Yeah! Yeah! So nicht. [Geschenk!]

Vorbei. Mit einem Kommetar zu diesem Eintrag kannst du Nr. 0921 des Disappointments Diary’s gewinnen. Außerdem sind jede Menge Bilder aus meinem Tumblr-Archiv verlinkt. Und Kekse gibt es auch!

2013 wird ätzend. Das weiß ich genauso gut wie Grumpy Cat. Das Dasein ist blöde und das man morgens überhaupt aus dem Bett kriecht um irgendwelche Punkte von Listen abzuhacken ist deprimierend. Warum sich in seiner Internet-Depression – wenn man nur noch dazu fähig ist Katzen-Videos zu schauen – nicht direkt einen dazu passenden Kalender kaufen?
An dieser Stelle würde ich meine schönste Werbemenschenstimme auspacken und anpreisen:

Das Disappointments Diary 2013 (disappointmentsdiary.com) ist ein Kalender für Menschen wie uns, die sich darüber klar sind, dass die aufgeschriebenen Punkte („Aufstehen, Leben auf die Reihe kriegen“) eh nicht erreicht werden.
Aber das ist ok. Irgendwie. Es ist ok, wenn man seinen freien Tag damit verbringt, Katzenbabys beim Entdecken ihrer Welt zuzusehen und darüber die eigene Welt vergessen kann. Wo alles kalt ist, schimmelig und nervig brummt. Es ist ok sich in diese flauschige Welt aus Schnurren und „Lass mich in Ruhe, Welt“ zu flüchten, wenn man das gerade braucht. Und es ist völlig ok, diesen Lebenstil durch seinen Kalender Ausdruck zu verleihen.
Spätestens jetzt müsste die Telefonnummer eingeblendet werden und eine enttäuschend synchronisierte Frau mittleren Alters müsste sagen, dass ein solcher Kalender ja hunderte von Euro kosten müsse. Und der bärtige Verkäufer mit Wintermütze und auf einer Unicat sitzend (ich) würde dann triumphierend ausrufen, dass man diesen superdeprimierenden Kalender hier gewinnen kann. („Waaaas?“). [Ironisch:] Yeaaah.
Was ihr dafür tun müsst? Ein enttäuschendes Erlebnis in den Kommentaren erzählen (oder irgendwas anderes). Es entscheidet das Los. Zeit dafür habt ihr bis Freitag, 6. Dezember um 12 Uhr. Ihr gewinnt wahrscheinlich eh nicht und seid dann enttäuscht, aber ohne gültige E-Mail könnt ihr’s eh direkt vergessen! Gewinnspiel vorbei. Kommentator_in Nr. 2 – Carrie-Ann – hat gewonnen. Da die Gewinnerin sich auch nach einem 12 E-Mails umfassenden Briefwechsel ohne ersichtlichen Grund weigerte irgendeine Versandadresse anzugeben behandle ich ihre E-Mail als nicht „gültig“ und verloste neu. Gewonnen hat ein anderer Kommentar, dessen Autor_in sofort eine Adresse mitteilte. Gibt sicher Gründe, und es tut mir auch leid, aber wenn sich der Gewinner weigert, einen Gewinn anzunehmen, geht das halt nicht anders. Uff.
Disappointments Diary

    (Und warum das ganze? Weil ich dieses Kalenderlein für meinen wunderbar zynischen Lieblingsbruder bestellte und mir erst nach dem Bestellen auffiel, dass er ja keine Verwendung dafür hat. Außerdem zelebrieren wir ja kein Weihnachtsfest. Also, profitiert davon und freut euch dran. Oder halt nich‘.)


„Und wo sind die Kekse?“ fragt ihr euch sicher gerade. Das mit den Keksen war gelogen. Scheißtag, wa?

Ich könnte dir Recht geben, aber dann längen wir beide falsch.

    Und jetzt zu Euch, liebe Datenmüll-Produzenten, die Ihr Euch „Blogger“ zu nennen wagt: Warum macht Ihr das? Haltet Ihr Euer nebensächliches Leben für so spannend, dass die Menschheit daran teilhaben sollte? Das Web? Ein Drittel der Menschheit, das sind für die Schnellrechner über zwei Milliarden Menschen, hat Zugriff auf das Internet. Ihr versteht, was Ihr mit Euren Blogs anrichtet? Also bitte, nehmt sie offline und überlasst denen das Feld, die wirklich was zu sagen haben. Das Internet soll ja nicht aussehen wie das Nachmittagsprogramm von Sat1.
    Christian Rentrop auf Netzwelt.de am 14.07.2005

Zunächst: Es ist nicht fair, einen 7 Jahre alten Text auszugraben.
Meine Tante hat die Bilder aufgehoben, die ich ihr als Kind schenkte. Es sind krakelige Buntstift-Schauerstücke, die bestenfalls Ressourcenverschwendung sind, schlechtestensfalls Beweis meiner mangelnden Malfähigkeiten. Auch heute bin ich nicht gut darin. Kritzele, wenn überhaupt. Ich bin auch kein besonders guter Schreiber, habe keine interessanten Themen, komme nicht schnell genug auf den Punkt. Ich produziere auch keine großartige Fernsehserie, schreibe kein Romane und ich bin auch – um ehrlich zu sein – kein guter Student.
Und?
Hier ist er, der Punkt: Schlecht ist völlig in Ordnung. Ein mieses Blog damit zu füllen, dass man von seinem Familienleben berichtet, ist ok (sofern die Familie das ok findet). Das Internet ist keine Stadt und selbst in der Kleinstadt gibt es Ecken mit dummen Schmierereien, schlechten Graffitis und kaputten Glasflaschen. Das gehört einfach dazu.
Bevor ich der beste Schwimmer der Welt werden kann, muss ich erstmal das Schwimmen lernen. Gleiches gilt fürs Schreiben, für jede verdammte Arbeit, für Handwerkstätigkeiten, fürs Putzen, fürs … ja, genau… fürs Bloggen. Ich weiß, dass das hier, was ich tagtäglich verzapfe zu 99 % großer Müll ist. Ich weiß das besser als Sie. Stört es mich? Nein. Ich mache weiter. Ich schreibe solange weiter, bis ich richtig gut darin bin – oder keine Lust mehr darauf habe.
Wer könnte mir das verübeln? Und, unabhängig davon: Wer entscheidet denn, wer wirklich was zu sagen hat? Wenn die Idioten aufhören, müssen sich die Schlauen nicht mehr anstrengen. Wie wäre also ein Internet, in dem es nur Sascha Lobos und Netzwelt.de gäbe? Nun. Es wäre scheiß langweilig. Nicht, weil wir tatsächlich die ganzen Kochblogs vermissen würden oder so einen Müll wie diesen hier, aber es würde dennoch etwas fehlen. Genauso, wie etwas fehlen würde, wenn die Parteien, die ich für unnötig halte, nicht mehr gewählt werden dürften. Oder wenn die Menschen, die ich nicht mag, nicht mehr vor die Tür dürften. Wer fordert – selbst nur aufs Internet bezogen und nur im übertragenen Sinn -, dass Leuten, die nichts wichtiges zu sagen haben, die Stimmbänder entfernt werden, der fordert ein Ende einer lebenswerten Gesellschaft und letztlich eine Oligarchie. Daneben sollte niemand sicher sein, dass ihm nicht auch der Mund verboten wird, wenn nur noch „das Beste“ zugelassen wird.

Die vermisste Katze.

Neulich hatte ich über ein Katze geschrieben (Hier), von der ich ernsthaft annahm, ich hätte sie verscheucht.
Genährt wurde meine Angst vor allem, weil wenige Tage später in der ganzen Nachbarschaft Schilder auftauchten, auf denen nach einer Katze gesucht wurde, die entlaufen sei. Man sollte sich bei XY in der Gartenstraße 62 – wo unter anderen ich nun wohne – melden.
Heute war sie jedoch, zu meiner großen Erleichterung wieder da, lungerte im Innenhof herum und miaute die Leute an, die rein- und raus gingen. Mein Vermieter erzählte mir, sie wäre wohl eine Streunerin, die ab und an unerlaubt auch ins Haus komme.
Die fehlende Katze ist somit immer noch weg, aber ich habe sie nicht vertrieben. Puh.

Wie lange braucht eine Meldung in die Kohlenstoffwelt?

Das Internet.
Nicht nur Heimat solcher bezaubernder Blogs wie dieses, welches Du gerade liest, sondern vor allen Dingen auch ein verdammter Durchlauferhitzer für alles, was sich irgendwie Kultur nennen darf oder nennen dürfen sollte.
Weil hier alles gleichzeitig und meistens auch over the top stattfindet und jeder, der auch nur ein 100stel des Zeugs wahrnimmt entweder völlig wahnsinnig, mundschäumend und Regenbogen-Erbrechend wird oder sich René Walter nennt, deshalb werden wir ganz gerne von den Todholz-Print-Medien (?) und den hießigen Televisionsprogrammmacher halb belächelt, halb bestohlen (Vom Radio muss ich gar nicht erst anfangen, sonst lachen mich die jungen Leute hier wieder aus).
Ich finde das sehr interessant. Wenn eine Meldung abgefahren ist, oder ein Katzenvideo total krass, dann landet es meistens nach kurzer Zeit in der Popkultur, ein paar Blogger schreiben darüber, irgendwann schreibt das Kotzende Einhorn darüber, dann die kleineren Blogs, dann geht es bei deine wirklich hippen Facebook-Freunden rum, einige Tage später schickt mir meine Großmutter dann eine E-Mail („Jungchen, hast du gesehen was die Katze da macht?!“), dann lachen deine „hippen“ Facebookfreunde darüber und ungefähr eine Sonnenumrundung des Pluto später steht es auch in der Zeitung, läuft von einer debil grinsenden Moderatorin angekündigt („Und jetzt schauen Sie mal, was dieses Kätzchen macht.“) im Fernsehen oder wird von den lyrischen Selbstmord nahen Radiomoderatoren nacherzählt.
Aber, wie lang genau ist „ungefähr die Sonnenumrundung des Pluto“? (Für die jüngeren Leser: Pluto war mal ein Planet. Und die tatsächliche Zeit dafür sind 247,68 Erdenjahre.) Diese Zeit hängt sehr stark von der Relevanz und der Awesomeness einer Sache ab. Die wirklich großartigen, spannenden oder verändernden Ereignisse landen verhältnismäßig schnell in den Altmedien. Was länger braucht sind vor allem das Internet betreffende Angelegenheiten (außer, es dient zum Nachteil des Internets) und – was allerdings in der Natur der Sache liegt – abgefahrenes Zeug ohne aktuelle Relevanz. „Wie lange braucht eine Meldung in die Kohlenstoffwelt?“ weiterlesen