"Wie geht es dir?"

Man könnte jetzt glauben, die Frage „Wie geht es dir?“ würde tatsächlich danach fragen, wie die Stimmung der gefragten Person im Moment ist, jedoch drückt diese kleine Frage weit mehr aus, als sie suggeriert. „Wie gehts?“ als Kurzform ist der Ersatz für das „Was geht?“ von lockereren Bevölkerungsgruppen. Es handelt sich also um weit mehr: Welche Ereignisse und Gegebenheiten der Außen- und deiner Innenwelt sind für dich gerade aktuell und sorgen selbige eher für positive oder negative Gefühle? Als Antwort hierauf kann einerseits ein schlichtes „Gut“ – oder je nach Charakter ein anderes Wort für eine lebensbeständige Stimmung, etwa „OK“, – verwendet werden, dass signalisiert: Aktuell gibt es nichts in meinem Leben, das mich besonders positiv oder negativ beeinflussen würde, weicht die Stimmung von der Lebensbeständigen Dauerstimmung ab, so müssen dem Stimmungswort einige Beschreibungen und Erklärungen folgen, die Hinweise geben, warum es so oder so geht; andererseits kann die Frage aber auch nur eine Höflichkeitsfloskel sein. Sollte letzteres zutreffen bieten sich alle Formulierungen mit „Danke“ an, worauf, um die Höflichkeit zu erwidern, ein „Und selbst?“ folgen kann – aber nicht muss. Bedauerlicherweise sind für die meisten Menschen die Höflichkeits-„Wie gehts?“ in der Überzahl.
Inzwischen bin ich persönlich dazu übergegangen, mit der Höflichkeitsreaktion beziehungsweise bei Kurzmitteilungskommunikation gänzlich auf eine Antwort zu verzichten, wenn abgesehen von dem unwichtigen Alltag nichts mein Leben erschüttert.
Und wie geht es Ihnen heute?

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Zurückgekehrt aus einer Welt der Literatur, in der Worte zu Bildern und Bildern zu Geschichten werden, erscheinen mir die Bilder der echten Realität unwirklich. Statt weißem, zerknittertem reclam-Papier und der schwarzen Stempel Garamond, gleiten meine Blicke ungläubig über die Straße und die bunten Blumen hinter unserer Haustüre. Fest klammern sich meine Hände an das gelbe Buch. Alles scheint mir fremd und bekannt, unwirklich-wahr, wie das Beiwerk einer Erzählung, die ein anderer schreibt. Der nasse Regen begleitet Yann Tiersens Piano, welches aus meinem Kopf und meinen Ohren quellt, und ein Gefühl vermittelt, das zu beschreiben ich nicht im Stande bin.

Ein ganzer Saal hasst mich.

Und ich finds irgendwie… lustig.
Kneipe
Es gibt Orte, da gebietet der Anstand, von Gesprächen mit anderen abzusehen. Büchereien, Museen, allgemein Orte der Kultur und Weiterbildung sind unerfreut über leichtes Gespräch. Ebenso unangenehm fallen diejenigen Leute auf, die bei Filmmeisterwerken ununterbrochen reden. Ich gestehe: Ich gehöre selbst zu diesen unausstehlichen Kinoschwätzern.
Natürlich ist meine offene Klappe auch davon abhänig, was für ein Film läuft (je näher an meiner Verständnisebene (weder zu blöde, noch zu kompliziert), desto ruhiger bin ich (ausnahme: star wars. Da mach ich ununterbrochenes Fan-Gekreische).) und natürlich hängt meine Sprachfülle auch von den anderen ab. Ab einer Gruppengröße von 3 Personen erreicht mein Geplapper eine kritische Masse, was schließlich zur Spaltung führt – also zwischen mir und denen, die mit mir reden auf der einen Seite, und dem restlichen genervten Publikum auf der anderen Seite. Ich verlasse dann regelmäßig von Beleidigungen begleitet den Kinosaal.
„Woah, Drei D! So ein Rotz.“
Besonders schlimm war das bei Avatar, wo wir – die große Schuld kann ich hierbei nicht allein tragen – ununterbrochen sprachen und schlechteste Witze rissen. Es gipfelte für mich – Achtung Spoiler! – darin, dass dieser… Kerl… nach gefühlten Stunden des Ablebens doch noch von der allmächtigen Natur zurück ins Leben geholt wird – ich sagte damals: „Wenn der jetzt wieder zu Leben anfängt, dann ist der ganze Film ruiniert.“. Ich schrie dann auch entsprechend laut und enttäuscht (Logik, anyone?!) und bin bis heute nicht mit Avatar versöhnt.
Als wir damals den Kinosaal verließen, sprach man uns an, wir sollen das nächste mal doch bitte einfach gehen, wenn uns der Film nicht gefalle.
Bedauerlicherweise befolgte ich diesen Rat auch heute nicht, als wir „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ (oder so ähnlich) sahen. (Anm. Ob ein Film gefällt, weiß man erst beim Abspann. Alles davor sind Vermutungen.) Soundtrack und alles waren eigentlich ganz ok. Problem: Die Geschichte ist – wenn man nicht gerade unter extremem Glückshormonrausch steht – ziemlich flach und sowieso tausendfach durchgekaut. (Dennoch ein netter Film. Aber, man versteht halt auch alles, während man plappert.)
Dementsprechend standen wir noch einen falschen Atemzug entfernt von der öffentlichen Steinigung, als wir den Kinosaal – am Anfang des Abspanns – als Erste verließen.
2007-09-28 - in mathe

Könnten Blicke töten, ein jeder in diesem Kinosaal hätte sich mitschuldig gemacht.
Und ich könnte meine Klappe nicht halten, während mein Leben an mir vorbei zieht. („Aaaaalt!“)

Dabei wäre es so einfach, mich zum schweigen zu bringen. „Bitte verhalten Sie sich ruhiger, ich möchte den Film sehen.“ Schweigen wird – wie bei Wahlen – von mir als Zustimmung, oder „Egal“ gewertet. Daher bin ich, wenn dann die Menschen direkt um mich herum beleidigend werden, auch immer sehr verunsichert und überrascht. Eine Ermahnung, und ich bin zumindest deutlich ruhiger, wenn nicht sogar ganz still… Irgendwann krieg ich dort noch Hausverbot.
Irgendwo ist es dann aber doch ein interessantes Gefühl, wenn einen ein ganzer Kinosaal aus tiefstem Herzen hasst. Ein schlechter Abend war es jedenfalls heute nicht.

"Die Konkurrenz schläft nicht"

Photo
Es heißt, die Konkurrenz käme ohne Schlaf aus. Wir sind Helden sangen einmal ein Lied darüber. Es ist eine bedrohliche Vorstellung, dass irgendwo jemand sitzt, und während ich schlafe und mich auf meinem Erfolg ausruhe (haha, welcher Erfolg?) mich überholt. Die China-Angst, wenn man so will. Die Angst, dass die Studienplätze komplett von hochbegabten Chinesen belegt werden, die alle talentierter, besser aussehend und vermutlich auch besser in Deutsch sind als man selbst. Man verzichtet also auf Schlaf, will ja nicht überholt werden, und ackert. Weil der hochbegabte Chinese mit perfekten Deutschkenntnissen aber ebenso weiß, dass die deutsche Konkurrenz ebenso wenig schläft, ackern sich beide zu Tode.
Heißt also die Devise fürs Überleben, gar nicht erst mitzumachen bei diesem Wettlauf? Einfach sein Leben zu verschlafen?
Nein. Denn ohne Wettkampf keine Weiterentwicklung, sagen Adam Smith, sagen Darwin, sagen alle Leute, die erstere beiden missverstehen. Der Markt regelt das schon, dass der bessere gewinnt. Und weil niemand verlieren will, kämpft jeder – und wacht. Der frühe Vogel fängt den Wurm, der Späte verhungert zwangsläufig. Selbstverständlich könnten auch beide ausschlafen, aber der schlaue Wurm würde dann einfach sein Tagesgeschäft schon Morgens erledigen, so dass beide Vögel am Ende dumm dastehen. Es stimmt halt auch: Wer nicht teilnimmt, hat schon verloren.
Wie soll man aber noch leben zwischen beiden Extremen? Wie soll man das gesunde Mittelmaß finden? Wie soll man die Konkurrenz übertreffen, wenn diese nie ruht?
Es geht nicht ums Gewinnen. Dabei sein ist alles. Es wird immer Leute geben, die einen übertreffen. Aber das ist kein Grund für Wahnsinn, Schlaflosigkeit oder sonstwas. Natürlich hat Stephen King mehr Leser als ich (und ist auch besser bezahlt), aber ich müsste sehr unglücklich sein, würde ich mich mit ihm messen wollen. Ebenso unglücklich wäre wohl Stephen King, wenn er den Erfolg seiner Bücher mit – sagen wir – der Bibel messen würde. Es ist eben so: Man kämpft immer nur mit und für sich selbst.
Ich muss mich an meinen eigenen Zielen messen. Ich will nicht das erfolgreichste Blog Deutschlands, und auch nicht das perfekte Abitur, sondern mit mir zufrieden sein. Und dafür reicht ab und an ein Kommentar, eine gepflegte Blogfreundschaft oder – im Falle des Abitur – über 8 Punkte in Deutsch, und ansonsten 5 oder mehr (außer Mathe, da strebe ich wenigstens 1 Punkt an), und bei alledem ab und an noch ausschlafen dürfen.
Wenn Ihnen einmal wieder jemand begegnet, der verängstigend ruft: „Die Konkurrenz schläft nicht!“, sagen Sie doch einfach, wenigstens seien Sie ausgeschlafen. In diesem Sinne: Gute Nacht.
Jetzt in den Kommentaren: Bessere Antworten auf die wachende Konkurrenz, sowie: Mit wem wollen Sie sich nicht messen lassen? Würde mich freuen.

Paris'-Best-Of # 2121

Haus
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Songs de Paris:
Sonic Youth :: Teenage Riot (Vor der Abfahrt); The Animals :: House of the Rising Sun (Gespielt von einer schrecklichen Panflötengruppe vor dem Eiffelturm. Die armen Animals.) SHY’M :: Je Suis Moi (Ohrwurm. In jedem zweiten Musiksender ununterbrochen. Boah.)
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Bevorzugte Fortbewegung à Paris:
Metro. Auch, wenns manchmal ziemlich voll war, oder heiß, oder kalt, oder, was auch immer…
MetroLouis BlancMetro-StationMetro
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Klischees de Paris:
Alle reden Französisch.
Überall gibts Essen.
Nirgendwo ists wirklich dreckig, aber alles ein bisschen abgefuckt.
Alle Bürger sind irgendwie besser angezogen, als man selbst.
Alle rauchen.
Nur Weißbrot, keine kuschligen Betten, Metrofahren, Touristenfotos.
Mindestens dreimal täglich wird man fast überfahren.
Schwarze Straßenverkäufer am Eiffelturm. „Five for only one Euro!“
Kleber de Paris:
Alice in Hand
(Das find ich ja ziemlich cool.)
Nähe Eiffelturm
(Ne, den hab ich da nicht hingeklebt. Ich schwöre! Ich hab nur ein Foto gemacht.)
Metro-Plakat-Kleber de Paris:
Plakatkleber
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Schock der Pariswoche:
Tote Katze Vermisste Katze
Links: Tote Katze vor dem Pere Lachaise. Rechts: Vermisste Katze. Ohjeohje.
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Offene Fragen du Paris:
Was passiert eigentlich am Ende einer Metrolinie?
Gibt es im IKEA in Frankreich auch Schlafsofa-Kissen?
Warum schmecken die Burger bei Quick so gut?
Wo war mein Klassenkamerad A. eigentlich mitten in der Nacht und
wie hat er wieder nach Hause gefunden?
Wie soll man jetzt noch Abitur schreiben?
etc. etc.
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Fazit de Parisreise:
War sehr schön gewesen.
Bei Gelegenheit erzähl ich noch mehr, statt nur Bilder zu zeigen.
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Mehr Fotos…
… bei Flickr.