barista barista capitalista

[Nicht Korrektur gelesen. Vermutlich Bullshit.]

Die Taz witzelt über die dumme Aussage eines Polizisten, die politisch motivierten Grafiker*innen reagieren mit – zugegeben – unterhaltsamen Agitprop. Alles gut?

Nein, denn einerseits – wie auf Twitter angemerkt wird – „sagt [das] halt auch was über das Ding von wegen Zugänglichkeit und ‚kommt die message rüber‘ von Demos aus“, andererseits schenken wir mal wieder mehr Aufmerksamkeit dem Witzchen drüber als dem eigentlichen Inhalt. (Der ist was genau?)

Was in Güstrow passierte: Nazis griffen eine Demo von Flüchtlingen an. Die Ermittlungen gegen die – beim Stühle werfen fotografierten – Nazis werden eingestellt, die gegen drei Antifaschist*innen laufen – und Enden dank den Fotobeweisen im Freispruch. Das es überhaupt soweit kommt, und andererseits Ermittlungen fallen gelassen werden, ist für unseren Rechtsstaat beschämend. Weil einer der Angeklagten – Monchi – bekannter Musiker ist, nutzt die Plattenfirma das ganze einerseits als Werbung fürs neue Album und um über’s Thema aufzuklären, andererseits verschafft es diesem Fall im Gegensatz zu 100 anderen die verdiente Medienaufmerksamkeitthe revolution will not be televised?

Aber interessiert sich jemand für die Polizei, die ihr Fehlverhalten mit dummen Allgemeinplätzen, ‚Erinnerungslücken‘ und schlicht Bullshit überdeckt? Interessiert sich jemand für das strukturelle Problem, welches wir hier gerade haben und welches – gefühlt – immer stärker wird? Dass an Stellen im Staat entsprechende Menschen sitzen, die trotz proklamierter Neutralität eine politische Richtung verfolgen? Die Parteiisch sind? Und was ist mit den Medien, die Minderjährige denuzieren?
Interessiert sich noch jemand für Oury Jalloh? Interessiert sich jemand für die massenhafte Vorverurteilung durch öffentliche Fahndung nach den G20-„Verbrechern“? Wo’s um Plünderungen und zerstörte Autos geht, nicht um Menschenleben, nicht um das ständige Gefühl allein gelassen zu sein, vogelfrei zu sein, weil man nicht will, dass Nazis Nazisachen machen? Der Klassenkampf wird heute mit Mitteln der kommerziellen Popkultur geführt – und kann nur gegen die Repression versagen. Und während ich an diesem Text herumprokrastiniere und ihn dann nicht weiterschreibe und Versatzstücke aus anderen Texten einfüge, solange, bis er lang genug ist; und Nebensätze aneinanderreihe, weil auf einen Punkt zu kommen mir nicht genehm ist, oder zumindest mir gerade nicht gefällt, da schreibt Hubertus Zdebel im neuen deutschland, dass Konsumverzicht den Kapitalismus stabilisiere, weil es aus der Verteilungsfrage eine persönliche Präferenz mache.

Sowieso müsste man mal wieder an weihnachtlicheres denken, denke ich, und denke hieran:

Und ich denke, denke ich weiter, weil ich nun nicht mehr selbst denke, sondern mir vorstelle, wie ein (literarisches?) Ich denkt, was es denkt, während ich denke, dass ich das denke; jedenfalls: Eigentlich trifft das auf alles zu. Kritik an der Gesellschaft, am ‚System‘, der Buchhändler*in ist egal, wie viele Ausgaben des „Kapital“ sie verkauft, Hauptsache sie verkauft; ist integriert in die entsprechende Werteordnung. Auf eine zynische Formel gebracht: Die kaputten Scheiben nach den G20-Protesten schaffen Arbeitsplätze. Familie, Liebe, Freundschaften steigern die Verkäufe. Aber kritische Reflektion stört nur.

Damit wird natürlich auch viel gutes getan, mit diesem „Kapitalismus“, und wenn es Menschen motiviert, keine kompletten Arschlöcher zu sein – weil man besser mit diesen handelt, wenn es den Nachbarn auch gut geht – dann ist das ein positiver Effekt. Und dass sich Antifaschismus, Antikapitalismus, Anti-Dies, Anti-Das eben auch Verkaufen muss, nun ja. Ein Grund für Suizidgedanken? Ja, aber auch nur, weil der Bestatter ja auch von was Leben muss. Dann ist Suizid die abgelebte Solidarität mit der bestattenden Klasse. Und spätestens dann kann ich nicht mehr verschleiern, dass ich eigentlich Unterschicht bin.

Jedenfalls… irgendwas mit Popkultur und Kapitalismus und Kritik. Und beteiligt euch an Strukturen, die euch nichts nützen. Weil’s richtig ist. Und weil solche Texte mit Aufforderungen enden, und damit, dass ich mich frage, ob das meine Meinung ist.

Hm.

Wer jetzt noch […], hat es nicht verstanden.

Eigentlich weiß ich nichts. Am besten sollte ich meinen Mund halten und nichts sagen. Dazu ist mir allerdings zu bewusst, dass nur jene mitzubestimmen haben, welche ihre Stimme auch nutzen.

Bleiben wir im großen, bleiben Aussagen zu allgemein und ungenau und mit Lücken versehen, die kaum zu schließen sind, wollen wir genauer und spezifischer werden, Zusammenhänge oder gar „Lösungen“ finden, müssen wir uns derart in Kleinigkeiten vertiefen, dass vom großen ganzen nur ein Halbsatz bleibt, an dem wir ein Komma verschieben oder eine Ungenauigkeit streichen. Was verändert das?

Unsere „Gesellschaft“ – was ist das eigentlich? – ist vielschichtig. Es ist möglich, für die gleichen Ziele unterschiedliche Gründe zu finden. So mag ein Kapitalist Menschen helfen, weil er_sie gerne Kund_innen haben möchte. Ein Christ mag aus Nächstenliebe oder ähnlichem helfen. Ein Humanist mag sich vielleicht aufs Gewissen berufen. Ein Kommunist mag Solidarität anführen. Zusammenleben bedeutet, dass alle diese Gründe gut sind, und das jene, die diese gemeinsamen Ziele ablehnen, nicht … dazu gehören? Halt, geht das?

Ich selbst bin sicherlich schnell dabei, „Nazis“ als „dumm“ zu bezeichnen, und innerhalb unterschiedlicher ‚Diskurse‘ – was sind das eigentlich? – ist das aus unterschiedlichen Gründen … sagen wir ungeschickt. Beispielsweise verharmlost dies „Nazis“ und verhindert eine inhaltliche Auseinandersetzung. Wenn eine imaginierte Gegenseite „unreif und realitätsfern“ ist, dann muss ich mich mit dieser nicht mehr auseinandersetzen. Wenn es mir als Argument genügt, dass XY „sich auf dem Boden der Gesetze und innerhalb der Meinungs- und Pressefreiheit bewegt“, dann setze ich Gesetze mit Moral (oder mit den gemeinsamen, sich überschneidenden Zielen innerhalb der einzelnen Weltanschauungen) gleich.

[…]

Ich tue mir sehr schwer mit der Vorstellung einer einzelnen, wahren, für alle Menschen (oder auch nur „die Deutschen“) gültigen… Realität. Es gibt schlicht… nichts, was ich mir als gemeinsam für alle vorstellen kann. Wozu also der Terz?

Sollen sie halt Kuchen essen (Nr. 456)

Seit einigen Monaten schon freue ich mich auf den heutigen Abend. Ich nehme mir einige Stunden Zeit um etwas zu machen, was ich noch nie gemacht habe: Ich backe einen Käsekuchen. Ja, zugegebenermaßen mit Hilfe einer Anleitung und allerhand Tütchen und von Konzernen zusammengetragenen „Zutaten“. Die „Käsekuchen Hilfe“ einer bekannten Ausbeuter*innenfabrik – ohne es nachgelesen zu haben, ob dies konkret stimmt, gilt diese Annahme wohl für alle Firmen, die irgendwie irgendwas machen – gibt mir vor, was ich tun soll und was ich zusammenfügen muss. Und wie ich die unterschiedlichen Zutaten aus ihren Verpackungen schäle und nach den Instruktionen zusammenführe, frage ich mich, was das bedeutet. Kochen (Backen, Zubereiten) scheint das Zusammenfügen von Komponenten mit festgelegten Eigenschaften zu sein. Komponenten, die wir in Packungen mit Haltbarkeitsdatum und Nährwertangaben kaufen. Ein Kuchen, der scheint egal was ich tue, nur eine Backmischung zu sein. Manche sind abstrakter, andere weniger. Aber mehr, als Lebensmittel nach bestimmten Vorgaben – Erfahrungen? – zu mischen, zu erhitzen, zu rühren, usw. usf. ist da nicht. Wenn wir Backmischung sagen, sagen wir „Das ist zu einfach, da ist zu viel Chemie drin“. (Chemiker schnaufen wütend ein.) Die „Käsekuchen Hilfe“ befindet sich irgendwo in der Wüste zwischen Fruchtbarem „Wie von Mutti gemacht“ und „Wie von Mutti gemacht™“.

Aber wer pflanzt schon die eigenen Zuckerschoten? Wir mischen nach eigenen und fremden Vorgaben. Machen aus Nadeln, Handgriffen und Wolle tragbare Pullover und kratzige Socken. Wie viel Arbeit erlaubst du mir in die Produkte zu stecken, die ich nutzen möchte? Vielleicht macht das den Unterschied zwischen „selbstgemacht“ und „wie selbstgemacht™“? Andererseits… was macht’s?

Ich rühre freudig meine Zutaten zusammen. Hebe unter, fülle sie in eine Form, heize vor und stelle rein. Schließlich erschrecke ich mich kurz im Glauben, eine Zutat nicht zugetan zu haben, nur um festzustellen, dass ich diese nicht hätte beifügen müssen, und ohne mein Zu-tun also alles getan war. Der fertige Kuchen wanderte einmal durch den Backofen, nur um als fertiger „Käsekuchen“ wieder herausgeholt zu werden.

Ich schaltete – nach Anleitung – den Backofen ab und ging mit Freunden mit. Wichtiger Termin, aus irgendwelchen Gründen. Doch unterwegs frage ich mich immer wieder, wie es meinem Kuchen wohl ginge. Sprach meine Freunde darauf an. Drängte darauf, zu gehen und ging schließlich, um nachzusehen.

Ist das jetzt meins? Ist das jetzt das, was ich heute gemacht habe? Oder gab ich einige Stunden meiner Lebenszeit für etwas, was sich gut anfühlte, weil ich neugierig war, und nun behaupten kann, ich hätte dies gemacht, dabei habe ich nur einen Bruchteil – das Zusammenfügen – gemacht? Warum denken wir bei Kunst an die Künstler*in, nicht aber die Hersteller*in der Farben, der Leinwände und Pinsel? Warum beachten wir das eine und das andere nicht? Und warum bin ich schon wieder müde?

Der Kuchen schmeckte eher wenig. (Aber vielleicht bin ich auch zu kritisch oder melancholisch heute abend.) Dabei versprach die „Käsekuchen Hilfe“, mit ihr gelinge es immer. Aber man sollte Hilfsorganisationen eh nicht alles glauben.

[…]

Tschöö, Smartfon.


Vor einigen Tagen zerstörte ich – versehentlich? – mein Smartphone.
Eigentlich hätte es schon dutzende male kaputt gehen sollen. Ich hatte es seit Anfang 2014. Es war damals ein großer Schritt: schnellerer Prozessor, weniger ranzige Kamera, größerer, ja riesiger Bildschirm. Man konnte tatsächlich Webseiten sehen und der Akku hielt fast einen ganzen Tag. Ich kopierte mein Haushaltsbuch vom alten aufs neue Gerät und führte es weiter. Das Gerät war… nicht gut, aber besser als das alte.
Irgendwie kommt es mir vor, als hätte ich es länger genutzt. Vier, fünf Jahre. Dabei sind es jetzt… Januar 2014 bis heute… keine 3 Jahre. Was für eine Verschwendung.
Einmal hätte es schon kaputt gehen sollen. Ich hatte es auf der Baustelle zur Seite gelegt – extra aus dem Weg – und irgendwie fiel es doch runter. Ärgerlich, und im Bildschirm blieb ein Riss zurück. Danach fiel es noch ein paar hundert male, ohne dass je etwas passierte. Ich hätte es gegen Wände schleudern können. Nur der Riss war da, aber sonst blieb es tadellos. Nun gut… der Telefonlautsprecher versagte seinen Dienst. Aber… es reichte um meine Bahnfahrten zu planen und Protokolle zu öffnen.
Letzter Akt. Auftritt des Telefons. Ich lese etwas darauf. Jemand, mit dem ich gerade stritt, warf etwas zu Boden. Splitter. Ich fand das nicht gut, und da der einzige Besitz, welchen ich gerade hatte und werfen konnte mein Handy war, und ich sicher war, dass dies jeden weiteren Sturz überleben würde… nun… landete es auf dem Boden. Mein Gegenüber sah das als Provokation und zerschmetterte ihrerseits Dinge. Was zurück blieb ist ein Telefon mit zerstörtem Bildschirm. Und ab.
Da ist es nun. Oder vielmehr: Da ist es nicht mehr. Zum ersten mal wünsche ich mir, ich hätte das Risiko eingegangen und hätte die Daten synchronisiert. Ich hätte die Daten in die „Cloud“ schieben sollen. Die Telefonnummern, die ganzen Nachrichten und mein Haushaltsbuch. Jaja, es gibt keine Cloud. Man speichert nur auf anderer Leute Computer. Aber, und das ist zum Beispiel der Grund, warum ich keinen eigenen Server betreibe, ich gehe offenbar nicht gut mit meinen Computern um.
Ich hätte vllt auch mehr Backups machen sollen. Anfangs tat ich das noch regelmäßig. Manuell, wie es sich gehört. Dafür nutzte ich Anfangs einen Uralt-Windows, der nun auch nur noch mit großer Mühe startet. Und irgendwie… verging dann ein Jahr ohne Backups. Dabei reicht schon ein Tag, um völlig veraltet zu sein.
Eigentlich wäre es Zeit, endlich alles auszutauschen. Die ganze Welt braucht ein Hardwareupdate. Meine Software ist lahm und veraltet. Lasst uns mal was anderes ausprobieren. Eine Open Source Welt z.B., mit ordentlichen Fehlerberichten und Shit, statt diesem „Bibel“-Kram Kapitali-Shit.
Zeit für was Neues.

But first, let me take a selfie (2015)

Auf den Schultern von Zwergen (1)

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In 2015 lässt sich keine Kontinuität erkennen. Nun werde ich zwar mit dem Alter nicht hübscher, eher grauer und müder, doch gab es dieses Jahr doch einige Fotos von mir. Größtenteils „Selfies“, die mich bei oder mit oder nach irgendwas zeigen, die dann über unsichere, soziale Netzwerke geteilt wurden. Manche landeten auch in der Öffentlichkeit, manche als gedruckte Fotos an meiner Pinnwand. Besonders hübsch finde ich das Gruppenbild mit Katze (ganz oben). Dazu kommen einige Grimassen für meine_n Partner_in („grumpy“, „Reisepaaaass“), ein Selfie („Durchgemacht“) nach einem viel zu langen Arbeitseinsatz (für die Fachschaften) und natürlich völlig irritierender Stuff („Kopfnuss“, „Mais“, „Winden-Selfie“). Erklärungen dazu fallen mir jetzt spontan keine ein. Aber vielleicht bleibt dazu ja nächstes Jahr mal Zeit.
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grumpy
Durchgemacht
Reisepaaaaaass
Schlauchschal
Kopfnuss
Bart Fasnet 2015
Morgentee
Mais
Winden-Selfie