wünschte, das wäre anders, aber meinem Gefühl nach hat die Arbeiterschaft als „Revolutionsmasse“ ausgedient.

I’m mad as hell and I’m not gonna take it anymore.

Was früher die Rote Fahne war, ist heute die Regenbogenfarbene. Revolutionsmasse sind nicht die, welche von der Arbeit müde und entmutigt kommen, sondern jene, die mit dir in deinem Bett liegen und kuscheln. Es sind jene, welche schon wieder mehr für Hygieneprodukte zahlen müssen. Es sind jene, die systematisch unterdrückt werden aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Rasse oder sexueller Orientierung. Küssen hilft gegen’s traurig sein, sagt man. Knutschen für den Weltfrieden, warben Aufkleber in der Innenstadt. Inzwischen sind sie abgeknubbelt oder mit „Blowjobs für die Marslandung“ überschrieben. Aber die Botschaft bleibt.
Es gibt dabei keinen Aggressor, den es zu köpfen gilt. Es gibt keinen Unterdrücker, sondern nur Mechanismen, die zerschlagen werden sollten. Und es gibt Stellvertreter. Politiker, die offen homophob sind. Zeitungen, mit rückständigen Geschlechterbildern. Stammtische, die… Stammtische sind.
Frühere Revolutionen hatten Feinbilder. „Der Ami“, „Das Kapital“, sowas halt. Auch heute noch höre ich manchmal Leute davon reden. Manche, die sagen, man müsse nur das „Weltbankensystem“ zerschlagen, und dann, ja dann wird alles gut. Bullshit! Die Welt wird nicht besser, wenn wir uns nicht anstrengen, sie besser zu machen. Wenn wir nicht unsere Kinder besser erziehen, wenn wir nicht stärker argumentieren, mehr hinterfragen.
Die Welt wird besser, wenn wir sie alle zusammen besser machen. Und ich glaube, aktuell, dass das am Besten geht nicht über Familien oder Firmen oder dergleichen, sondern über Religion, Humanismus und Liebe. Wenn du dich selbst magst, und vielleicht noch einen anderen Menschen ganz knorke findest, dann gibt es schon mindestens zwei Gründe, diese unsere Welt noch besser zu machen. Wenn du Kinder hast, dann wäre es schade, wenn sie es nur so gut hätten, wie du es hattest. Es soll ihnen besser gehen – und durch die Erziehung, durch Schulen und unsere Beziehung zu ihnen können wir beeinflussen, was „besser gehen“ bedeutet. Ich fände – statt Autos und viel Geld – Freundschaften, „Sinn“ und Akzeptanz eine ganz schöne Idee.
Vielleicht reicht es auch schon, wenn wir uns diese Dinge nicht mehr wegnehmen lassen (oder es nicht mehr unseren Kindern nehmen) von Leuten, die uns Angst machen und einreden, wie alternativlos alles sei. Wenn du deiner Tochter nicht sagst, dass sie alles werden kann, wie soll sie dann jeweils auf die Idee kommen, dass es anders sein könnte?
Wir wollen unsere Welt, die wir als Geschenk bekamen und als Geschenk weitergeben wollen, wir wollen uns als Teil dieser Welt, (mit)gestalten.
Es geht halt nicht um ein Stück vom Kuchen, sondern um die Bäckerei.

Ein System für alle Drogen

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt.

„Die größten Probleme durch Drogen entstehen nicht durch ihre Wirkstoffe, sondern durch die Nebenwirkungen der unregulierten Märkte.“ erklärt er mit glasigen Augen. „Die allerwenigsten Drogendealer haben böse Absichten, fast niemand handelt um anderen zu schaden. Sie alle versuchen nur von ihrer Arbeit zu leben – oder guten Gewinn zu machen. Konkret kann also keiner von ihnen wollen, dass ihre Kunden schaden nehmen, weil sie dann ja durch Tod oder Marktverschiebung Kunden verlieren müssten. Zugleich versuchen sie aus ihrer Ware möglichst großen Profit zu ziehen. Da das kaum über Werbung und ähnliches möglich ist, geht das nur durch erhöhen der Menge unter Inkaufnahme von Qualitätsverlusten. Also Strecken, oft mit gefährlichen Stoffen. Böse Absicht lässt sich hier jedoch nicht ausmachen, sondern lediglich ein unkontrolliertes ungezügeltes Gewinnstreben.“
Ich denke, er hebt gleich die Faust und singt Kampflieder, aber er zündet sich stattdessen nur eine Zigarette an: „Der schwedische Systemboulaget, das staatliche Alkoholmonopol also, ist der beste Versuch Drogenkonsum in gesellschaftlich tragbare Bahnen zu lenken. Ich glaube wir brauchen ähnliche Modelle auch für andere oder gar alle Drogen. Bei moderaten Preisen könnte der Drogenmarkt dem (kapitalistisch orientierten) Verbrechertum entzogen werden.“

Jeder weiß besser, wie du dein Leben zu leben hast. (II)

„Was kann man mit deinem Studium eigentlich machen?“
Uff.
Die Leute sehen „studieren“ heute immer mehr als Ausbildung, und nicht als Bildungsweg innerhalb eines Menschenleben. Zumindest tut das eine Freundin* von mir. (*Ja, ich bin mit allen Menschen befreundet. Und allen Katzen.) Sie fragte mich, wie schon häufiger, was ich mit meinem Studium machen könnte. Und ich erkläre ihr, dass man sich auf verschiedene Einstiegspositionen in diversen Firmen bewerben kann, hauptsächlich Praktikumzeugs, und dass man letztlich Bindegliedfunktion haben kann, beraten, übersetzen, beobachten, verbinden. Aber sie fragt weiter und weiter, und ich habe das Gefühl, sie ignoriert meine Antworten, weil sie glaubt, dass ich mir nicht darüber bewusst wäre, dass Studium allgemein nichts bringt und in diesem speziellen Fall zwar intellektuell und holistisch alles besser macht, aber eine Stelle finde ich deshalb nicht. (Aber das weiß ich.) Und sie fragt, wie viel ich zum Leben habe, und ich erzähle von dem Geld, was ich von meinen Eltern bekomme (das Kindergeld) und dass ich auch ein bisschen Arbeite und dass ich durch Mieterlass und Stütze durch meinen Bruder mir das Leben halbwegs leisten kann, aber auch nicht das Bedürfnis habe, sehr viel mehr verdienen zu wollen.
Aber sie versteht das glaube ich nicht. Dass mir Bildung wichtiger ist als finanzielle Verwertbarkeit, dass mir Hinterfragen wichtiger ist als Anerkannt zu werden, dass mir Ruhe wichtiger ist als um die Häuser zu ziehen, dass ich auch mit ungewisser Zukunft gut leben kann. Zumindest besser als im Irrglauben, mit etwas, was ich hasse, mein Leben verbringen zu müssen, weil man das halt so macht.
Vielleicht verstehe ich das aber auch nicht. Vielleicht bereue ich diese Zeit einmal als große Zeitverschwendung, vielleicht hasse ich mich irgendwann dafür, keinen Führerschein gemacht und keine Ausbildung abgeschlossen zu haben. Vielleicht bereue ich, nicht so viele oder gerade so viele Bücher gelesen zu haben. Vielleicht bereue ich es, so ehrlich zu mir gewesen zu sein. Oder soviel gelogen zu haben.
Vielleicht kann ich mit meinem Studium eigentlich gar nichts machen. Aber, dann wieder, passt es doch recht gut zu meinem Leben.

The best time of your life.

Was ist, wenn du die besten Jahre deines Lebens mit Angst haben verschwendet hast? Du hast nichts geschaffen – und daran glaubt auch niemand mehr. Ich werde kein Morrissey mehr, lerne nicht Gitarre zu spielen und auch keine Vokabeln. Ich bleibe in einem Zustand stehen, der nichts nützt. Ebensogut könnte ich nun sterben. Ich sage das nicht als Drohung, oder weil ich das wöllte oder könnte, nein, sondern weil es keinen Unterschied macht. Hier sein, Luft atmen, Schlafen, Essen – bedeutungslos.
Ebenso kann ich aber auch weitermachen. Ändert ja eh nichts.
[Keine Pointe.]