Titel hier eingeben (Nr. 14958122)

Ich frage mich, ob Heulen ein kommunikativer Akt ist. Sage ich damit meiner Außenwelt, dass es ein Problem gibt, welches ich nicht in der Lage bin, selbst zu lösen? Bei Kleinkindern mag das Sinn machen. Sie schreien und weinen bitterlich, wenn irgendetwas ist. Sie sagen „Die Außenwelt versteht mich gerade nicht“, „Die Sachen funktionieren nicht“, „Ich mag dieses Gefühl nicht“ oder sie kommen einfach mit der Gesamtsituation nicht klar.

Ich frage mich manchmal, ob sich das erhalten hat. Ob wir, wenn es Probleme gibt, die wir selbst nicht im Stande sind zu lösen, weinen. Und je älter wir werden, desto weniger kommen Menschen und versuchen unsere Probleme für uns zu lösen. Mit diesem Gedanken in meinem Rucksack komme ich plötzlich besser klar, wenn nicht mit der Gesamtsituation, doch zumindest mit den Sachen, die nicht funktionieren und den Gefühlen, die mich nicht mögen. Aber der Rucksack wird langsam schwer und ich muss ihn ablegen und Pause machen, wenn ich nicht auf meinem Lebensweg abhalten und weinen möchte.

Vielleicht ist weinen das Eingeständnis, dass wir andere brauchen? Zum Beispiel einen Augenarzt, die dieses nervige Steinchen endlich aus meinem Auge holt. Arrrrg!

I'm not… I can't… I… sorry…

[Geschrieben nach 38 Stunden wach sein – davon fast 20 vor einer Konsole verbracht. Ungelesen veröffentlicht.]
Gerade geht es einfach nicht. Ich fühle mich nicht im Stande, Menschen gegenüber zu treten. Zuviel Hass, zuviel Angst, zuviel Leute, zuviele Erwartungen. Ich würde, wenn das ginge, mich in mein Zimmer einschließen und für ein paar Tage nicht mehr rauskommen. Niemand_e treffen, mit niemand reden, mich nicht zeigen.
Ich bin zu viel am Bildschirm. Lese Texte, lese Kommentare, verzweifele über die Menschen, die sie schreiben. Diskutiere über die immer gleichen Themen. #refugeeswelcome, ja ja, aber die haben ja alle Handys und einen Penis (!!). Wenn das so weitergeht, dann Bürgerkrieg!!!111elf. Seien die linken Gutmenschen dran schuld. Uff, denke ich. Ich will nicht darüber schreiben.
Ich lese Verschwörungstheorien. Aber die Tage vergehen bedeutungslos. Ich müsste noch so viel lesen, so viel schreiben, Spiele spielen, Menschen umarmen, so viel zu tun…
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And i still haven't found my place

Ich habe keine Talente. Ich habe keine Hoffnung. Ich bin nur frustriert.
Da gehen die Menschenhasser demonstrieren, skandieren die moderne Form von „Ausländer raus!“ und „Schwule verbrennen!“, und ich habe echte Schwierigkeiten, ob diesen Leuten nicht auch zum Misanthropen zu werden.
Wie umgehen mit dem Hass? Wie umgehen mit den Fragen? Mit dem kleinen Weltuntergang jeden Tag? Ich ertrage das nicht, einfach so weiterzumachen. Aber ich weiß auch nicht, was ich sonst tun sollte. Im Schreiben entsteht die Welt. Im Denken geht sie unter. Wenn wir eh nichts bewegen können, es eh kein Richtig im Falschen gibt, wozu es dann noch versuchen? Für frustrierende Blogpostings?
Ich bin abhängig, liege der Welt auf der Tasche – Flächenverbrauch, Wasser, Finanziell -, und ich werde in diesem Leben nichts daran ändern können. Die einzige sozial verträgliche Form des Umweltschutz ist der Massensuizid. Die einzige sozial verträgliche Form der Arbeitsnehmerfürsorge ist proaktive Sterbehilfe. Wir retten unsere Arbeitsplätze nur, wenn wir alle sterben. Wir stoppen die „Überalterung“ der Menschen nur per Zwangsableben. Die Antifas und Linken und Wutbürger mag eh niemand… und Vergewaltigung ist in Wirklichkeit eine gute Sache.
Stehen Sie auf der Kante eines hohen Gebäudes und machen Sie den ersten Schritt in eine bessere Zukunft.
Aber, jaja, man sollte nicht zu Suizid aufrufen. Die Folgekosten sind da einfach nicht absehbar. Und es wird ja nichts besser, wenn wir uns alle umbringen.
Ich hab halt nur wieder häufiger das Gefühl, dass es nichts bringt, dass ich mich besser anpasse und dann eben Antidepressiva schlucke oder eine ernstzunehmende Alkoholikerkarriere beginne. Die tun wenigstens was für unser Sozialsystem!
Disclaimer: Nein. Ich bringe mich nicht um. Mich werden Sie leider nicht mehr los.

Mein guter Rat: Fick dich.

„Go fuck yourself“ ist vielleicht ein gut gemeinter Rat, jedoch gibt es ebenso gute Gründe, ihn nicht laut auszusprechen.
Einer Freundin – ich hoffe mal, dass ist sie auch jetzt noch – sprach mit mir über allerlei und auch ein bisschen Kummer, daher riet ich ihr – ich war schon reichlich angetrunken betrunken an diesem Freitagabend -, sie solle sich „ficken“, also, masturbieren. Das sei gut fürs Ego, gut für die Gesundheit und überhaupt. Onan wurde übrigens nicht deshalb von Gott bestraft, sondern, weil er … naja, nach heutigem Verständnis sich nicht um seine verwittwete Schwägerin kümmerte (Hier keine Verharmlosung des Bibelinhalts.).
Sie wurde dann – was mein betrunkenes Hirn völlig aus der Bahn warf – wütend und sagte, dass man so etwas nicht zu einer Dame sage. Sieht sie Masturbation als etwas schlechtes an? Ich war schwer irritiert.
In einem nüchternen Moment wurde mir allerdings klar: Es kann hier nicht um die Werte von „Damen“ gehen. Viel mehr ist es Ausdruck eines immer noch vorherrschenden Patriarchat. Zu sagen „Du musst es dir mal wieder richtig selbst besorgen“ führt zurück in die Zeiten, als man „Hysterie“ mit Vibratoren zu behandeln versuchte und Frauen so degradierte. Ich nahm ihre Probleme nicht ernst, sondern verkürzte auf „Du musst dich halt mal wieder richtig flachlegen“ – das ich mich für diesen Rat nach Ausnüchterung mehr als schäme (nicht nur wegen ihrer Reaktion darauf, sondern weil gutgemeint halt nicht gutgesagt ist) ist überflüssig zu erwähnen. Ich verhielt mich wie ein Arsch (und dupliziere das nach der Ansicht mancher sicher noch durch diesen Blogeintrag) und habe mich folgerichtig entschuldigt. Ich war ein Chauvinist, ein Antifeminist, ein Arsch…
In dem ich ihr sagte, sie möge sich „ficken“, tat ich genau das: Ich behandelte sie wie ein Mann von vor 270 Jahren. Und da gehörte ich auch hin, würde ich mich weiter so aufführen.

Yass.

Folgenden Eintrag schrieb ich unter Alkoholeinfluss. Ich habe ihn nicht nüchtern Korrektur gelesen und weiß nicht, worum es darin genau geht. Aber ich war betäubt, als ich ihn schrieb, weil ich die Welt nicht nüchtern ertrug. Du bist also gewarnt.

***

Die Nachrichtenlage lässt sich gerade recht gut daran ablesen, wie das Verhältnis von Rum in meinem Tee ist und wie lange ich nach den Nachrichten Katzenvideos schauen muss, um wieder zumindest ein bisschen mit der Welt klar zu kommen. Nun. Spätestens seit gestern besteht mein Tee nur noch aus Rum und seit über einer Stunde sagt eine Katze auf jede Frage yass.
***

Auf Facebook sind die Leute mit allen befreundet, irgendwie, und so geht der Riss direkt durch meine Kontaktliste. Da ‚wir‘, da Pegida. Willst du diesen Menschen die Freundschaft kündigen? Yass! Traust du dich das nicht? Yass! Doof. Yass.
Einer dieser Menschen, die ich gerne mögen will, aber nicht mögen darf, weil sie etwas mögen, welches ich nicht mag (Yass!), spült mir ein von Pegida – der Facebookseite – geliketes Video (Yass.) in meinen Aufmerksamkeitsstrom. Es stammt von einer der Regionalausgaben der Sat.1-Nachrichten, in der ein Mann mit wirren Haaren und kurzem Bart irgendeine Studie zitiert, ohne sie dabei zu nennen, irgendwas davon erzählt, dass Pegida keine Randerscheinung sei, sondern die Hälfte der Deutschen so denke und dann sagt er: „Ihr Politiker müsst jetzt etwas tun. Wir haben da auch kein Rezept, aber ihr müsst uns Bürgern jetzt zeigen…“ Yass. Vor meinen Augen verformt sich der Kopf des Kommentators zu der Katze. Ich umklammere meine Beine – oder ist es die Tastatur? – und sehe, wie mein Glas schon wieder ein Stückchen leerer ist.
Tief aus dem Ätherrauschen höre ich noch, wie der Kommentator noch gegen ‚Genderisierung‘ wettert. Wir müssen zuerst dieses eine Problem lösen – ich habe schon vergessen, worüber er genau redet -, bevor wir etwas anderes anfangen.
Ich nehme noch einen großen Schluck. Leer. Möchtest du noch einen … Tee? Yass. Zwischen den Haaren der Reporteryasskatze und dem Like-Häckchen einer Freundin schimmert ein Text hervor. Wie der LOST-Schriftzug erscheint er vor meinen Augen. Großbuchstaben. Sat.1-Nachrichten-Sprech.
„ES GEHT EIN RISS DURCH DEUTSCHLAND!“
Oh, denke ich,
gieße nach,
oh,
nehme noch einen Schluck,
oh.
Es ist immer noch nicht genug.
***

Gerade redete man noch von „Lügenpresse“ und nun sind da 12 erschossene Journalisten, die man zu Märtyrern erhebt, weil sie von den richtigen – den bösen? – Leuten erschossen wurden. Ich will solidarisch sein mit den Hinterbliebenen, Respekt vor den Toten haben, aber die täglichen Zahlen betäuben mich. Ich eckele mich vor mir selbst. Alle Menschen sind gleich. Aber für diese 12 trauern wir, und die nächsten 2000 sind uns nur 20 Sekunden im Nachrichtenblock wert. Jaja, dort tausende Flüchtlinge, da diese Krankheit, dort jener Terror. Jede Stunde sechzig Schweigeminuten. Ich kann einfach nicht mehr.
Zuerst hören wir zwanghafte Solidarisierung. Schweigeminuten auch in Deutschland. Ein Angriff auf die Pressefreiheit. Trauerflor. Islamistischer Terror? Oder war es Islamischer Terror? Oder ganz etwas anderes? „Nur“ Mord? Politisch vielleicht. Ich fahre Bus. In einem Schaufenster steht „Je suis Charlie“, so als wäre das ein neues Hipstergetränk. Irgendein_e Twittermensch spült einen anderen Vergleich in meinem Kopf. Ich sei nicht Charlie, sondern Ahmed, der tote Polizist. Charlie hätte sich lustig gemacht über … alles, und ich sei gestorben sein Recht verteidigend das zu tun. Als ob es etwas ändern würde, wenn ich mich an die Stelle der Ermordeten imaginiere.
Yass!

Hat jemand die Zeit gestoppt, wie lange es dauerte, nach dem die Schüsse in Paris fielen, bis jemand die geheuchelte Bestürzung ablegte und vor einem Kreisverband / Schützenverein / einer TV-Kamera endlich wieder die Einführung der Vorratsdatenspeicherung forderte? Ich glaube es kann nicht lang gewesen sein. „Ihr Politiker müsst jetzt etwas tun. Wir haben da auch kein Rezept, aber…“ Yass. Vielleicht sollten wir unseren Atommüll nicht in Salzstöcken lagern, sondern in dem Konzeptpapier zur Vorratsdatenspeicherung. Oder Anti-Irgendwas-Argumenten. Du kannst mit Wahrheitbomben darauf feuern, aber die Lügen und Halbwahrheiten bleiben. Völlig unzerstörbar.
Zyniker, denke ich, yass. So bin ich also geworden.
Mein Kopf schüttelt sich. Wie umgehen mit den Pegia-Leuten, wie umgehen mit den NoPegida-Leuten? Wo ist der dritte Weg? Lago…yass. Und warum denke ich, wie als wäre das selbstverständlich richtig, dass die Mitte aus zwei Extremen der richtige Weg sei? Dabei könnte ja auch ein Extrem richtig sein? Zwischen „Anti Alles“ und „Liebe deine_n Nächste_n wie dich selbst“ ist eben nicht der Mittelweg – sich unter einer Flauschdecke verstecken (Yass!) und Rumcola trinken (Yass.) – das richtige, sondern die bedingungslose Liebe aller Menschen. Oder sowas. Mein Kopf beginnt sich von den traurigen Nachrichten zu lösen.
Meine Titanic sinkt zwischen zwei Eiswürfeln. Ich sitze auf ihrem Schornstein und tauche ein. Genug. Der Rum schließt sich über mir und wie ich untergehe, so verschwimmt alles schlechte, alles traurige, und ich denke nur noch an ein paar Katzen und was sie so getan haben.
***

Nichts ist wahr. Nichts ist gut.
Ich werde nichts ändern können.
Nichts wird besser.
Ich genieße nochmal nach. Sicher ist sicher.