Alt wie ein Baum…

“What they don’t understand about birthdays and what they never tell you is that when you’re eleven, you’re also ten, and nine, and eight, and seven, and six, and five, and four, and three, and two, and one. And when you wake up on your eleventh birthday you expect to feel eleven, but you don’t. You open your eyes and everything’s just like yesterday, only it’s today. And you don’t feel eleven at all. You feel like you’re still ten. And you are — underneath the year that makes you eleven.
Like some days you might say something stupid, and that’s the part of you that’s still ten. Or maybe some days you might need to sit on your mama’s lap because you’re scared, and that’s the part of you that’s five. And maybe one day when you’re all grown up maybe you will need to cry like if you’re three, and that’s okay. That’s what I tell Mama when she’s sad and needs to cry. Maybe she’s feeling three.
Because the way you grow old is kind of like an onion or like the rings inside a tree trunk or like my little wooden dolls that fit one inside the other, each year inside the next one. That’s how being eleven years old is.”
— Sandra Cisneros

(via Kristine Tuna).
Mir gefällt diese Vorstellung von Alter. Dass wir große Matroschka-Puppen sind und unser älteres Ich auch die jüngeren enthält und Erwachsene manchmal nur so komisch sind, weil sie schon so viele Schichten um ihr Kinder-Ich gelegt haben.
Wenn mir wiedermal jemand sagen sollte, ich solle mich meinem Alter entsprechend verhalten, werde ich nur fragen: Welchem? Mein Leben lang war ich 5 und 10 und 20 und jedes dieser vergangenen Lebensjahre ganze 365 Tage lang, 8.760 Stunden lang, 525.600 Minuten ewig. Verglichen zu dieser Zeit habe ich überhaupt keine Übung in meinem „jetzigen“ Alter. Warum sollte ich mich also diese entsprechend verhalten können?
Andererseits entdeckte ich heute ein graues Haar. Lang und aufmerksamkeitsheischend präsentiere es sich mir und bettelt regelrecht darum, mich in ein Gefühl des Altseins zu werfen. Das graue Haar hätte mir wohl am liebsten neben seiner Selbst eine Holzkiste Memento mori rufend präsentiert. Aber soviel kann es wohl nicht mehr tragen, es ist schließlich schon alt und grau. Wie ich. Mit meinen gerade begonnenen 22 Jahren.

Bildung muss holistisch sein. Sonst könnten wir auch Lexikons großziehen.

Gestern kaute ich aus Gründen meinem Bruder ein Ohr ab (Metaphorisch).
Es ging irgendwie um das Gespräch die drei Halbsätze mit meinem Vater. (Siehe gestern in ihrem Lieblingsblog) Ich verteidigte ihm gegenüber meine Ansichten, was Bildung ausmache. Damit ich das nicht völlig vergesse und mir in spätestens drei Wochen an den Kopf greifen kann „Was hab ich den da für einen Mist geglaubt“ schreib ich das hier einfach mal auf. In Thesen.

  1. Bildung ist nicht das Auswendiglernen von Fakten. Eine gebildete Person muss nicht zwangsläufig wissen, wie lange der längste Fluss dieser Erde ist oder was der schwedische Wort für Souterrain ist.
  2. Bildung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie mehr ist als die Summe ihrer Teile. Eine „holistische“ Bildung würde demnach dazu befähigen, Zusammenhänge zu erkennen, diese zu durchdenken und zu durchschauen und fähig zu sein selbst aktiv eingreifen zu können.
  3. Bildung ist keine Vorraussetzung für Arbeitsplätze, sondern eher hinderlich. Bildung führt zu guten Wissenschaftlern, im Idealfall wohlgeratenen Gesellschaftsmitgliedern oder mustergültigen Demokraten. Sie ist aber nicht hilfreich, um sich einer Arbeitshierarchie unterzuordnen oder mit einem niedrigen Lohn zufrieden zu sein.
  4. Allgemeinbildung ist demnach (da holistisch zu verstehen) nicht eine Sammlung aus Allgemeinwissen (längster Fluss, Hauptstadt, amtierende Politiker, wie addiert man Zahlen, wie berechnet man die Mehrwertsteuer, usw.), sondern eine Art Grundschatz an Denkvermögen und erlernten Zusammenhängen, die als gemeinsamer Minimalplatz notwendig ist, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Allgemeinbildung ist mehr als die Summe seiner Teile.
  5. Allein Bildung wird uns als Gemeinschaft voranbringen können. Für den einzelnen gesehen ist Bildung jedoch eher hinderlich. (Halbwissensbeispiel: Der sehr gebildete Isaac Newton starb als als Jungfrau.)
  6. Im Wissen, in logischem Denken und auch in der Ausübung von „körperlicher“ Arbeit sind uns Maschinen weit überlegen beziehungsweise werden uns bald weit überlegen sein. Bildung jedoch ist etwas, was eine Maschine nur sehr begrenzt erreichen könnte. Gerade aus diesem Grund ist sie von so entscheidender Wichtigkeit.

Bewusst habe ich mir keine Mühe gegeben, diese Punkte auszuarbeiten, um in diesem Stadium des Grobentwurfs noch Freiräume zu lassen, um zu denken und auch zu kritisieren. Die Nummerierung dient der einfacheren Übersicht.