Aussichtsreichster Nicht-CDU-Kandidat.

Sorry, ich nerve schon wieder. Wegen dieser Wahlempfehlung.
Neulich fragte ich den – meinem Gefühl nach aussichtslosen Direktkandidaten der SPD hier im Ort -, welcher Nicht-CDU am aussichtsreichten wäre gegen die in Berlin befindliche Wiedmann-Mauz. Er konnte mir diese Frage nicht beantworten. Aber doch bitte „beide Stimmen SPD“. Die alten, bärtigen Männer am Stand der Linken sagten auch „Beide Stimmen für die Linke“. Die Grünen sahen mich, nachdem ich mit den Wahlkämpfern der Konkurrenz gesprochen hatte, schon so böse an, dass ich mich nicht auf sprechweite anzunähern getraute.
FDP und CDU blieben, wie es wohl ihrem Wahlkampf besser tut, dem Kontakt mit dem Bürger fern.
Die Sache ist die: Bei den Direktmandaten gibt es seit Jahren für alle Nicht-CDU-Kandidaten im Landkreis nichts zu gewinnen. Trotzdem gibt es immer eine Mehrheit für Nicht-CDU-Kandidaten. Es wäre demnach sinnvoll und im Sinne einer Nicht-CDU-Wählerschaft, wenn man die Stimmen auf den oder die Kandidat_in vereinigt, der_die die größten Aussichten auf Erfolg hat.
Alles andere ist verstandesmäßiger Unsinn. Kommen Sie mir jetzt nicht mit „Wie soll man die Leute denn mobilisieren?“ Das ist gar nicht die Frage. Ein anderes Verhalten ist bei einer Mehrheitswahl schlicht nicht zweckmäßig als eine Fixierung auf eine Zwei-Kandidaten-Wahl (weshalb derartige Wahlsysteme auch alles andere als sinnvoll sind).
Ich tippe zwar auf Chris Kühn, obwohl mir Heike Hänsel seit Jahren sehr sympathisch ist (aber sie ist Listenplatz 2 bei der Linken und als Direktkandidatin aussichtslos). Andererseits ist Kühn völlig neu. Dann Rosemann? Meinem Bauchgefühl traue ich nicht.

Strategisch wählen.

Was wir brauchen, sagte ein Bekannter, sei eine starke Opposition. Nun überlege ich: Wir wählen alle Die Linke und die fungieren dann als Cockblocker sowohl für die Fortführung der Schwarzgeld-Koalition, als auch für Rot-Grün. Kriegen wir also ne große Koalition oder – Gott bewahre! – Schwarz-Grün und haben wieder eine sehr kleine Opposition.
Wählen wir die Piraten, haben wir das gleiche Problem. Also wählen wir… FDP? Und verhindern so die Raubritter des Dosenpfand und der Arbeitslosenhetze? Oder wir wählen SPD und hoffen, dass die eine starke Opposition geben (hihi)? Oder die Grünen? Oder wählen wir einfach die CDU, und sorgen durch eine Beibehaltung der jetzigen Verhältnisse – im Idealfall einen superknappen Sieg für Schwarzgelb – für eine zahlenmäßig große Opposition?
Alles Mist. Eine Partei zu wählen, weil man sich ein bestimmtes Wahlergebnis ausmalt, ist große Moppelkotze. Und gute Personen wählen funktioniert auch nicht, weil – wie es A. Stefanowitsch in Bezug auf die Piraten formuliert: „Soll ich zwei Drittel Selbstdarsteller und geborene Hinterbänkler in Kauf nehmen, um ein Drittel tolle Menschen mit tollen Themen in den Bundestag zu wählen?“ – man immer Leute mitwählen muss, die man nicht will. Und nicht wählen kommt für mich nicht in Frage.
Alles Mist.