Wenn’s läuft dann waren’s immer alle / Wenn es nicht läuft immer alle anderen

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Ein System ohne Hierarchie funktioniert dann, wenn die Beteiligten sich als solche – nämlich Beteiligte – begreifen und nicht die eigene Verantwortung ignorieren. In Hierarchischen Systemen kann ich mich bequem zurücklehnen und sagen „XY hat seine Arbeit nicht gemacht“, in Demokratischen Systemen (in denen also Partizipation von mir erwartet wird) muss ich mir eingestehen, dass mein eigenes Nichts-Tun bedeutet, dass nichts passiert.

Slime (die Deutschpunk-Band, die inzwischen wie die Toten Hosen aussieht (Alte Säcke), aber immer noch Musik macht, die mich nicht so deprimiert, wie die CDU-Politiker*innen, die zu „Tage wie diesen“ oder anderen Wohlfühl-„Eigentlich ist alles ok“-Liedern ihre Bäuche schütteln und danach ‚die Wirtschaft stärken‘) bringen es im Gegensatz zu mir auf den Punkt:

„Hinter denen die salutieren stehen die die’s akzeptieren / Und aus denen die es dulden werden die die’s mitverschulden“.

Eines der Probleme, die bei Nicht-Hierarchischen Systemen besteht, ist, dass dieses Bewusstsein über die eigene Tatkraft und eigene Notwendigkeit erkannt werden muss. Ein Kollektiv, welches die Verantwortung oder Entscheidungskompetenz – oder auch Arbeit – auf Einzelne ablädt, überlebt nicht. Wir können nicht immer nach Verantwortlichen suchen, nur um uns selbst rein zu waschen. Wenn nichts läuft, dann weil alle gemeinsam entschieden haben, dass sie nichts tun wollen.

Das heißt aber auch: Wer etwas tun will, und allein ist, muss sich selbst zurückhalten um nicht versehentlich die Verantwortung zu übernehmen und dem Kollektiv – welches eigentlich sich zum Nicht Handeln entschlossen hat – so die eigene Handlungsmacht entziehen.

Wir übernehmen alle gemeinsam Verantwortung für unsere Leben. Es gibt größere Konstrukte als uns, es gibt stärkere Menschen, und wir müssen uns durchsetzen, weil die Welt nicht ‚demokratisch‘ läuft, aber wir sind keine revolutionäre Avantgarde und wir sind nicht Feinde mit irgendwem.

Aber wer bin ich schon, sowas zu sagen oder zu denken.

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Und irgendwie war nichts.

Ich weiß nicht, was dieses Semester passierte, aber irgendwie passierte nichts.
Ich besuchte Seminare, die mir außer der Erkenntnis über mich, dass ich nichts weiß, nichts erschlossen. Ich erschloss mir aus den Themenfeldern ebenfalls herzlich wenig, allenfalls differenzieren sich die Bilder und Wissensfetzen. Aber weiß ich etwas? Weiß ich, was Forscher*innen vertreten haben? Was sie heute vertreten?
Nun könnte man meinen, dass ich eben andere Dinge getan habe. Sinnvolle Dinge, für die Gemeinschaft oder für mich oder irgendwen. Aber Arbeit? Unterstützung der Selbstverwaltung? Ich habe gerade 1000 Projekte, aber keines kommt auch nur einen Millimeter weiter. Und Kritik darf ich keine äußern. Kritik ist nicht gewünscht. Und auch nach – ja, genau, wie vielen? – Jahren in dieser #Kaltuni bin ich immer noch nicht weiter gekommen.
Die Professor*innen sagen mir, ich sollte besser abbrechen. Ich würde nichts nützen, sagen sie, und haben vermutlich Recht.
Dieses Semester war nichts. Zumindest nichts, worüber ich reden dürfte.

Dann reproduziert er nämlich die Warenwelt, die er eigentlich bekämpfen möchte.

Das 2017er Album „Anarchie und Alltag“ der Antilopen Gang startet mit reichlich Referenzen zur RAF, dem Vergleich zu Ulrike Meinhof, der Behauptung der Unterwanderung der Jugendkultur zur Politisierung selbiger Jugend und Untergrund im Sinne von „konspirative Wohnung und Prepaidkartenhandy“. (vgl.) Vom Lied und Album mag man halten, was man möchte. Beachtenswert ist, dass dies das erste zweite Album der Gang ist, welches nicht für umsonst ins Netz gestellt wurde, sondern sich ganz der kapitalistischen Verwertungslogik (ach, so ein Text wird das?) unterwirft.

Ich frage mich manchmal, in wie weit hier (noch) eine Vision der Veränderung gelebt wird, der Keim eines „Es geht auch anders“ und wie sehr hier bereits kommerzialisierte Gegenkultur vegetiert. Ein Kleinkünstler, dessen Name mir gerade nicht einfallen mag, und den ich nicht mit „Kaputzenjacke Comedian“ suchen möchte, aber Du weißt sicher wenn ich meine, der sagte einmal, er könne ganz gut von seiner Kapitalismuskritik leben. An anderer Stelle berichtet das RBB freudig von kommunistischen, in der UdSSR gefeierten Autoren, welche im KaDeWe ihre Edelsachen für ihre Geliebten kauften. Manchmal muss man gegen etwas sein, um gerade darin erfolgreich zu werden.

Franz Josef Degenhardt hat dazu mal etwas schlaues gesagt, über den Underground, der wenn er nur dagegen sei, Gefahr laufe, sich einzurichten in dieser Gegenwelt. „Dann reproduziert er nämlich die Warenwelt, die er eigentlich bekämpfen möchte.“ Eigentlich dürfte ich keine Kenntnis von diesem Zitat haben, hätte es 2013 nicht Destroy Degenhardt, ein, nun, Rapper, an den Beginn seines zweiten Albums gestellt. (vgl. / vgl.). Dies könne, so Degenhardt (der Liedermacher), nur verhindert werden, wenn sich der Underground auf Veränderung der Gesellschaft ausrichte.

Die Gesellschaft ändere ich hier noch nicht, aber vielleicht kann ich den ersten Schritt dazu tun: Mich selbst ändern, wieder mehr zum Akteur in meinem Leben machen, auch in dem ich sinnlose und unzusammenhängende Texte schreibe, die eh keinen interessieren. Ich bin es satt, mein Dasein nur zu konsumieren, und ich will mich keinem Produktionsprozess unterordnen, aber schreiben, das sollte ich mehr.

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Anmerkung: Im ursprünglichen Text wurde das Album „Anarchie und Alltag“ als erstes kommerzielles Album der Antilopen Gang bezeichnet. Dies stimmt nicht. (Sorry).

Titel hier eingeben (Nr. 14958122)

Ich frage mich, ob Heulen ein kommunikativer Akt ist. Sage ich damit meiner Außenwelt, dass es ein Problem gibt, welches ich nicht in der Lage bin, selbst zu lösen? Bei Kleinkindern mag das Sinn machen. Sie schreien und weinen bitterlich, wenn irgendetwas ist. Sie sagen „Die Außenwelt versteht mich gerade nicht“, „Die Sachen funktionieren nicht“, „Ich mag dieses Gefühl nicht“ oder sie kommen einfach mit der Gesamtsituation nicht klar.

Ich frage mich manchmal, ob sich das erhalten hat. Ob wir, wenn es Probleme gibt, die wir selbst nicht im Stande sind zu lösen, weinen. Und je älter wir werden, desto weniger kommen Menschen und versuchen unsere Probleme für uns zu lösen. Mit diesem Gedanken in meinem Rucksack komme ich plötzlich besser klar, wenn nicht mit der Gesamtsituation, doch zumindest mit den Sachen, die nicht funktionieren und den Gefühlen, die mich nicht mögen. Aber der Rucksack wird langsam schwer und ich muss ihn ablegen und Pause machen, wenn ich nicht auf meinem Lebensweg abhalten und weinen möchte.

Vielleicht ist weinen das Eingeständnis, dass wir andere brauchen? Zum Beispiel einen Augenarzt, die dieses nervige Steinchen endlich aus meinem Auge holt. Arrrrg!