Kauf Album.

Foto von der Facebook-Seite. Alle Recht gehören denen.
Die Pathos-Gang ist zurück. Gestern trat die Antilopen Gang im Hochschulradio Kölncampus auf. Das Interview ist größtenteils uninteressant, weil einerseits die Moderatoren dumme Fragen stellen und dementsprechend dumme Antworten bekommt. Trotzdem gibt es ganz interessante Momente und ein passables Live-Radio-Konzert. (Den erwähnten Delhaize-Supermarkt gab es übrigens in Aachen. Ob die auch Antilopenfleisch verkauften, und ob darauf der Name der Gang beruht, kann ich nicht nachprüfen.)
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Herr Idiotin

Glücklicherweise muss ich mir nicht mehr den Mund fusselig reden, weil das bildblog freundlicherweise erklärt, was die gefühlt 348 Blogeinträge und „journalistischen“ Texte zum generischen Femininum bei der Uni Leipzig falsch verstanden haben. Mit welcher Überzeugung ein Unsinn wie „Herr Professorin“ geglaubt und daran eine haarsträubende Kritik festgemacht wird, ist … deprimierend. Vor allem, wenn man dann noch beschimpft wird, weil man dieses Missverständnis aufzuklären versucht.

Don't give up the ship

Falls sich jemand – so wie ich – bei Video zu „Making it up“ gefragt hat, was für eine irre Indieband wohl „Don’t give up the ship“ heißt und warum die keine Poster sondern Fahnen verteilen… nun… das weiß ich auch nicht. Aber ich weiß jetzt, woher diese Fahnen kommen und was sie bedeuten.
don't give up the ship
(Foto von Anne Petersen)
Die Schlacht auf dem Eriesee am 10. September 1813 gilt als entscheidender Sieg der Amerikaner gegen die Briten, der schließlich dazu führte, dass Großbritannien seine Gebietsansprüche in Amerika aufgab. Nun gibt es zum Verlauf dieser Schlacht zwei unterschiedliche Sichtweisen. Die eine sieht die bis dahin unbesiegte britische Flotte – die jedoch deutlich in der Unterzahl war – im Vorteil – weil sie über weitreichendere Kanonen verfügte -, die andere die amerikanische, zahlenmäßig überlegene, unter Führung von Oliver Hazard Perry.
Wie dem auch sei: Ein amerikanisches Schiff sank und es heißt, die amerikanischen Seemänner wären motivationsmäßig dem Nullpunkt nahe gewesen. Die von Perry vom sinkenden Schiff gerettete Fahne mit dem Motto „Don’t give up the ship!“ aber hätte derart motiviert, dass man die Briten doch in die Flucht geschlagen hätte.
Dieser Satz wiederum geht auf den letzten Befehl des Kapitän James Lawrence zurück, einem guten Freund von Perry, dessen Schiff im Juni des gleichen Jahres von den Briten zerstört wurde. Die Originalfahne von Perrys Schiff kann man sich in einem Museum in Maryland ansehen.
Warum hängt man sich nun aber als aufstrebende Musikerin diese Fahne in die Wohnung? Vermutlich auch aus Motivationsgründen. Schließlich gibt es genug Momente im Künstlerdasein, in denen man zweifelt und die Sache schon als verloren ansieht. Und dann sieht man die Fahne und denkt an ihre Geschichte und kämpft doch weiter. Noch ein Auftritt, noch ein Album, noch mal anstrengen. Bis es klappt. Und zwar, weil es das tut.

Rap für Versager.

Was 1994 der Grunge war, ist 2013 Deutsch-Rap. Zumindest rede ich mir das ein. Die MTV-News (die Älteren werden sich erinnern) sind heute die Facebookseiten der Künstler. Auf selbiger der Antilopengang gab es heute erstmals seit Jakobs Tod wieder ein Posting.

Die gute Nachricht für alle Antilopen-Fans lautet: Es geht weiter. „Antilopen 4 Life!“
Zudem gibt es den oben eingebundenen Track aus NMZS‘ Nachlass. Das Stück mit dem Titel Freaks ’n‘ Geeks wurde 2012 aufgenommen und kann man sich hier herunterladen. Außerdem wird im Verlauf des Jahres sein komplett fertig aufgenommenes Album „Der Ekelhafte“ in angemessener Form erscheinen. Angekündigt ist auch eine Box mit NMZS‘ Gesamtwerk.
Es ist ein komisches Gefühl, dass der Mensch hinter dem Künstler jetzt weg ist. Ich glaube aber, so wie seine MP3-Tracks auf jedem MP3-Stick routieren, bleibt der Musiker NMZS da. Es ist diese seltsame Anwesenheit, die wir bei Kurt Cobain oder Tupac vor allem in den letzten Jahren zunehmend erleben. Der Künstler „lebt“. Ihre Musik lebt. Sie haben Fans, und, was NMZS angeht, so sind es jetzt offenbar alle seine Fans. Als sein Tod durch die sozialen Netzwerke schwabte hörte ich seine Musik und las die Beileidsbekundungen von Deutsch-Rap-Namen wie Kool Savas. Manche Leute bekundeten ihr beleid auch und sagten, dass sie nun das erste mal von NMZS hören würden. Ein Tod zieht seltsam weite Kreise.
Und seine Musik läuft weiter. In meinen Kopfhörern kocht er weiter seinen Eintopf. Liebt und hasst er weiter seine Stadt. Ist er weiter auf Abwegen. Ist er immer noch der Bananaman. Macht er Rap wieder dumm. Ist es immer noch Survival of the Sickest. Springt sein Hirn weiter gegen Gummiwände. Und er bleibt der Beste von A bis Y.
Der Künstler stirbt nicht.
Update: Inzwischen ist nicht nur seine (vermutlich) private Facebook-Seite bekannt, sondern Jakob Wich alias NMZS hat nun auch einen Wikipediaeintrag. Auf RapGenius versuchen einige Benutzer (ja, ich auch) Nemesis‘ Texte zu sammeln und zu interpretieren, darunter auch das postum veröffentlichte Freaks ’n‘ Geeks. Außerdem haben die verbleibenden Antilopen neue Auftritte angekündigt.
Update II: Koljah hat in der Juice einen recht lesenswerten Nachruf veröffentlicht. Die darin erwähnten Graffitis findet man beispielsweise am Mainzer Hauptbahnhof (Facebookfoto von Koljah).

160 Jahre heimliche Schwabenhymne und die Krux mit der falschen Quellenangabe.

Update: Zum Thema schrieb ich 2016 eine Hausarbeit.
Es gibt diese nette Legende, dass die erste Druckfassung der weltbekannten heimlichen Schwabenhymne „Auf de schwäb’schen Eisenbahne“ aus Tübingen stammt. Mehr noch: Aus einem Tübinger Kommersbuch von 1853 – also just drei Jahre nach der Eröffnung der Durchgängigen Strecke von Heilbronn im Norden über Stuttgart und Ulm bis nach Friedrichshafen im Süden am Bodensee.
Zahlreiche Liederbücher – allen voran „Was singet und klinget“ von 1926 – verweist auf dieses Tübinger Kommersbuch 1853. Auch die Wikipedia (Stand: 25. Januar 2013) verweist auf dieses Studentenliedbuch, welches Verbindungsstudierende mit in die Kneipen nahmen und ihre Lieder grölten. Das Bild passt einfach so schön: Das mit Biernägeln (wenn mal was verschüttet wird, wird das Buch dadurch nicht nass) bestückte Gesangsbuch als die Grundlage einer gesungenen Vereinigung Württembergs und schließlich des ganzen Südwesten.
Nur: Ein solches Tübinger Kommersbuch von 1853 gibt es nicht.
Das erste mal tauchte „Auf de schwäb’schen Eisenbahne“ in einem Tübinger Kommersbuch in der achten, erweiterten Auflage von 1894 auf. Dort wird es auch korrekt als hinzugekommen angegeben. Nun könnte man sich ja rühmen, obwohl man stets falsch zitiert wurde, dass dies die erste Druckfassung gewesen wäre. Im „Allgemeinen Liederschatz“ findet sich jedoch schon 1888 eine Version dies Liedes. Irgendjemand – wer ließ sich für mich nicht nachprüfen – hat da einfach die falsche Quelle angegeben und zahlreiche andere haben diese nicht überprüft. (Besonders lustig ist hierbei die Wikipedia, die zwar auf Literatur verweist, die ihren Angaben widerspricht, diese aber offenbar ignoriert.)
Zwei Löbliche Ausnahmen gibt es: 1987 wieß Otto Holzapfel in einem Aufsatz bereits auf diese falsche Quellenangabe hin (x). Vergangenes Jahr veröffentlichte dann Eckart Schörle ein wirklich bezauberndes und sehr gelungenes Buch „Auf de schwäbsche Eisebahne. Eine Schwabenhymne“ (Amazon (Partnerlink), x), auf dessen Text ich mich hier weitgehend berufe.
Wenn die Quelle „Tübinger Kommersbuch 1853“ nicht existiert, dann haben wir 2013 folglich auch kein Jubiläum. Oder doch?
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