Wir sind die mit dem Nazi.

Rottenburg, das ist meine idyllische, kleine, wunderbare Heimatstadt. Ich lebe hier schon weit länger, als ich denken kann und voraussichtlich werde ich hier auch noch ein paar Jahre zubringen. Irgendwann nannte ich dieses Städtchen das „Stars Hollow“ des Neckartals. Seit letzten Freitag sind wir nun aber leider „die mit dem Nazi“.
rottenburg schneepanorama
Seit einiger Zeit gibt es am Stadtrand auf dem ehemaligen DHL-Gelände eine Flüchtlingsunterkunft aus Containern – eher weniger idyllisch gelegen – und da es dort praktisch keine Einkaufsmöglichkeiten oder ähnliches gibt, zieht es viele der Bewohner_innen in die Innenstadt.
Vergangenen Freitag nun wurden zwei Frauen aus Gambia, die aktuell in den Containern auf dem DHL-Gelände wohnen, in der Nähe des Bahnhofs – also zwei Straßen weit weg – die Opfer eines Angriffs eines betrunkenen 21-Jährigen, der wohl der rechten Szene zuzuordnen sei.
Weil es wohl ein schlechtes Bild auf die Stadt wirft – zumindest drängte sich mir dieser Eindruck auf -, telefonierte der Bürgermeister allerhand Menschen zusammen, um am heutigen Dienstag eine Kundgebung unter der Überschrift „Rottenburg gegen Rechts“ zu veranstalten. Angeblich kamen dazu zwischen 800 (laut StN) und 2000 (laut tagblatt) Menschen auf den Marktplatz.
Was tatsächlich passierte liest man am besten im Tagblatt nach. Ich will hier nur auf Teilaspekte eingehen.
Z.B. wie in einer der Facebookseiten, in denen lokale Themen diskutiert werden, die Anwesenheit einer der zahlreichen Tübinger Antifa-Gruppen kritisiert wurde. „Extremisten demonstrieren gegen Extremismus“ war dort zu lesen, oder dass diese „Vertreter der Antifa“ nicht dem „Geist der Veranstaltung“ entsprächen. Ob die ART (Antifa Reutlingen Tübingen) Extremisten sind kann ich nicht beantworten. Oder ob der ‚Extremismus‘ dieser speziellen „Vertreter der Antifa“ (so, als wäre „Antifa“ ein eingetragener Verein mit Schatzmeister, Vorsitzenden und Mitgliedermagazin), vergleichbar ist mit dem Extremismus, der dadurch zum Ausdruck kam, dass ein Mensch einen anderen Menschen aufgrund der Hautfarbe verprügelte.
Auf einem der Protestplakate – denn ja, die gab es auch – stand sinngemäß, „Rottenburg ist gegen alle Nazis, außer sie zahlen Gewerbesteuer“, was man natürlich direkt als Kritik an der Doppelmoral sehen kann, dass wir zwar rechte Gewalt und rechte Hetze alle sehr sehr schlimm finden, die Gewerbesteuer und die Arbeitsplätze, die durch den KOPP-Verlag entstehen, aber gerne annehmen. Ob der Kopp-Verlag „Nazis“ sind kann ich natürlich nicht beurteilen – ich vermute eher Nein. Aber zumindest kann man sich fragen, ob man möchte, dass einer der gefühlt von Neonazis, Verschwörungstheoretikern und anderen Zeitgenossen am meisten gelesene oder als Argument genutzte Verlag wirklich vor unserer Haustüre sitzen sollte. Dass eine Internetseite, die von Hetzern in unserem Land gerne gelesen und genutzt wird, von hier stammt, nun, das… lässt sich wohl nicht verhindern.
Wir sind die mit dem KOPP und dem Nazi. Und den Flüchtlingen im Container am Stadtrand. Wir sind die mit den Kerzen und dem Solidarisieren mit Flüchtlingen, und wir finden alle Gewalt total doof, außer vielleicht wir verdienen daran (gut 40km entfernt sitzt z.B. Heckler & Koch). Pegida ist doof und die Antifa sind ganz ganz schlimm, aber hinter vorgehaltener Hand sind wir genauso Rassisten, wie es uns irgendwelche „Gutmenschen“ (was für ein Schimpfwort!) vorwerfen.
Vielleicht bin ich aber auch nur sauer, weil sich das so sehr nach PR und „Zeichen setzen“ anfühlte und so wenig nach etwas bewegen können. Ich fühlte mich taub und verlogen, und das macht mich wütend auf mich selbst…

Burger Blog on the Road. (1)

Weil es ja nicht reicht, in Tübingen und Umgebung noch nicht alle Burgerläden getestet zu haben, frisst man sich natürlich auch auf Urlaubsreisen durch alle Bulleten-Tempel, denen man auf dem Weg begegnet. Weil ich aus unerfindlichen Gründen für zwei Tage in Dresden landete, hier die Reviews der von mir dort gegessenen und probierten Burger. (Ohne Bilder, weil, Tz!)
Maxi-Mahl (link)
Dieser Koch! Ein Gott! Ich probierte zwar nur ein kleines, normaler-burger-großes Stück des kuchengroßen (30cm Durchmesser!) XXL-Burgers, aber das war so richtig gut. Sesam on top, gutes Verhältnis Fleisch und Brot, sehr leckere Soße… Wenn der Burger nur nicht so riesig wäre, dass man von seiner Menge so… gelangweilt würde, er hätte noch ein deutlich besseres Ergebnis bekommen. Dieser Koch ist ein Gott, aber weil er seine goldenen Finger für XXL-Ungeheuer verschwendet, bin ich dann doch ein bisschen enttäuscht… Obwohl der von mir probierte Teil des Burgers (übrigens das Texas-Modell) wirklich sehr gut war. Vielleicht einfach mit Freunden hin und teilen?
Burgermeister Royal (link)
Szeneviertel hin, Szeneviertel her. Laute Musik, Fritz Kola und Tafeln und all das… Die Pommes die bisher besten meines Lebens (hatte aber auch Kohldampf), der Burger solides Mittelfeld. Brötchen ordentlich gegrillt, Bulette lecker und Soße gelungen. Wer in Dresden ist kann dort gut vorbei und den Burger selbst testen. Ich jedenfalls traue den Leuten, die dort arbeiten (sehr nette Jungs) zu, dass sie die ohnehin schon sehr gute Qualität noch steigern können. Und, verdammt, ich gönn denen auch den Erfolg.
(Der Vollständigkeit halber: Waren auch im Schwerelos, diesem Achterbahn-Das-Essen-wird-durch-die-Gegend-gewirbelt-Resturant. Preis-Leistung fand ich eher… enttäuschend. Aber wer nur zum Cocktailtrinken hingeht wirds ok/nett/gut finden.)

Mein Hirn blutet in Fontänen.

Du schreibst einen Text.
Du liest diesen Text.
Du veränderst diesen Text.
Du liest diesen Text.
Du veränderst diesen Text.
Du lässt jemand anders deinen Text lesen.
Du korrigierst Fehler, machst neue, schreibst neues.
Irgendwann beginnst du deinen Text zu hassen. Ich hasse mein Essay über „Der standhafte Zinnsoldat“. Ich hasse jede einzelne Zeile. Ich bin ein bisschen stolz, weil ich meine Deutungen logisch und schlüssig und noch dazu spannend finde. Aber ich hasse den Text. Ich hasse diesen Text. Ich hasse jedes einzelne Wort, jede Formatierung. Ich hasse ihn. Ich hasse ihn. Ich kann diesen Text nicht mehr sehen.
Bücher werden nicht fertig, weil sie zuende geschrieben werden, sondern weil Menschen eine Deadline bekommen, oder selbst am Schreiben sterben.
Ich hasse diesen Text. Ich hasse den Zinnsoldaten und die Tänzerin. Es ist ein wunderschöner Text. Aber ich hasse ihn. Ich hasse, dass ich nicht mehr aufhören kann, darüber nachzudenken.
Ich weiß, was an meinem Text schlecht ist. Welche Worte ich wechseln müsste. Und welche ich dann tauschen würde, weil sie nicht mehr zu den gewechselten passen. Und wäre ich am Ende, müsste ich zum Anfang. Am Schluss, wenn der Text fertig wäre, dann wäre er so gut, wie ich ihn nur machen kann. Aber bevor der Text fertig ist, bin ich es. Müsste ich ihn noch einmal lesen, müsste ich noch mal verbessern, dann würde mein Hirn bluten in Fontänen. Aber ich wäre standhaft.
Denn es ändert ja doch nichts.

Liste von Blogs aus Tübingen / von Tübingern / und so.

Tunnel
Ok. Feedreader auf den Tisch. Diese Blogs aus Tübingen, von Exil-Tübingern und aus der näheren Umgebung verfolge ich (neben aktuell 357 anderen Blogs und Tumblrs). Und ja, da gibt es noch große Lücken, weshalb ich mich über Ergänzungen mittels Kommentar oder auch Mail sehr freue. Reihenfolge zufällig.
Tumblrs (i.d.R. Studentenbezug):

  • when you live in tuebingen: GIF-Blog, welches versucht bestimmte Lebenssituationen (hauptsächlich) eines Tübinger Studierenden durch lustige Bewegtbildchen darzustellen.
  • free the yazz: Yazz ist Eritreerin, studiert und twittert ganz verfolgenswert.

Studierendenbezug

  • neckarSTUDENT: Gemeinschaftsblog mit relativ hohen journalistischem Anspruch und oft recht aktuell. Leider in letzter Zeit viele klickträchtige Polizei-Geschichten und wenige ernsthafte eigene Artikel, aber auch einige sehr spannende und kontroverse Meinungsartikel. Wer wissen möchte, welche Themen Studenten in Tübingen beschäftigen ist dort gut aufgehoben. Der Hauptautor Constantin Pläcking ist mWn in der Stuttgardia und der LHG so-halb-aktiv. Unabhängig also eher nicht…*
  • Kuperblau: ist eigentlich ein Magazin – und zwar ein recht gutes und hohen Ansprüchen und teils starken Meinungsartikeln -, aber eben kein Blog. Hm. Es gibt nen RSS-Feed, von daher lassen wir das mal als Blog-artig durchgehen.
  • Beim Wort genommen: Blog des ehemaligen Tübinger Studenten Jonas (inzwischen wohnt er in Berlin). Es geht primär um Politik und Medien. Sehr anspruchsvoll.
  • HiWis an der Uni Tübingen: … kämpfen gerade für ne faire Bezahlung.
  • Kritische Uni Tübingen: Selbstorganisierte Seminare.
  • Fachschaft Klassische Archäologie: Filmabende! Yay!
  • FSVV Tübingen: Das Blog der Fachschaftenvollversammlung. Kaum aktuelle Einträge, leider. Stichworte: Clubhausfeste, GleichFilm, Ernst-Bloch-Universität. Der Vollständigkeit halber alle politischen Hochschulgruppen: Liberale Hochschulgruppe, JuSo HSG, RCDS, FSVV, Solid SDS, Grüne Hochschulgruppe (Reihenfolge zufällig).

Kein Studierendenbezug (nein, wir sagen nicht das G-Wort)

  • Tybingen: Sehr gut gemachtes, meinungsstarkes Blog mit Nachrichtencharakter. Allerdings recht seltene, dafür sehr durchdachte Einträge.
  • Dia-blog: Eines meiner aktuellen Lieblingsblogs. Recht prägnante, kurze Inhalte, teilweise von Uli aus Tübingen, teilweise aus Berlin.
  • Tirsales: Sebastian Nerz, der für die Piratenpartei aktiv ist, bloggt hier.
  • Infoportal Tübingen-Reutlingen: Eine sehr linke Informationsplattform, die im weitesten Sinne als Blog funktioniert. Vollständigkeit halber.
  • Eldersign: Lars ist junger Vater, braut sein eigenes Bier und ist auch sonst ein cooler Typ. Sehr angenehme Eintragsfrequenz und Themenmischung.
  • Tübingen vegan: Leider nicht besonders aktives Portal um Veganes Leben in Tübingen. Gerade aber für frisch hergezogene dürften auch die alten Infos hilfreich sein.
  • Schwitzkasten: Das Sportblog des Tagblatts. Wer sich für Regionalsport interessiert ist dort sehr gut aufgehoben (allerdings: Kein Kommentarbereich und die Aufmachung ist auch eher wie Tagblatt.de).
  • Daniela Reske: Fotografiert – sehr gut – Hochzeiten in ganz Deutschland und bloggt darüber. Hier berichtet sie außerdem über Babyfotografie. Beides nicht ganz mein Thema, dennoch interessant zu lesen.
  • Gsallbahdr: Niels bloggt seit 2006 und in seinem nunmehr zweiten Anlauf geht es weitgehend um Musik.
  • Tübingen und Randerscheinungen: Peter schreibt hier kurze, kurzweilige Texte zu Tübinger Themen.
  • WIDL: Das wahrscheinlich großartigste Blogkonzept aller Zeiten hat Wer-ist-dir-lieber. Ich will da jetzt auch gar nichts spoilern. Klick hier oder dort.
  • Jajajaja, die Besten habe ich vergessen/kenne ich noch nicht. Wird aber noch – z.B. in dem Kommentaren – ergänzt.

Heute vor einem Jahr…

… war der verheerendste Hagel, den diese Region bisher erlebt hat. Mehr dazu bei tagblatt.de
Noch immer habe ich bei jedem Gewitter ein ungutes Gefühl. Drei Bilder vom Scherbenmeer (und den liegengebliebenen Hagelkörnern) vom Tag danach. Zwar zahlte die Hagelversicherung den Schaden und nach wenigen Wochen waren neue Scheiben drin (eine Spezialfirma verglaste alles), aber der Verdienstausfall und die verlorene Arbeitszeit mitten in der Saison wiegt natürlich noch nach. Wie durch ein Wunder überlebte Elisabeth, die Gärtnereikatze, im zusammenstürzenden Gewächshaus.
Sturmschäden Gärtnerei
Sturmschäden Gärtnerei
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