Tschöö, Smartfon.


Vor einigen Tagen zerstörte ich – versehentlich? – mein Smartphone.
Eigentlich hätte es schon dutzende male kaputt gehen sollen. Ich hatte es seit Anfang 2014. Es war damals ein großer Schritt: schnellerer Prozessor, weniger ranzige Kamera, größerer, ja riesiger Bildschirm. Man konnte tatsächlich Webseiten sehen und der Akku hielt fast einen ganzen Tag. Ich kopierte mein Haushaltsbuch vom alten aufs neue Gerät und führte es weiter. Das Gerät war… nicht gut, aber besser als das alte.
Irgendwie kommt es mir vor, als hätte ich es länger genutzt. Vier, fünf Jahre. Dabei sind es jetzt… Januar 2014 bis heute… keine 3 Jahre. Was für eine Verschwendung.
Einmal hätte es schon kaputt gehen sollen. Ich hatte es auf der Baustelle zur Seite gelegt – extra aus dem Weg – und irgendwie fiel es doch runter. Ärgerlich, und im Bildschirm blieb ein Riss zurück. Danach fiel es noch ein paar hundert male, ohne dass je etwas passierte. Ich hätte es gegen Wände schleudern können. Nur der Riss war da, aber sonst blieb es tadellos. Nun gut… der Telefonlautsprecher versagte seinen Dienst. Aber… es reichte um meine Bahnfahrten zu planen und Protokolle zu öffnen.
Letzter Akt. Auftritt des Telefons. Ich lese etwas darauf. Jemand, mit dem ich gerade stritt, warf etwas zu Boden. Splitter. Ich fand das nicht gut, und da der einzige Besitz, welchen ich gerade hatte und werfen konnte mein Handy war, und ich sicher war, dass dies jeden weiteren Sturz überleben würde… nun… landete es auf dem Boden. Mein Gegenüber sah das als Provokation und zerschmetterte ihrerseits Dinge. Was zurück blieb ist ein Telefon mit zerstörtem Bildschirm. Und ab.
Da ist es nun. Oder vielmehr: Da ist es nicht mehr. Zum ersten mal wünsche ich mir, ich hätte das Risiko eingegangen und hätte die Daten synchronisiert. Ich hätte die Daten in die „Cloud“ schieben sollen. Die Telefonnummern, die ganzen Nachrichten und mein Haushaltsbuch. Jaja, es gibt keine Cloud. Man speichert nur auf anderer Leute Computer. Aber, und das ist zum Beispiel der Grund, warum ich keinen eigenen Server betreibe, ich gehe offenbar nicht gut mit meinen Computern um.
Ich hätte vllt auch mehr Backups machen sollen. Anfangs tat ich das noch regelmäßig. Manuell, wie es sich gehört. Dafür nutzte ich Anfangs einen Uralt-Windows, der nun auch nur noch mit großer Mühe startet. Und irgendwie… verging dann ein Jahr ohne Backups. Dabei reicht schon ein Tag, um völlig veraltet zu sein.
Eigentlich wäre es Zeit, endlich alles auszutauschen. Die ganze Welt braucht ein Hardwareupdate. Meine Software ist lahm und veraltet. Lasst uns mal was anderes ausprobieren. Eine Open Source Welt z.B., mit ordentlichen Fehlerberichten und Shit, statt diesem „Bibel“-Kram Kapitali-Shit.
Zeit für was Neues.

"Die Herrschaft der Dummen ist unüberwindlich, weil es so viele sind, und ihre Stimmen zählen genau wie unsere." – Albert Einstein

Nehmen wir mal an, der Ausspruch ist authentisch und auch so zu verstehen, wie er sich hier darstellt. Nehmen wir an, Albert Einstein ist der Meinung, dass die Herrschaft der Dummen unüberwindlich ist, solange wir eine Stimmverteilung haben nach … Menschen.
Erstaunlich viele Menschen klagen über die „Dummheit“ der Massen. Kaum, dass man ein halbfreundliches Lächeln für diese Unfreundlichkeiten sich herausgezwungen hat, muss man es bereuen. Denn nun folgt, nach dem obligatorischen Zitat eines als „intelligent“ angesehenen Menschen, der oder die sich Dank bereits eingetretenem Tod nicht mehr mit derlei herumärgern muss – und deshalb auch nicht widersprechen kann -, ein Argument gegen die Gesellschaft. Man müsse Diktatur irgendeiner Elite durchsetzen, weil die Leute ja selbst zu dumm seien. Man müsse sie zu diesem oder jedem bewegen, weil dieses oder jenes. Weil die Dummheit unbegrenzt sei.
An der AfD sind nur die ganzen Hauptschüler*innen schuld. Scheiß Arbeitslose! Direkt verbieten, sowas! Seufz.
Mir wird schlecht, beim Gedanken an diesen Alltagszynismus. Im Durchschnitt sind die Leute weder dumm noch intelligent, sondern, nun ja, durchschnittlich halt. Selbstverständlich gibt es eine Menge Menschen, die aus deiner Sicht „dumm“ sind, und natürlich gibt es eine Menge, für die Du sehr dumm wirkst.
Aber die Dinge werden nicht besser, wenn weniger Leute mitreden dürfen. Und alles, was man bei Ausschluss von Vernichtungsphanasien in diese Aussagen interpretieren kann, wären Dinge wie Zusatzstimme für Physiker, oder Stimmenanteil nach Jahreseinkommen, oder kein Wahlrecht für Arbeitslose.
Dabei ist bei aller Kritik an den Blöden eine Lesart übersehbar: Vielleicht ging es nicht um ein „Weg mit den Dummen“, sondern hin zu einem Klarkommen mit sich selbst und der Welt. Vereinfacht gesagt: Wir werden die anderen Mehrheitlich immer als „dumm“ empfinden und selbst das Gefühl haben, dass wir durch deren Masse unterdrückt werden. Das wir in der Minderheit sind. Mit dem Gefühl müssen wir uns arrangieren. Dass es immer besser gehen würde. Dass wir immer eigentlich weiter wöllten, eigentlich nicht vollständig verstanden werden. Aber das ist kein Fehler der anderen, sondern ein Mangel in uns. Der Mangel in der Erkenntnis über die Welt und sich selbst.
[…]

Kaufladen, Samstag um 21 uhr

Es ist schon dunkel und wir haben noch nichts gekocht. Ich muss nochmal raus. Für ein Projekt fehlt eine Speicherkarte. Es ist Samstag und nur der große Kaufladen um die Ecke hat noch offen. Einundzwanzig Uhr. Irgendwas. Ich streife eine Jacke über und stapfe über den Platz, zwischen den Häuser und am Ende dieser Reihe – vielleicht fünf Minuten Fußweg – ist es auch schon. Auf dem Weg krame ich noch in meiner Tasche. Kein Geld. Bankomat, also.
Der Bankomat hier, der Kaufladen auf der anderen Seite der Straße. Es ist dunkel. Vor dem Kaufladen steht die Polizei. Zwei Einsatzwägen. Kalter Wind drückt sich durch die Windungen meines Schals. Ich warte am unteren Ende der Stufen. Der Bankomat steht oben, wie ein Fronleichnamsaltar. Ich drücke mich an die Wand, der Wind pfeift, und ich kann die Stufen noch nicht hochgehen, weil ich damit dem fremden Menschen am Automaten zu nahe käme.
Ich beobachte ein bisschen die Polizisten. Irgendwas wird ins Auto gelegt. Irgendeiner sagt, er fahre hinten mit. Eine Polizistin fragt nach Personalien. Auf der anderen Straßenseite schleicht sich eine Katze vorbei. Sie beobachtet den Verkehr, überquert die Straße, und ich verfolge sie mit den Augen. Der Wind ist mir egal, die Polizei ist mir egal, ich betrachte diese Katze und denke nur: „All cats are beautiful.“
Endlich ist der Automat frei. Zahlen tippen, Plastikkarten stecken, Papierfetzen ziehen. Im Laden. Buchstaben auf Plastik lesen. Vergleichen. Zahlen mit anderen Zahlen. Schließlich nehme ich diese Plastikscheibe, und nicht die andere. Weil die Zahl höher ist, und die andere Zahl aber nicht viel höher. Zufrieden gehe ich an die Kasse, wo die Kassiererin, die auch nur hier ist, um an Papierzettel mit Zahlen darauf zu kommen, meine Papierzettel entgegennimmt, und mir einen relativ wertfreien Papierzettel mit der Zahl darauf gibt, die ich gerade bezahlt habe.
Warum ist diese Zettelwirtschaft so wichtig, und die wunderschönen Katzen nicht? Ich stapfe zurück.

Variabler Zinssatz von aktuell 0,000%.

Ich lese kein Kapital, ich zähle mein Kapital

(Panik Panzer. In: Antilopen Gang: Neoliberale Subkultur. 2015.)

Ich bin ein Schwein. Ich bin eine Sau. Ich bin ein Schmarotzer. Ich bin ein gieriges Stück Scheiße. Ich bin faul. Und ich bin upperclass innerhalb der Unterschicht innerhalb der Oberschicht. Verglichen mit 99% der Menschen bin ich reich.
Über mir ein Dach, unter mir Boden, neben mir Nahrungsmittel und Kleidung, unter meinen Finger Tasten – die mir gehören. Ich habe sogar ein bisschen Geld.
Nicht genug, um mir meine Beerdigung leisten zu können, nicht genug um zu verreisen, aber wenn ich einmal meinen Computer zerstöre, dann kann ich mir einen passablen Ersatz kaufen.
Das Geld liegt jedenfalls in einem großen Topf einer Bank. Weil ich das sinnvoll fand und finde, bei einer Bank zu sein, die so ehrlich zu mir ist, wie ich zu ihr. Da ist es mir auch egal, wenn ich weniger „für mein Geld bekomme“.

Dafür mach‘ ich jetzt Geld, ich bin Abfall und Dreck, yes

(Koljah. In: Antilopen Gang: Stück Dreck. 2015.)

Halt, mein Geld? Was soll den das bitte heißen? Und woher habe ich bitte einen Anspruch darauf, für irgendwelche Nummern, die mir zugeordnet werden, mehr Nummern zu erhalten? Irgendjemand muss mehr bezahlen für einen Kredit, muss mehr arbeiten als notwendig, um die Bankmitarbeiter_innen zu bezahlen und mir einen Bonus – also Zinsen – zu geben. Das ist doch nicht fair!
Obwohl mir die Perversion bewusst ist, fühlt es sich dennoch komisch an. Vielleicht, weil ich in einer Welt aufgewachsen bin, in der man das Geld zur Bank brachte, auf ein Sparbuch legte, und sich dann einmal im Jahr freute, dass da jetzt plötzlich 2 Mark mehr da waren. Davon kaufte man sich dann ein Eis und dachte nicht darüber nach, mit welchen blutigen, menschenverachtenden Methoden dieses Geld erwirtschaftet wurde. Oder, freundlicher, auf wie viele Eiskugeln wohl ein Dritter verzichten musste, damit ich mir ein paar und der Banker ganz viele leisten kann.

Wir sind pro-kapitalistisch, also fick dich, alles Absicht.

(Johnny war ein Tänzer: Johnnys Ende. 2010.)

Jedenfalls komme ich da nicht raus. Es fühlt sich komisch an, wenn es keinen – zinsmäßigen – Unterschied zwischen Giro- und Sparkonto gibt. Nicht einmal 0,0015 %, sondern einfach gar nix.
Und kaum denke ich das, denke ich darüber nach, schickt mir die Bank, bei der unsere Fachschaft ihr Konto hat, ein Flugblatt, welches mich informiert, wie viel zukünftig die Girokonten dort kosten werden, wie viel ich für eine Überweisung bezahle (10 cent. Online!), und mir dreht sich der Magen beim Gedanken, dass ich bald 60 Euro und mehr im Jahr bezahlen werde, nur, um am gesellschaftlich geforderten „Zahlungsverkehr“ teilnehmen zu können.
Hm.

Wem gehört eigentlich dein Kind?

Eigentlich klingt die Frage im Titel dieses Eintrags lächerlich einfach. Man möchte sofort rufen: „Mein Bauch gehört mir!“, und dann zu einer Predigt über Erziehungsrechte der Eltern anheben, bevor man sich wütend grummelnd ein Busticket nach Stuttgart löst und mit Kochutensilien gegen ‚Frühsexualisierung‘ und ‚Homolobby‘ demonstriert. Niemand soll mir vorschreiben dürfen, wie ich meine Kinder erziehe. So, wie ich niemals hätte meinen Eltern widersprechen dürfen. Und die niemals ihren. Kadavergehorsam. Hm.
Aber jene, die mit großem Eifer ihre Kinder vorm Eingriff des Staates schützen wollen – weil: Ideologie!! -, stellen das Lebensrecht des fremden „Kindes“ – auch wenn es nur ein Zellhaufen ist – über die Entscheidungsfreiheit des Menschen, in dem dieser Zellhaufen sich befindet. Abtreibungsgegner_innen laufen – auch – wieder. Und die Gegenproteste skandieren die unglaublich sinnfreie Parole „Hätt‘ Maria abgetrieben, wär’t ihr uns erspart geblieben!“. Wenns denn so wäre. Einen Zellhaufen als Individuum zu sehen und zugleich zu sagen, dass man aber als Eltern über das Kind zu bestimmen habe… Hm.
Das Kind kann sich jedenfalls nicht selbst gehören. Kann kein völlig freies Individuum sein, losgelöst von allem. Das geht nicht. Dafür bedarf es zu sehr Schutz. Aber es kann auch nicht komplett den Eltern gehören. Und eine Gesellschaft, in dem mein Arsch allen gehört – bzw. „dem Staat“ – klingt auch eher unangenehm bis unmöglich.
Ich bin davon überzeugt, dass Kinder – und da wir alle Kinder von irgendjemand sind, also auch alle Menschen – zugleich vieles sind, viele Rollen übernehmen müssen, ‚vielen Herren dienen‘. Wir sind untrennbar verankert in und mit der Gesellschaft, in Kultur, in Gemeinschaft. Du gehörst dazu, weil ein Leben ohne das Wissen, welches jene vor dir erarbeitet haben, oder auch ohne die Resistenz gegen bspw. Krankheiten – die Millionen mit ihrem Leben bezahlten -, nicht leben könntest. Du bist, weil es Menschen vor dir gab und es Menschen nach dir geben wird. Also hängst du mit drin.
Aber du bist zugleich auch Individuum. Hast eigene Gedanken, eigene Wünsche, Hoffnungen. Und du darfst selbst entscheiden, was du mit deinem Leben machst. Der Deal lautet: Du gibst etwas, du bekommst etwas. Und wir lassen dich in diesem und jenem Bereich in Ruhe, solange dein Verhalten nicht „uns“ als Gemeinschaft, als Menschheit gefährdet. Einen Garten anlegen? D’accord. Atombomben bauen oder hohe Zäune, damit andere Menschen sterben? Äh, ne?! Wer einen von uns angreift, der greift uns alle an. Und wir, dass sind Menschen. Nicht Leute aus Dorf A, oder Land X, sondern Menschen.
Und dann gehören wir aber auch unseren Eltern, die uns großgezogen haben, die sich entschieden haben uns in die Welt zu setzen. Ermöglicht wurde das ihnen wieder durch die Gesellschaft – also geben sie zurück und geben Verantwortung und Rechte ab.
Als ob man nicht schon genug eingebunden wäre, haben wir selbst aber auch eine Verantwortung gegenüber unserem früheren Ich und unserem Zukünftigen. Nicht mehr zu leisten, aber besser werden zu wollen. Zu wachsen. Nicht quantitativ, aber qualitativ. Dass das nicht immer gelingt, und damit dann umgehen zu können, das ist auch eine Form von Wachsen.
Was ich mich frage, ist, wo das Erziehungsrecht der Eltern endet, und das des Staates beginnt. Ich kann nicht behaupten, dass ich darauf eine Antwort hätte. Aber die Gedanken, die mich bisher auf einem Weg zu einer Antwort begleitet haben, klingen etwa so: Was für ein würdiges Zusammenleben notwendig ist lehrt – vermittelt über Schulen usw. – die Gesellschaft. Was im persönlichen, individuellen Bereich liegt, übernehmen die Eltern, Verwandten, Freunde.
Konkret heißt das für mich: Wenn ich ein würdiges Leben für alle anstrebe – unabhängig davon, ob das erreicht werden kann – und für mich darin auch die Frage von Akzeptanz von unterschiedlichen Lebensformen ist, das Nebeneinander von Identitäten, Kulturen, Glauben, usw., dann muss dies – auch! – in angemessener Form in der Schule vermittelt werden. Weil ich weiß, dass meine Eltern mit Fragen überfordert waren und ich es wohl auch wäre.
Was ich mit meinem Körper erschaffe – was unter meinem Herzen wächst – ist meins. Punkt. Mein Bauch gehört mir. Kein Aber. Konsequent zuende gedacht gibt diese Haltung – nämlich Kinder gehören ausschließlich und nur ihren Eltern – aber recht… irritierende Ergebnisse. Zum Beispiel müsste das Ermorden des eigenen Nachwuchs straffrei sein, schließlich darf ich mit meinem Eigentum tun, was ich will, oder?
Kinder und die Verantwortung für deren „Erziehung“, deren „Groß werden“, kann nicht allein Aufgabe der Eltern sein. Darf nicht, soll nicht. Denn ein Zusammenleben – ohne dieses uns ein einfaches Sandwich 1500 Dollar und ein halbes Jahr unseres Lebens kosten würde (wobei hier das Aneignen des Wissens darum, wie’s am besten gemacht wird noch nicht einberechnet ist) – kann bei aller Individualität einfach nicht umgangen werden. Was wir sind, was wir lernen, das sind wir auch dank dem Zusammenleben von Milliarden von Menschen in der Vergangenheit, im Jetzt und in der Zukunft. Ohne Gemeinschaft, ohne Gesellschaft gehts nicht. Komplett „frei“ fühlt sich nur das ignorante Arschloch. Wie diese Gesellschaft sich ausgestaltet und wohin sie geht, daran gestalten wir mit.