2 Stunden Wartezeit völlig umsonst.

Die armen Leute, die sich dazu entschlossen haben, mir auf Twitter zu folgen, erfuhren es schon vorher. Innerlich habe ich meinen Geldbeutel abgeschrieben. Hier wie immer die ganze Geschichte.


Heute Nachmittag erstmal beim Bürgeramt um die Wette gewartet mit ungefähr 50 anderen Leuten, um dann nach Nummern-Aufruf an einen der zunächst drei (!) offenen Schalter zu kommen. Planung ist offenbar alles: „Hey! Lass uns das Bürgeramt nur einmal die Woche nachmittags aufmachen, aber dann nur zu einem viertel besetzen!“

Nachdem ich völlig frustriert endlich zuerst einen Sitzplatz (!!) ergatterte und dann sogar an den Schalter durfte, konnte ich endlich mein Formular zur Ummeldung vorlegen. Ergebnis: Die Mitarbeiterin tippt alles nochmal in ihren Computer. Hätte ich mir also auch sparen können. Obendrauf gibt’s einen Aufkleber auf den Personalausweis, ein Gutscheinheft des Wirtschaftsförderungsverband (das ich hier noch genauer beschreiben möchte. Vorweg: Ungefähr 512 Fahrradschläuche bekommt man geschenkt.) und ein Orientierungsheft mit gefühlt 99 % Werbung für Fahrradläden und Handwerker.
Ich, „Einer von uns, einer von uns“-denkend erstmal in die Wohnung gefahren, das bisschen Zeug das ich dabei hatte ausgeladen (Handtücher!) und schnurstracks wieder nach Rottenburg, nur um im Bus festzustellen: Fuck, wo ist mein Geldbeutel? Alles weg: EC-Karte, Blutspendeausweis, Perso mit neuem Zettelchen, Semesterticket, Gesundheitskarte, … alles. (Naja, außer Bargeld.) Hmpf. Kaum landet dieser Mist-Geldbeutel im GLS-Bankspiegel, will er die weite Welt sehen. Damn.
In Gedanken gehe ich nochmal den ganzen Tag durch. Überlege, wo ich ihn hingelegt habe. Schreibtisch. Bestimmt auf dem Schreibtisch. Später also mit meinen Freunden getroffen, mit diesen zur Wohnung gefahren und … nichts. Shit. Shit. SHIT!
Wahrscheinlich ist er im Neckar gelandet, als ich über die Brücke zur Haltestelle Brückenstraße rannte. Beim Abendessen erzählt mir mein Kumpel dann, er habe seinen Geldbeutel ebenfalls verloren. Ich bete herunter, wo ich am Donnerstag also alles nachfragen werde. Fundbüro der Stadt, Fundbüro der Bahn, Fundbüro der Stadtwerke (oder wo auch immer die Busführer gefundenes Zeug hinbringen), …
Irgendwo zwischen „Meh“ und „Shit“ fange ich dann an zu begreifen, dass ich daraus einen Eintrag machen könnte. Super Thema: Personalausweis erneuert bekommen und direkt verloren. Ich hätte in schillernden Worten beschrieben, was er nun wohl durchmachen würde…
Und dann befolge ich doch den Rat einer Freundin und leere alle Taschen und Rucksäcke des heutigen Tages aus. Eingepackt in ein Papierkneul: Der Geldbeutel. Als wäre nichts gewesen. Ich zugleich freudig und traurig.
Alles wieder da. Nur das gute Thema für den Blogeintrag, das ist jetzt weg.

Mach du mal die Renovierung, ich hab hier genug zu tun damit mir eine Ausrede auszudenken.

Mal der aktuelle Stand des Umzugs (da ich in diesem Blog mit einer Warteschleife arbeite bin ich eventuell schon minimal weiter).
Mein Vermieter und Onkel ist gerade dabei Steckdosen zu installieren, eine Küche zu suchen, einen Duschvorhang aufzuhängen und die Wohnung halbwegs bewohnbar zu machen. Um ehrlich zu sein bin ich im Moment sehr zufrieden. Es gibt einen Kühlschrank, das Bad ist – abgesehen vom fehlenden Duschvorhang – voll funktionsfähig und von den fünf Zimmern ist immerhin eines nicht renovierungsbedürftig.
Ursprünglich wollte ich mein Wunschzimmer heute streichen, aber es gab kein Farbe. Oder Rollen. Oder irgendwas.
Ursprünglich wollte ich in ein anderes Zimmer einziehen, nun aber doch erstmal dieses.
Ursprünglich wollte ich selbst streichen, selbst die fehlende Fußleiste anbringen, selbst mich um alles – abgesehen von der Elektrik, davor habe ich zu große Angst großen Respekt – kümmern. Aber heute war ich so motiviert, dass als ich erfuhr dass ich nichts machen kann diese einfach einem Ballon gleich platze und verschwand.
Ursprünglich wollte ich schon Mitte September einziehen.
Nun aber so. 1. Oktober ist fest eingeplant. Ich ziehe erstmal in das Zimmer, das ich nur so halb gut finde, dafür muss ich das Wunschzimmer nicht zweimal wohnbar machen, sondern nur einmal mit dem gesamten Rest der Wohnung und zusammen mit dem Vermieter, wenn dieser denn Zeit hat.
Was noch? Waschmaschine ist auch schon besorgt und muss nur noch in die Küche gestellt werden. (Und aus einem verdammten Keller hochgetragen. Ich freu mich schon. Nicht.)
Ansonsten wird noch total viel erneuert und verändert und… ich bin einfach sehr vorfreudig. Nicht, weil ich von daheim weg will, sondern weil ich mich auf die andere Wohngegend freue, die meiner bisherigen doch so ähnlich ist: Spielplatz in der Nähe, halbneuer Bau, Neckarpromenade, Nahverkehr halbstündlich, …
Update: Ich hasse Waschmaschinen. Ich hasse Waschmaschinen. Ich hasse Waschmaschinen. Diese verflucht unhandlichen, schweren Mist-Dinger. Falls Du jemals eine transportieren willst: Sackkarre. SACKKARRE! SACKKARRE!!! Niemals, NIEMALS, ohne eine versuchen. Man ruiniert sich alles und wüsste ich es nicht besser, würde ich behaupten Stephen Hawking sei bei nem ganz blöden Unfall beim Transport einer Waschmaschine… ach, lassen wir das.

Ein Rollmatratzen-Abenteuer

All meine Sorgen sind unberechtigt. Eine Rollmatratze scheint direkt nach dem ausrollen sehr weich zu sein und erreicht erst durch das zwei Tage lange liegen und sich mit Luft vollsaugen ihre gewünschte Festigkeit und Härte. Aber, ich erzähle die Geschichte besser von vorne.
Mit meiner alten Matratze bin ich unzufrieden. Sie ist nicht schlecht und sie riecht auch nicht unangenehm, aber nach gut 10 Jahren unter mir hat sie schon etwas gelitten. Ich erinnere mich noch, dass sie gar nicht mal so billig war und ich anfangs sehr gut darin schlief. Aber ich wurde älter – geht ja anderen auch so – und sie wurde älter – was niemand zu verhindern wusste – und um ehrlich zu sein legte ich im Vergleich zu meinem Grundschul-Ich auch etwas an Gewicht und Körpergröße zu.
Nach dem ich nun schon seit einigen Wochen kaum noch darauf schlafen kann – und will – entschied ich mich, das sowieso als „Matratzengeld“ veranschlagte Geburtstagspräsent der Großmutter mit in den nächsten Möbeldiscounter zu nehmen. Nach kurzer Diskussion unter Freunden, einem eher erfolglosen Versuch in einem örtlichen Bettenfachgeschäft (Ich: „Ja, guten Tag, ich suche eine Matratze die möglichst hart sein soll, kann aber nur bis 150 Euro bezahlen, sonst kann ich nächsten Monat nämlich nichts essen. Die Größe ist mir relativ egal.“ [… Komplizierteste Diskussion im gesamten Universum …] Sie: „Da hätten wir zum Beispiel dieses Modell hier für 375 Euro.“ [Vorhang, Buh-Rufe]) und langem Hin und Her entschied ich mich recht spontan zum „Dänischen Bettenlager“ zu fahren. Schnell noch die Angebote gecheckt: Könnte passen.
Ein Zug, ein überfüllter Bus und eine ewig lange Straße weiter (wie sich herausstellte, hätte ich eine Bushaltestelle später aussteigen sollen), war ich am Ziel angekommen: Die Tübinger Filiale des „Dänischen Bettenlager“, Tochter der JYSK-Holding, die wiederum Lars Larsen (!) gehört, einem der reichten Männer Dänemarks (zirka 2,4 Millarden Euro schwer).
Zunächst war ich etwas verwundert. Nur gut ein Drittel der Verkaufsfläche war tatsächlich mit Betten und dessen Zubehör gefüllt. Der Rest war voller Regale, Tische, Krimskrams und anderem Einrichtungsunsinn. „Dänisches Betten- und anderes Zeugs-Lager“ hat wohl nicht aufs Schild gepasst. Hm. Ich schnurstracks quer durch den Laden gelaufen und im hintersten Eck tatsächlich ein Regal mit Matratzen gefunden. Große Matratzen, kleine Matratzen, bunte Matratzen, weiße Matratzen, Rollmatratzen, Jugendmatratzen (Keine Ahnung, was das sein sollte), Federnkern-, Schaumstoff- und Zaubermatratzen, dicke und dünne und alle schön preislich sortiert vom teuersten zum „Hey, das kann ich mir gerade so leisten“.
Ich schaue mich ein bisschen um, schaue nach Härtegraden und werde plötzlich von einer Mitarbeiterin – die eine Matratze ins Regal hebt – entdeckt. Ich helfe ihr kurz, sie bedankt sich und fragt dann: „Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“
„Ja, ich suche ne möglichst harte Matratze, bin jetzt aber eher knapp bei Kasse. Ideal wäre im 2-stelligen Bereich.“ – „Jagut, da haben wir grad nur eine da.“ Sie zeigt mir das Angebot. Probeliegen is‘ nicht, da Rollmatratze, aber drüben ist eine bauähnliche aufgebaut, die praktisch den gleichen Härtegrad besitzt. Ich hocke mich drauf. Kein Knarzen und Springen von Metallfedern. Kein Einsinken wie in Treibsand. Fühle mich wohl.
„Perfekt, die nehme ich dann. Was kostet die denn?“ „99 Euro im Angebot.“ Die wirklich sehr nette Mitarbeiterin krabbelt halb unters Regal und sucht die Rollmatratze raus. 1,40 auf 2 Meter. Ich hellauf begeistert. Ich lasse mir dann noch Bettlacken in dieser Größe zeigen (worauf meine Begeisterung leicht einknickt. 12,50 das Stück. Im günstigsten Fall.) Immerhin. Mit 125 Euro weniger und einer riesigen, in Folie verpackten Rollmatratze verlassen ich den Laden und finde – auch dank den netten Mitarbeiterinnen – direkt die Bushalte. Einladen, von allen Leuten doof angesehen werden und dann 3 Minuten, nach dem der Anschlussbus abgefahren ist, am Umsteigeort aussteigen. Mist.
Also Matratze geschultert und bis zur Wohnung geschleppt. Bin begeistert von der Wohngegend. Wohngegend ist weniger begeistert von mir. Noch mehr blöde Blicke. Egal. Haustür auf, Matratze und ich rein. Vorsichtig runter, um nicht – schon wieder – die Treppe runterzufallen, Wohnungstür auf und in einem der leeren Zimmer ausgepackt.
Die Matratze beginnt sofort zu wachsen, so dass die Folie nur mit grober Gewalt runter geht. Bin leicht irritiert, weil die H3-Matratze zunächst sehr weich ist. Aber, 2 Tage lang wie auf der Packung verlangt ruhen lassen und dann erst meckern. Noch schnell ein Schild geschrieben – „Bitte nicht stören. Matratze muss sich ausruhen“ – und … Bus verpasst. Also einmal über die – wirklich wunderschöne – Brücke am Stauwehr laufen und gerade rechtzeitig in den dortigen Bus hüpfen, vom Bus zum Zug rennen und – Mission Accomplished.

Neue Matratze

Meine neue Schaumstoff-Matratze schläft sich aus. (Eigenes Bild)

Am nächsten Tag dann die positive Überraschung: Die Matratze ist nicht nur sichtbar gewachsen (vor allem in der Dicke), sondern auch viel härter geworden. Ich bin völlig zufrieden. Mal sehen, wie die erste Nacht darauf wird.