Mitleid für die Katz' / Was ich mir zu Weihnachten wünsche

STORYBOARD: Tard the Grumpy Cat from Tumblr on Vimeo. (Anm. Der genannte Interpret am Ende stimmt nicht. Tatsächlich heißt er Jahzzar.)

Tardar Sauce ist internetfamous als Grumpy Cat, obwohl sie – so das obrige Video – gar nicht grumpy ist. Eigentlich ist sie eine ganz normale Katze, die Angst vor Höhen hat und auf ihrem Rücken schläft.
Ich lebe in einer Zeit, in der eine Katze mich mehr bewegt als die Bilder von Leid und Krieg irgendwo auf der Welt. Wird mir ein Bild gezeigt eines hungernden Kindes mit Fliegen in den Augen denke ich nur noch, was man mir wohl damit verkaufen will. Welche Möchtegern-Weltrettungsmaschine. Vielleicht sind solche Videos wie das obrige über Tardar Sauce gerade so … bewegend? rührend? menschelnd? … weil eben kein Interesse dahinter steckt. Weder wird eine Spendennummer eingeblendet noch soll ein T-Shirt verkauft werden. Es ist nur „Ich mag diese Situation nicht“ und „Das ist meine Geschichte“, nicht „Tu dies und das!“.
Es ist mir selbst überlassen, was ich damit mache. Ob ich Tard weiter Grumpy nenne, oder ihr die Würde gebe, die ich nur wenigen Menschen in meinem Leben zuzugestehen vermag: Das Kennen ihres Namens. (Ich habe ein katastrophales Namengedächtnis).
Ich mag die Idee, nicht darum zu beten, was man will, sondern nur zu sagen, was man mag und nicht mag und ich war – und bin – ehrlich gesagt kurz davor ein kleines Video zu drehen, dass das obrige nachahmt („Hej, my name is…“) und hätte ich Zeit würde ich das wahrscheinlich sogar machen. Vielleicht schreibe ich auch bei Gelegenheit einen vernünftigen Text über dieses „Katzen ernster nehmen als Menschen“.


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Ich erzähle das auch, weil ich gefragt wurde, was ich mir – materiell – zu Weihnachten wünsche und es so dämlich finde zu sagen „Schenk mir bitte das“, aber es noch deprimierender finde, wenn Ressourcen für Geschenke für mich verschwendet werden, mit denen ich dann gar nichts anfangen kann. Ich versuche auch die Leute, denen ich etwas schenken will, zu fragen, ob ihnen das Geschenk gefallen würde, was ich ihnen besorge. Die Frage „Was wünscht du dir“ ist nämlich mindestens ebenso bedrängend wie die ganze Schenkerei an sich. Ich führe deshalb schon länger eine Wunschliste bei Amazon, in die ich versuche alles reinzuschreiben, was ich gebrauchen kann. Sie lässt sich nach Wichtigkeit („Priorität“) sortieren und auch nach Preis. Es sind einige Kleinigkeiten dabei und auch sehr große Brocken. Manche Sachen sind auch kommentiert. Ich will nicht, dass mir irgendjemand etwas davon schenkt, aber mir ist auch klar, dass es bezaubernde Menschen gibt, die aufgrund sozialer Bindungen (Familie z.B.) sich dazu genötigt fühlen, mir etwas zu schenken. Und, seien wir ehrlich, ich bin zu pleite, um so etwas ohne Magenkrämpfe abzulehnen.
Für Leser_innen dieser Zeilen eröffnen sich nun zwei Fragen: Wie ist ein sozial verträglicher Umgang mit dem Schenken-Brauch? Offensichtlich ist schließlich, dass das Falschschenken – jaja, der Gedanke zählt – für eine Verschwendung ohne Gleichen verantwortlich ist. Inzwischen haben sich ganze Industrien ums Falsch-Schenken gebildet, dabei fehlt es nur an ehrlicher Kommunikation: „Ich finde das gut. Aber ich freue mich auch über dieses oder jenes.“ Wie viel man klären könnte, wenn die Leute nur reden würden. Oder zum richtigen Zeitpunkt schweigen. Andererseits fragt sich die_r gewiefte Leser_in natürlich: Wie stehe ich zur Menschen-oder-Katzen-Frage?
(Im Zweifelsfall stehe ich zu Findus. Aber, das ist eine andere Geschichte.)

Mein Bauch weiß nicht, wo ihm der Kopf steht.

Immer noch keine Küche. Immer noch pleite. Immer noch verschnupft.
Wenn man drei Tage lang praktisch nichts anderes isst als Knäckebrot, Nudeln und Toastbrot und dann – weil der geliebte Bruder vorbei kommt – man tatsächlich etwas vorgesetzt bekommt, was nicht nur „Essen“ ist, sondern auch wie solches richt und schmeckt, dann rebelliert erstmal mein Magen.
Ich weiß nicht, was das soll. Es ist ja jetzt nicht so, dass ich und mein Verdauungssystem besonders gute Freunde wären, aber das, was dieses heute Abend gemacht hat, nehme ich ihm schon sehr übel. Das Schnitzel „Wiener Art“ mit Spätzle – ein Gaststätten-Klassiker! – schaffe ich nicht einmal bis zur Hälfte, weil mein Magen schon viel zu früh laut „Stopp“ brüllt und dann versemmelt es der Kellner auch noch, die Reste mir – wie versprochen! – einzupacken. Ein halbes Schnitzel und eine – naja, kleine – Handvoll Spätzle einfach so vergeudet!
Ich setze mich ja in aller Regel nicht für Tierrechte ein (genau so wenig, wie ich mich für Menschenrechte einsetzen würde, insbesondere vor einer Spezies, die sich selbst als „höher“ betrachtet) oder beschwere mich bei Nahrungsmittelverschwendung, aber ein Abendessen, welches voll bezahlt wurde aber nur halb gegessen, das geht mir schon schwer runter.
Neulich Nacht wachte ich auch wiedereinmal schweißgebadet und weinend auf, einfach, weil ich von dem Schnitzel geträumt hatte, welches ich vor gut einem Monat in einer anderen Gaststätte zwar einpacken ließ, dann aber dort vergas. Ein Schnitzel! Ein ganzes Schnitzel! Von einem Tier, das extra für mich geschlachtet wurde (naja, nein, aber, du verstehst was ich meine). Ein ganzes Schnitzel, für das der volle Preis gezahlt wurde, und welches dann doch im Mülleimer landete! Eingepackt in Alu-Folie! Und ich wache noch Wochen später weinend und angstschwitzend auf, weil ich von der ganzen Szenerie träumte.
Ich würde mich ja wegen meiner neuerlichen Fixierung auf Nahrungsmittel und deren – ideellen, finanziellen wie materiellen – Wert in psychologische Beratung begeben, aber … 10 Euro Praxisgebühr … das sind … fast Sieben ein Viertel Kilo Nudeln!

snuva

Es nervt einfach krank zu sein.
Am liebsten würde ich mich in eine Decke einhüllen und einfach abwarten, bis es vorbei ist. Aber eine Mischung aus Angst, Wissen um die Fehlzeiten und Erfahrung treibt mich dann doch in die Seminarräume. An der Universität Tübingen gibt es schließlich eine Fehlzeitenregel (grässliche Verschulung) mit drei Ausnahmen. Man darf in jeder Veranstaltung 2 mal fehlen. Aber: 1. Nicht in der ersten Sitzung, 2. Nicht, wenn Leistung geprüft wird (Vortrag, Prüfung, etc.) und 3. Es ist den Leitern der Veranstaltung freigestellt, auf die Anwesenheitskontrolle zu verzichten oder diese anders zu handhaben.
Nun kann ich einerseits nicht in der ersten Veranstaltung fehlen und andererseits will ich nicht schon so früh meine Fehlzeiten aufbrauchen. Also schleppe ich mich dahin, wo ich hin muss: ein Seminar, ein Tutorium. Die beiden Vorlesungen am Vormittag lasse ich sein. Mit meinem Schnupfen-Kopf kann ich mich so oder so nicht konzentrieren.
Interessant finde ich, dass offenbar jede erste Veranstaltung gleich abläuft. Erstmal wird man nett begrüßt, die Dozenten rattern ihren Stoffplan herunter, den es dann auch in nicht ausreichender Anzahl als Kopien gibt. Dann heißt es, man bräuchte unbedingt dieses oder jenes Buch und man solle sich das doch (Wintersemester) zu Weihnachten wünschen oder (Sommersemester) zum Geburtstag schenken lassen. Aber, das sei wirklich unerlässlich und auch wenn man irgendwie darauf verzichten könnte, dieses wichtige Lehrbuch direkt zu verwenden, so seien doch als Arbeitsgrundlage folgende 25 für sich sehr günstigen Bücher superwichtig und möglichst schnell zu beschaffen. Außerdem gibt es einen Reader und und und.
In meinem Schnupfen-Kopf kam dementsprechend nur eine Botschaft an: Auch nächsten Monat wirst du dir weder Fleisch noch Gemüse leisten können.
Nebenbei erwähnt: In meinem – wie ich heute feststellte – viel zu optimistischen Kostenplan habe ich weder Medikamente noch die Menge an Lehrbücher eingeplant, die nun auf mich zukommt. Ach, und, einen Drucker habe ich auch noch keinen. Vielleicht kann mich mich dazu aufraffen, morgen mal den Gang nach Canossa anzutreten und meine Eltern Mutter (die ist da kooperativer) zu fragen, ob sie mir da eventuell weiterhelfen könnten.
Krank sein nervt.
Krank und finanziell an der Grenze sein … nervt sehr.
Yay, noch 5 Euro für den Rest des Monats!

Ein Badezimmerteppich

Die Toilette in meinem Elternhaus ist separat in einem Erker untergebracht. Uringelbe Fliesen und eine Tapete, die vermutlich vor meiner Geburt das letzte mal ausgewechselt wurde, komplettieren das stimmige Gesamtbild. Ich zitiere, weil ich heute nichts anderes zu schreiben habe, aus meinem Notizbuch. Vom 23.08.2012. Bitte:
Meine Mutter entschied sich, nach mindestens einem halben Jahr kahlen, nackten Fliesenboden nun wieder einen Teppich in unsere Toilette zu legen. Es ist eine fast den ganzen Raum ausfüllende Schönheit in grellbunten Farben und so flauschig, dass man am liebsten barfuss laufen würde, wäre der Flur davor nicht gänzlich flauschbefreit. Ich finde diese Flauschigkeit fast ein wenig eklig, denn das Letzte, an dass ich mich erinnern kann, das derart flauschte war ein nahezu völlig schimmelbedeckter Apfel (oder soetwas?), den ich beim Putzen einmal fand. Super flauschiger Ekelflausch.
Inzwischen liegen wieder regelmäßig Teppiche in unserer Toilette. Allerdings keine derart flauschigen. Ich weiß nicht warum mich das damals so fasziniert hat. Vermutlich war einfach nichts anderes los oder der Flausch war wirklich soo flauschig, dass eine derart flauschige Beschreibung sinnvoll erschien. Vielleicht wollte ich aber auch einfach eine Erinnerung festhalten, so, wie ich es durch die Abschrift der selbigen gerade tue.

Bäm! Oktober!

Zuerst hatte ich es nicht geglaubt, dann nicht wahrhaben wollen und nun kann ich es nicht mehr ignorieren. Die vorlesungsfreie Zeit endet, scheinbar alle Leute atmen auf und ich freue und fürchte mich zugleich vor den nun folgenden Wochen und Monaten.
Shit, ich wollte soviel in diesen Wochen machen. Bücher lesen (ich habe kein einziges geschafft, nur Dutzende angelesen). Ich wollte umziehen, mich in der neuen Heimat (ein Städtchen weiter) anmelden (kommt noch) und sowieso das alles auf die Reihe bekommen.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor!
Und bin so faul als wie zuvor.

Für die jüngeren Leser: Nein, gemeint ist nicht der Film. Der heißt „Thor“, nach der Comicfigur beruhend auf dem skandinavischen Namen des germanischen Gottes „Thor“, den man hier eher als Donar kannte (mit Blitzen und so). Gemeint ist auch nicht ein Hauseingang mit einer großen Tür davor, sondern das etwas veraltete Wort für einen… Idioten. (Genauer: Jemand, der unvernünftig handelt. Aber ich will dieses Fass nicht auch noch aufmachen. Kennt ihr jungen Menschen überhaupt noch Fässer? Und, dass man die – weil die früher gängigerweise aus Holz waren – nicht mehr einfach zudrehen konnte, wie man das mit diesen Bierfässchen macht, die einem neuerdings überall hinterhergeworfen werden?
Man könnte jetzt natürlich darüber streiten, ob Goethe nicht auch auf den Donnergott Thor anspielte, um die Überheblichkeit seines Dr. Faust noch offensichtlicher zu machen. Andererseits fände ich das bei aller Liebe für die Literaturwissenschaft doch sehr weit hergeholt.
Auch kann man darüber streiten, ob man es sich erlauben kann, in der frischen Wohnung dem Brauch des Surströmmingsskiva nachgehen kann. In Nordschweden wird ja bekannermaßen – jaja, du wolltest das auch gerade sagen – zum Ende des Sommers Surströmming gegessen. Also, wenn mans verträgt. Snip von Wikipedia: „Der Verzehr der in einer Dose vorgegorenen Heringe mit Kartoffeln oder tunnbröd (Dünnbrot – eine Vorstufe des Knäckebrots aus Norrland) erfordert aber unempfindliche Geruchsnerven.“ Ich hab das ja bis jetzt – leider? – nicht probieren können, bin da jetzt aber auch eher vorsichtig, schließlich sind die Deutschen da ja gerne ein bisschen empfindlich. Eien Mieterin, die das 1981 im Treppenhaus verschüttete, wurde – wie das Landgericht Köln bestättigte – rechtmäßig gekündigt. Man sollte allerdings dazu erwähnen, dass bei der mündlichen Verhandlung eine Dose Surströmming geöffnet wurde.
Ob Thor gerne aus Fässern trank und den Verkaufsstart des Surströmming (Ende August) nicht erwarten konnte, ist mir leider nicht bekannt. Aber, wie gesagt, es ist Oktober. Und das macht mir … gemischte Gefühle.