❝Schick mich weiter, ich bin Egomasturbation.❞ – ☞ ♥ ♥ ♥ ☜

nichtgucken
Kennen Sie das? Immer mal wieder bekommt man Kettenbriefe von Freunden zugeschickt – meist per E-Mail -, in denen der Leser dazu aufgefordert wird, selbigen – auch an den Absender – zu verschicken und je nachdem, wie viele man zurück erhält, sei man so und so beliebt. Ich persönlich finde derartige Ego-Aufbesserungen ja eine feine Sache, jedoch halte ich mich lange nicht für so bedeutend, als dass ich die E-Mail-Postfächer meiner Freunde und Bekannten durch derlei tausendfach gelesene Nachrichten zu überfüllen. Reicht es denn nicht mehr, frage ich mich dann, dass wir mit einander reden, ohne uns zu beschimpfen, und uns helfen, wenn es nötig ist? Müssen wir unser „Wir können uns leiden“ auch noch durch das hin und her schicken von E-Mails untersteichen?
Wie gesagt, ich habe nichts dagegen (und es freut auch irgendwo, sowas zu bekommen), aber irgendwo sage ich dann doch lieber mit eigenen Worten, dass ich jemanden leiden kann.
Und von wem erhalten Sie regelmäßig Kettenmails?

(i don't believe you)


(Alternativlink)
Das ich einmal mehr zufällig ein Video der Oregoner Gruppe The Thermals sah, darf durchaus als Glücksfall gesehen werden. Nicht nur, dass – ich entspreche hier wieder diesem Klischee – The Termals nach erstem hören sich ziemlich… vielverstechend geben, Nein, das obrige Video führt sogar noch weiter. Die von der Musik verfolgte Frau heißt Carrie Brownstein und ist angeblich eine ziemlich unterschätzte hervorragende Gitarristin, „bekannt“ durch die Gruppe Sleater-Kinney. Es wiederfährt mir also wieder, was mir immer wiederfahren sollte, wenn ich eine neue Band entdecke: Dass sich mein Musikhorizont erweitert. Aber, soweit sind wir noch nicht. Vielleicht bleibt meine Vorliebe bei dem einen obrigen Lied, und gestorben ist jede Weiterentwicklung… Egal, das Video ist auf jedenfall ziemlich gut, auch, wenn das Vorschaubild rein gar nichts verspricht.

"Wie geht es dir?"

Man könnte jetzt glauben, die Frage „Wie geht es dir?“ würde tatsächlich danach fragen, wie die Stimmung der gefragten Person im Moment ist, jedoch drückt diese kleine Frage weit mehr aus, als sie suggeriert. „Wie gehts?“ als Kurzform ist der Ersatz für das „Was geht?“ von lockereren Bevölkerungsgruppen. Es handelt sich also um weit mehr: Welche Ereignisse und Gegebenheiten der Außen- und deiner Innenwelt sind für dich gerade aktuell und sorgen selbige eher für positive oder negative Gefühle? Als Antwort hierauf kann einerseits ein schlichtes „Gut“ – oder je nach Charakter ein anderes Wort für eine lebensbeständige Stimmung, etwa „OK“, – verwendet werden, dass signalisiert: Aktuell gibt es nichts in meinem Leben, das mich besonders positiv oder negativ beeinflussen würde, weicht die Stimmung von der Lebensbeständigen Dauerstimmung ab, so müssen dem Stimmungswort einige Beschreibungen und Erklärungen folgen, die Hinweise geben, warum es so oder so geht; andererseits kann die Frage aber auch nur eine Höflichkeitsfloskel sein. Sollte letzteres zutreffen bieten sich alle Formulierungen mit „Danke“ an, worauf, um die Höflichkeit zu erwidern, ein „Und selbst?“ folgen kann – aber nicht muss. Bedauerlicherweise sind für die meisten Menschen die Höflichkeits-„Wie gehts?“ in der Überzahl.
Inzwischen bin ich persönlich dazu übergegangen, mit der Höflichkeitsreaktion beziehungsweise bei Kurzmitteilungskommunikation gänzlich auf eine Antwort zu verzichten, wenn abgesehen von dem unwichtigen Alltag nichts mein Leben erschüttert.
Und wie geht es Ihnen heute?

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Zurückgekehrt aus einer Welt der Literatur, in der Worte zu Bildern und Bildern zu Geschichten werden, erscheinen mir die Bilder der echten Realität unwirklich. Statt weißem, zerknittertem reclam-Papier und der schwarzen Stempel Garamond, gleiten meine Blicke ungläubig über die Straße und die bunten Blumen hinter unserer Haustüre. Fest klammern sich meine Hände an das gelbe Buch. Alles scheint mir fremd und bekannt, unwirklich-wahr, wie das Beiwerk einer Erzählung, die ein anderer schreibt. Der nasse Regen begleitet Yann Tiersens Piano, welches aus meinem Kopf und meinen Ohren quellt, und ein Gefühl vermittelt, das zu beschreiben ich nicht im Stande bin.

Ein ganzer Saal hasst mich.

Und ich finds irgendwie… lustig.
Kneipe
Es gibt Orte, da gebietet der Anstand, von Gesprächen mit anderen abzusehen. Büchereien, Museen, allgemein Orte der Kultur und Weiterbildung sind unerfreut über leichtes Gespräch. Ebenso unangenehm fallen diejenigen Leute auf, die bei Filmmeisterwerken ununterbrochen reden. Ich gestehe: Ich gehöre selbst zu diesen unausstehlichen Kinoschwätzern.
Natürlich ist meine offene Klappe auch davon abhänig, was für ein Film läuft (je näher an meiner Verständnisebene (weder zu blöde, noch zu kompliziert), desto ruhiger bin ich (ausnahme: star wars. Da mach ich ununterbrochenes Fan-Gekreische).) und natürlich hängt meine Sprachfülle auch von den anderen ab. Ab einer Gruppengröße von 3 Personen erreicht mein Geplapper eine kritische Masse, was schließlich zur Spaltung führt – also zwischen mir und denen, die mit mir reden auf der einen Seite, und dem restlichen genervten Publikum auf der anderen Seite. Ich verlasse dann regelmäßig von Beleidigungen begleitet den Kinosaal.
„Woah, Drei D! So ein Rotz.“
Besonders schlimm war das bei Avatar, wo wir – die große Schuld kann ich hierbei nicht allein tragen – ununterbrochen sprachen und schlechteste Witze rissen. Es gipfelte für mich – Achtung Spoiler! – darin, dass dieser… Kerl… nach gefühlten Stunden des Ablebens doch noch von der allmächtigen Natur zurück ins Leben geholt wird – ich sagte damals: „Wenn der jetzt wieder zu Leben anfängt, dann ist der ganze Film ruiniert.“. Ich schrie dann auch entsprechend laut und enttäuscht (Logik, anyone?!) und bin bis heute nicht mit Avatar versöhnt.
Als wir damals den Kinosaal verließen, sprach man uns an, wir sollen das nächste mal doch bitte einfach gehen, wenn uns der Film nicht gefalle.
Bedauerlicherweise befolgte ich diesen Rat auch heute nicht, als wir „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ (oder so ähnlich) sahen. (Anm. Ob ein Film gefällt, weiß man erst beim Abspann. Alles davor sind Vermutungen.) Soundtrack und alles waren eigentlich ganz ok. Problem: Die Geschichte ist – wenn man nicht gerade unter extremem Glückshormonrausch steht – ziemlich flach und sowieso tausendfach durchgekaut. (Dennoch ein netter Film. Aber, man versteht halt auch alles, während man plappert.)
Dementsprechend standen wir noch einen falschen Atemzug entfernt von der öffentlichen Steinigung, als wir den Kinosaal – am Anfang des Abspanns – als Erste verließen.
2007-09-28 - in mathe

Könnten Blicke töten, ein jeder in diesem Kinosaal hätte sich mitschuldig gemacht.
Und ich könnte meine Klappe nicht halten, während mein Leben an mir vorbei zieht. („Aaaaalt!“)

Dabei wäre es so einfach, mich zum schweigen zu bringen. „Bitte verhalten Sie sich ruhiger, ich möchte den Film sehen.“ Schweigen wird – wie bei Wahlen – von mir als Zustimmung, oder „Egal“ gewertet. Daher bin ich, wenn dann die Menschen direkt um mich herum beleidigend werden, auch immer sehr verunsichert und überrascht. Eine Ermahnung, und ich bin zumindest deutlich ruhiger, wenn nicht sogar ganz still… Irgendwann krieg ich dort noch Hausverbot.
Irgendwo ist es dann aber doch ein interessantes Gefühl, wenn einen ein ganzer Kinosaal aus tiefstem Herzen hasst. Ein schlechter Abend war es jedenfalls heute nicht.