All the Memories make me want to go back there.

Warum schaue ich eigentlich nach über acht Staffeln immer noch How I met your mother? Will ich nach sieben Jahren wirklich immer noch wissen wer die Mutter ist? Diese Frage ist unsinnig. Es ist auch unsinnig, wie sich Leute darüber beschweren, wenn andere angeblich spoilern und Bilder der Schauspielerin veröffentlichen, die angeblich (!) die Mutter sei. Die Serie heißt aus guten Grund nicht „Who the fuck is the mother?“. Es ist „How I met your mother“. Wie lernte ich eure Mutter kennen. Wie das Nibelungenlied – dessen Wendungen, Ereignisse und Ausgang jedes Kind kannte – handelt es sich bei HIMYM nicht um eine „Was?“-Spannung, sondern eine „Wie?“-Spannung.
Man kann also gar nicht spoilern. In wie weit sollte es Ihnen die Freude am Nibelungenlied nehmen, wenn ich ihnen verrate, wer wen umbringt? Das ist zwar nicht völlig egal, aber die Freude am Werk ist doch ihr Verlauf, die Wendungen und kleinen Einzelheiten. Nicht aber die eigentlichen Ereignisse.
Gerade deshalb – aufgrund des Wissens der späteren Folgen – ist die erste Staffel für mich unerträglich geworden. Darin gibt es einige Punkte, kleine Nebensächlichkeiten, die behauptet werden, die im weiteren Verlauf der Serie nicht stimmen. Das „Wie?“ passt also nicht zum „Was?“. Logische Brüche, die so nicht erklärbar sind.

Woher aber die Faszination für diese Serie?

Wirklich interessant wird die Serie erst durch die außergewöhnliche Perspektive, in der sie erzählt wird. Bisher hielt ich das nur für Sprachwissenschaftler interessant, schließlich findet sich hier eine Erzählung in einer Erzählung (teilweise mit Erzählungen in der Erzählung in der Erzählung), was – finde ich – ziemlich awesome ist.
Den menschlichen Blickwinkel darauf habe ich vielleicht wegen der geisteswissenschaftlichen Brille bisher übersehen. In einem Interview von Anfang 2011 (Auf YouTube wurde das Video einen Tag nach Premiere der 125. Folge (s6e13), in der (SPOILER!) Marshall vom Tod seines Vaters erfährt, online gestellt) erzählt Josh Radnor von einem Fan, der die Serie schätzt, weil sie ihm zeigt, dass das Leben, welches er gerade führt, irgendwann seine Erinnerungen sein werden. (Betreffende Stelle im YouTube-Video)
Betrachtet von dieser Perspektive bietet die Serie beides: Einerseits die (eingebildete) Gewissheit, dass es sich trotz aller Krisen und allem Schlechten gerade lohnen wird, dass dies irgendwann Erinnerungen sein werden. Andererseits bedeutet die Möglichkeit, dass das Heute zu Erinnerungen in einer im Moment nur vorgestellten Zukunft wird, dass es eine lebenswerte Zukunft geben wird, in der wir uns an heute erinnern können. Wie sehr das beispielsweise den Konzepten von The Walking Dead, Adventure Time, 2 Broke Girls oder Breaking Bad widerspricht will ich in aller Deutlichkeit unterstreichen: Nicht nur das Jetzt ist lebenswert und awesome und es gibt – vielleicht! – eine Zukunft, auf die man hinarbeiten kann, nein, es wird in der Zukunft ein Erinnern an die gute (und schlechte) Zeit heute geben. Es ist zudem ein Erinnern in eine gute Vergangenheit innerhalb einer guten Gegenwart, die aus unserer Sicht die Zukunft darstellt. (vgl. auch: Warum ich Star Trek: TOS mag.)
Die Serie behauptet also nicht nur, es werde alles gut oder alles sei toll. Nein, die Serie setzt voraus, dass die Protagonisten an einem Punkt ankommen, an dem sie auf ihre Vergangenheit zurückblicken können und diese als „gelungen“ bewerten werden.
In dem Sinne ist HIMYM das in Comedy-Serie gegossene Versprechen, das auch so großartige Kampagnen wie „IT GETS BETTER“ geben. Und Ted Mosby der Held unserer Geschichte, der nicht nur behauptet, dass alles besser wird, sondern der auch erzählt, wie es besser wurde.

HIMYM ist keine Weltrettungsmaschine.

Natürlich ist die Serie nicht dazu ausgelegt, das Leben der Menschen besser zu machen. Vermutlich will sie nicht einmal Moral, Hoffnung oder Irgendwas vermitteln. Sie dient nur dem füllen der Lücken zwischen der Werbung. Auch wird sie bedauerlicherweise mit dem Auftauchen der Mutter als Charakter enden – schlimmstenfalls mit einem Schnelldurchlauf durch die dann gemeinsame Geschichte. Dabei gäbe es noch so viel Stoff. Was hat die Mutter erlebt, bevor sie Ted traf? Wie kam es zu den Kindern und zu deren Jetzt? Es wäre schade, wenn das Finden des Lebenspartners das Ziel und der Endpunkt der Serie wäre, denn dies befördert nur den Irrglauben der meisten Leute, man müsse nur die/den „Richtig_en“ finden, dann wäre alles gut. Dass das Blödsinn ist weiß der gesunde Menschenverstand durchaus, diese Erkenntnis umzusetzen ist er aber spätestens nach der Einnahme des dritten Disney-Liebeskomödien-Abführmittel nicht mehr fähig.
Die letzte Folge müsste folglich noch deutlich weiter in der Zukunft spielen, und eine letzte Rahmenerzählung um diese Geschichte packen: Ted Mosby müsste sich auf seinem Sterbebett glücklich daran erinnern, wie er seinen Kindern die Geschichte seine – und ihres – Lebens erzählt hat und – jajaja, das ist das Ende von Six Feet Under – die Erinnerungen an all das müssten an ihm vorbeischwirren. Und erst dann, erst mit dem Tod des letzten Protagonisten kann die Geschichte enden. (Wenn überhaupt.). Denkbar wäre nämlich auch, dass eines der Kinder bei ihrer Hochzeit die Geschichte erzählt, wie sein Vater seine Mutter traf. Soweit in die Zukunft zu blicken traut sich CBS allerdings ziemlich sicher nicht.
Wahrscheinlicher ist natürlich der Satz: „And that, kids, is how I met your mother.“ (Und Peter so…)
(Auf 9gag gibt es noch ein wunderschönes Gimmick zu einer meiner absoluten Lieblingsfolgen: Die Folge in der Marshalls Vater stirbt hat einen versteckten Countdown und – so zumindest behauptet es dieses Posting – habe Jason Segel nichts vom Ausgang dieser Folge gewusst. Wer die Folge nicht mehr in Erinnerung hat: Lohnt sich nochmal anzusehen. Wirklich.)
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Erwachsene prügeln sich, weil sie unterschiedliche Kindheitserinnerungen haben.


Als Skandinavistik-Studierender kommt mir die Galle hoch – so sehr ich Mykke schätze -, wenn jemand Astrid Lindgrens Pippi Långstrump beleidigt. Man darf durchaus diskutieren und auch Sachen in Frage stellen und ich fühle mich überhaupt nicht in der Lage, wissenschaftlich nachzuweisen, dass Heidi weniger ein „starkes Mädchen“ ist als Pippi. Ich bleibe deshalb völlig subjektiv und stelle nicht die persönliche Bedeutung in Frage, die manche Figur für einen nun erwachsenen Menschen hatte und eventuell hat. Trotzdem mache ich mir jetzt gleich Feinde:
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Eine Wohnung, ein Beitrag

Bekanntermaßen versuche ich im Moment ausschließlich von dem außergewöhnlich hohen „Taschengeld“ zu leben, welches mir meine Eltern unter anderen auszahlen können, weil sie für mich noch Kindergeld erhalten. „Kindergeld“, das sind in Deutschland so um die 184 Euro (eine Zahl, die mir seit Monaten im Kopf herumschwirrt). Davon erhalte ich seit ich studiere satte 100 Euro von meiner Mutter monatlich per Überweisung.
Da ich hier keine Miete zahle (die Wohnung läuft als „Eigenbedarf“, deshalb bekommt mein Vermieter/Onkel im Moment kein Geld von mir) geht das noch so halbwegs, auch dank den Rücklagen, die ich in meiner Jugend bilden konnte beziehungsweise die für mich gebildet wurden und natürlich der Nahrungsmittel und anderen geldwerten Unterstützungen durch meine Eltern und meinen Bruder.
Nun lese ich – weil sich @mykke_ heute morgen darüber aufregte – auf www.rundfunkbeitrag.de, dass ich hier ab Jannuar als Bewohner einer Wohnung satte 17,99 Euro bezahlen werde. Ein Zehntel des Kindergelds, ein FÜNFTEL meines verfügbaren Einkommens. Bäm.
Ich befürchte schon, auch den Luxus des montäglichen Mensabesuchs zugunsten von Knäckebrot aufgeben zu müssen, nur noch wöchentlich duschen zu können oder weitere 5 Monate für Schuhe ohne Löcher sparen zu müssen. Ich leiste mir zwar wirklich einige Luxus-Güter, trinke ab und an auch mal ein Bier in einer Kneipe, aber 17,99 Euro zusätzliche Ausgaben bedeuten schlicht: Ich habe noch weniger Geld in der Tasche ohne auch nur eine theoretische Steigerung der Lebensqualität.


Ich könnte übrigens auch wie eine Freundin von mir für diesen Betrag drei Stunden pro Woche hart Arbeiten. Plus ne Stunde Hin- und Rückfahrt. Yeah. Ich such mir jetzt einen Nebenjob, damit Fernsehsender und Radioprogramme finanziert werden, die ich nicht schauen kann, weil ich dafür ja die ganzen Zeit arbeiten muss. (Logik, fuck yeah!)
Alternativ kann ich auch wie eine andere Freundin vierzig Stunden die Woche schuften, um nachher vierhundert Euro zu bekommen. Die zahlt genauso Miete wie du und ich (ja, also, ich im Moment weniger, äh, Du weißt worauf ich hinaus will). Sie zahlt auch ihre GEZ-Gebühren, fährt jeden Tag zur Arbeit und macht – Trommelwirbel! – unbezahlte Überstunden! Mal sehen, wie sie sich freut, wenn ich ihr das nächste mal erzähle, dass sie sich zwar immer noch keinen Fernseher leisten kann, nun aber genausoviel Beitrag zahlen wird, als hätte sie einen.
Nun gut. Immerhin empfange ich hier kein Fernsehen, also muss ich auch nicht sehen, wie Geld für so einen Unsinn wie Börsennachrichten, SWR-Quizshows, ARD-Talkrunden, den Tatort, Rosamunde Pilcher oder – ja, genau! – ARD-Brennpunkte verschwendet wird. Dann müsste ich wohl wirklich heulen.

2 Broke Girls und der Untergang des Abendfernsehland.

So, order something else from the menu, shove it in your pie hole, and get on with your damn life!

Die CBS-Komödie „2 Broke Girls“, die aktuell auf ProSieben zu sehen ist (auch online) und von der in den USA kommende Woche die zweite Staffel beginnt ließ mich nach einer Nacht mit der kompletten ersten Staffel mit gemischten Gefühlen zurück.
Kurz zum Aufbau: Max ist Kellnerin in einem Diner, arbeitet als Babysitterin in Manhatten für eine völlig überzeichnete reiche Mutter und backt nachts Cupcakes. Caroline, ein Kind aus sehr reichem Hause, fängt in ebendiesem Diner mit Max an zu kellnern, da ihr Vermögen wegen krummer Geschäfte ihres Vaters eingefroren wurde. Das ganze artet in die üblichen Serienklischees aus und schließlich werden beide Freundinnen (oder zumindest Schicksalsgenossinnen), die zusammen ein Cupcake-Geschäft eröffnen wollen. Die Zahl am Ende einer jeden Folge gibt an, wie viel sie schon von den 250.000 US-Dollar, die sie für diesen Traum benötigen würden, angespart haben. Titelmelodie ist Second Chance von Peter Bjorn and John.
Wie bei meinem Lieblings-TV-Blogger Blamayer ab hier „volle Spoiler für die 1. Staffel.“
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