Hart aber folgenlos

Das Erste ist montagsabends eine Zumutung (und allen Wochentagen auf -tag sowie Mittwochs). Plasbergs „Hart aber fair“ entwickelt sich – gefühlt – zu einer Sendung wie „Zur Sache Baden-Württemberg!“ mit Clemens „Wohnzimmerkonferenz“ „Aufregerthema“ Bratzler. Eine Sendung, die mein Herz jede Woche ungefähr um fünf Jahre altern lässt. Und davon gibt es dutzende im Öffentlich-Rechtlichen. Ich hab‘ das Arbeitsleben direkt übersprungen und bin jetzt Nörgelrentner.
Plasberg verschreibt sich mit seiner Polit-Talkshow einer ‚Demokratie‘ und fairer, unabhängiger Berichterstattung. Das Ergebnis der Sendung soll offen sein – und wird doch durch die Filmbeiträge, die regelrecht zwanghaft durchexerziert werden, vorbestimmt. Das hat mit fair nichts zu tun. Es ist nur hart dabei zuzuschauen.
Plasberg bietet auch völlig abwegigen „Meinungen“ eine Bühne. Dabei wird aber niemand eingeladen, der ausreichend Substanz besitzt für eine Diskussion. Niemand „vom Fach“. Nur Leute, die sehr laut sprechen. Anhand der Gäste – und oft dem Fehlen von echten Wissenschaftlern, echten Themenkennern – wird er Ausgang der Sendung vorweggenommen. Zwei Impfgegner, drei Impfbefürworter. Ich muss mir die folgenden Minuten gar nicht mehr ansehen. Die Impfgegner werden medial hingerichtet, die Impfbefürworter als Unterdrücker einer legitimen Meinung diffamiert. Es gibt kein Ergebnis bei solch einer Sendung. Die verfeindeten Lager gehen unverrichteter Dinge auseinander. Ich habe Kopfschmerzen.
Am nächsten Tag dann ein „Faktencheck“. Bei der Sendung zu „Genderwahn“ lässt sich der nach der medialen Hinrichtung der beiden Feminist_innen und dem Geschrei eines FDP-Politikers, einer Schauspielerin und einer Frau, die daran verdient, Angst und Polemik über den „Genderwahn“ zwischen Pappdeckel zu erbrechen (ja, ich polemisiere), erschiene „Faktencheck“ (dort) ungefähr so zusammenfassen: Die Feminist_innen haben recht, die anderen haben im Grunde nichts überprüfbares (also keine Argumente) genannt. Liest das irgendjemand? Ich bezweifele es. Und wenn ändert es doch nichts. Die Gegner_innen, die solche „Fakten“ nicht glauben, verschwörungsschwirbeln einfach von den politisch-korrekten Öffentlich-Rechtlichen. So muss sich niemand blamieren – außer dem Zuschauer, der diesen Unsinn sich ansieht und den Kreaturen, die darüber polemische „rundfunkkritische“ Texte in die Klickfarmen der ehemals lesenswerten Tageszeitungen sch…reiben.
Politik findet nicht in Talkshows statt. Plasberg bewirkt nichts, außer dass ich mich nicht mehr wohlfühlen kann in diesem Land. Keine ehrliche Diskussion. Kein ernsthaftes, ergebnisoffen diskutiertes Thema – sondern Krawall. Ja, schön, Plasberg macht Quote. Aber er verändert damit nichts. Es sind nur jede Woche neue Leute, die sich gegenseitig nicht ausreden lassen, bewusst missverstehen wollen oder gelogene Zitate abgeben. Es ändert nichts. Es ermüdet mich nur. Es macht mich depressiv. Es zeigt mir, wie viele von den Irren schon die Welt, in der ich auch lebe – das Internet – bevölkern (bei der „Genderwahn“-Sendung war das am ungemütlichsten).
Noch besser erklären? Noch genauer, noch ehrlicher sein? Bessere Argumente als die anderen bringen? Und dann doch von irgendeinem Schreihals in der Sendung niedergebrüllt werden. Das beste Argument setzt sich nicht durch. Es ist das, welches die beste Quote bringt. Dafür schäme ich mich, Herr Plasberg. Dass ich es auch anschaue und angeschaut habe und mich aufregte und – online – mitdiskutierte. Weil es nichts ändert.
Und deswegen mach ich jetzt hier diesen Tisch mal kaputt.

Stark wars.

Bis vor einigen Jahren vergötterte ich die Star-Wars-Saga. Ich sah die Filme, wieder und wieder, verlor mich stundenlang in der Jedipedia, redete mit Freunden über Figuren und deren Bedeutung und entdeckte all die kleinen Hinweise und Anspielungen, die praktisch jedes Kulturgut nach 1977 auf den Krieg der Sterne beinhaltete.
Doch irgendwann, es muss um die Zeit gewesen sein, als Wookie-Shirts in C&A / H&M / etc. auftauchten, als Tchibo USB-Sticks in Yoda- und Darth-Vader-Form herausbrachten und „The Big Bang Theory“ Nerdhumor zugleich medial adelte und gesellschaftlich hinrichtete, da hörte ich auf diese einzig wahre Trilogie zu lieben. Weiterhin schrieben mir Freunde, wenn sie irgendwas im Fernsehen sahen, wir redeten über Padme und ich über die großen Fehler der Filmgeschichte. Je älter ich mit Star Wars wurde, desto klare wurde mir, wie schlecht diese Filme doch waren im Vergleich zu dem, das sie hätten sein können.
Jajaja, enttäuschter Fan heult rum. Jammern auf hohem Niveau. Verzeihung. Die Sache ist die: Ich liebte Star Wars nicht mehr. Ich kann weiterhin verstehen, dass Leute diesen Film mögen. Ich freue mich weiterhin über Anspielungen und ja, ich werde sicher noch einige male die Reihe sehen. Aber, es ist nicht mehr das, was es mal war. Ich bin kein Fanboy mehr.
Star Wars ist meine Ex-Freundin. Ich weiß noch immer aberwitzige Dinge über sie, habe großartige Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit. Aber ich will keine verregneten Sonntage mehr mit ihr verbringen. Und ich mag es nicht, wenn alle immer über sie reden.
Trotzdem. Es ist schön, wenn es meiner alten Liebe gut geht. Ich wünsche ihr alles gute für die nächste Trilogie. Und ja, ich werde mir die Filme ansehen. Aber… es wird wohl nicht mehr so, wie früher werden. Vielleicht bin ich dazu aber auch einfach nur zu zynisch geworden.

Elementary (S01E01 bis S01E12): Meh.

Kurz ein paar Worte zu „Elementary“, der „Sherlock Holmes“-Adaption aus den US of A., nachdem ich die zwölfte Episode gesehen habe und damit am Midseason-Whatever stehe, die vor allem daran leidet, dass wir mit dem BBC „Sherlock“ einen so hervorragende, aktuelle Adaption haben.
Erstmal: Einerseits ist es erfreulich, wie hier versucht wird Holmes in die Jetzt-Zeit zu holen, durch Verlagerungen und Umstrukturierungen – und einen Gender-Swap (?) – etwas mehr Fleisch rein zu bringen, andererseits: Meh. Elementary ist US-Fernsehen, aber nicht die Sorte, von der immer alle reden. Der US-Sherlock hat schwache bis okayische Fälle, mit Lucy Lu völlig ungenutzte Starbesetzung als weibliche Nebenrolle und Drehbücher, die die 40 Minuten Laufzeit immerhin füllen. Hm. Offenbar wird hier versucht Monk ohne Phobien neu abzudrehen, es fehlt allein der Satz „Es lief so ab“. Ja, Krimiserien wiederholen sich, und nein, wir brauchen nicht überall die Alleskönner. Aber gerade, dass US-Sherlock von niemand hinterfragt oder in seine Grenzen verwiesen wird, gerade, dass so herzlich nichts passiert, was von Interesse wäre (wobei: vielleicht wird die Moriarty-Storyline halbwegs interessant).
Hätten wir es hier mit „Schörlog“ und „Dr. Weston“ zu tun hätte ich keinerlei Einwände, aber sich für eine derart mittelmäßige – nicht schlechte, nur mittelmäßige! – Krimiserie ausgerechnet an DEM Ermittlerstoff schlechthin zu vergreifen ist… wüst und unwürdig.
Trotzdem schaue ich das ganze vermutlich zuende. Warum? Kommt ja nichts.

Die bessere Zombieserie.

Es folgen Major Spoiler (*salutier*) für Adventure Time und The Walking Dead. Die Spoiler beziehen sich auf Episoden vor Juni 2014 (Der Text ist schon etwas älter).

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Kirkmans Vorzeige-Zombieserie The Walking Dead zeigt die wahrscheinlich optisch besten Zombies, die wir aktuell im Fernsehen sehen können. Andererseits schwächelt die Serie immer wieder in der Story. Kenner des Comics beschweren sich – wie es die Aufgabe von Fans ist – über jede Unstimmigkeit, jeden Logikfehler, jede langweilige Passage. Die Serie soll besser werden. Und wird es langsam. Rick ist aber über weite Teile ein weinerlicher Klumpen, kein Held. Und er hat immer noch beide Hände im Gegensatz zum Comic. Ausgerechnet der Hauptfigur wird so durch ihren viel geringeren Verlust so viel genommen.

Erschreckenderweise macht eine „Kinderserie“ all dies richtig. In Adventure Time verliert Finn seinen Arm in der schlimmsten vorstellbaren Art – weil er seinen Vater nicht gehen lassen kann. Er kämpft gegen Zombies und andere Ungeheuer, er lernt neue Figuren kennen und streift durch die endlose Welt. Kurz: Finn erlebt die Abenteuer, die uns bei Kirkman so fehlen.
Dabei gibt es eigentlich nur zwei Folgen, in denen Figuren auftauchen, die offiziell als Zombies bezeichnet werden: Slumber Party Panic (S1E1) und From Bad to Worse (S3E13). Ich würde aber die Goo monster, die zur ganzen, großartigen Mushroom-war/Simon-&-Marcy-Storyline gehören, ebenfalls zu den Zombies zählen. (Und, verdammt, TWD nennt seine Zombies auch „Walker“).
TWD zeigt uns einen Virus unbekannten Ursprungs, der sich entwickelt hat und alle sind infiziert. Hmpf. Logik, anyone? AT dagegen hat den großen Mushroom-War, einen letzten Weltkrieg, der letztlich nur wenige Überlebende zurücklässt, die postapokalyptische Überlebendengruppen generiert, matriachale Monarchien als Modell und ansonsten Einzelkämpfer, die vor allem nach einem Motto leben: Enjoy the little things.
Wie in jeder vernünftigen Zombieserie sind irgendwann nicht mehr die Zombies die tatsächliche Bedrohung – wenn natürlich auch nicht zu vernachlässigen -, sondern andere, nicht wohlgesonnene Überlebende.
Dabei zeigt AT eine Welt, in der die Apokalypse passierte, überlebt wurde und nun regelrecht in Vergessenheit gerät. Also genau das, was uns Kirkman zeigen wollte! Die Überlebenden organisieren sich selbst neu. Manche kehren zu alten Mustern zurück, machen Königreiche, Forschung oder haben Jobs (buh!), manche verbleiben im Überlebenskampf-Modus und sehen die Welt als großes Abenteuer. Und weil es nach allem immer noch eine Kinderserie ist, kann AT auch wirklich abwegige Ideen umsetzen, Geschichten-in-Geschichten, Was-wäre-wenn-Folgen einstreuen, mit alternativen Universen und völlig überzeichneten Figuren arbeiten.
Adventure Time ist damit die Zombieserie, die wir alle wollen, aber nicht die die wir verdient haben.

Trilogie-Time!

Lasst uns diesen Streit beenden ein für allemal.
Es gibt Trilogien, die sehr großartig sind, aber leider zu viele Teile haben (Alien, Per Anhalter durch die Galaxis, Zombie) und sich so disqualifizieren. Es gibt Filmreihen, die sich glücklicherweise schon disqualifiziert haben (Twilight, Saw). Es gibt aber auch richtige, dreiteilige Trilogien, die zurecht erwähnt werden sollten.
Fangen wir mit der jüngsten Filmumsetzung an:
The Hunger Games wurde mir immer wieder empfohlen, aber ich sehe mir sowas grundsätzlich erst nach Fertigstellung der Trilogie an. Die Three Flavours Cornetto Trilogy mit Simon Pegg und Nick Frost wurde bereits beendet und ist vermutlich eine der großartigsten Filmreihen, die jemals in Groß Britannien entstanden sind, aber, größte Filmreihe ever made? Hm. Zumal die verbindenden Elemente von Shaun of the Dead, Hot Fuzz und The World’s End eher gering sind. Kann man sich aber durchaus mal anschauen.
Kommen wir zu den ernster diskutierten Kandidaten:
Zunächst wäre da Star Wars. Hoch angesehene Filmreihe, aufgebaut aktuell aus zwei, künftig drei Trilogien und schon immer in Dreier-Gruppen angelegt gewesen (außer wir sehen das in Machete-Ordnung, also IV, V, II, III, VI). Star Wars hat mit die größte Fangruppe und das teilweise sicher zurecht.
Die andere große Fangruppe dürfte Herr der Ringe als die Trilogie sehen. Ich sehe das aus mehreren Gründen nicht so. Zum einen wurde zwar im Druck durchaus eine Drei-Bücher-Struktur suggeriert, schaut man sich aber die Filme am Stück an oder liest die Bücher, so ist da keine wirkliche Dreigliederung zu erkennen (zumindest ich sehe da keine). Viel eher ist es eine lange, lange Geschichte. Und das sah auch Tolkien so. Ursprünglich wollte er eine Gesamtausgabe, aus der aufgrund der hohen Druckkosten dann nichts wurde. (siehe Wikipedia). Herr der Ringe als Trilogie zu sehen – oder doppelte Trilogie? – verkennt den Aufbau der Erzählung und disqualifiziert sich für weitere Diskussionen.
Die anderen Möglichkeiten ausgeschlossen bleibt nur noch eine Trilogie übrig, und das ist die einzige und die wahre und die gute: Zurück in die Zukunft.
Seien wir ehrlich: Es konnte immer nur Marty McFly sein. Es konnte immer nur Doc Brown sein. Es konnte nur die Geschichte um Zeitreisen im DeLorean sein. Wie Marty im ersten Teil seine Zeit rettet, um später seine Zukunft zu retten (Hoverboards!) und dann im dritten Teil in der weiten Vergangenheit landet.
Damit wäre die Sache dann auch endlich geklärt. Zumindest solange, bis irgendjemand wieder an der Vergangenheit herummurkst.