Der Bildschirm kennt nur Unterhaltung

Eigentlich hätte ich heute mit meine Vater streiten können. Er bot mir gleich zwei Vorlagen.
Ich saß, wie in letzter Zeit öfters – im Sessel vor dem aufgeklappten Notebook. Mein Vater sah das Fernsehsender-Vorabend-Allerlei. Ich sollte dazu sagen, dass mein Vater Gärtnermeister ist, seinen eigenen Betrieb mit Mitarbeitern führt und deshalb eine recht klare Trennung von Arbeit und Freizeit hat. Bei mir ist das anders, weil mein Begriff von Arbeit völlig anders ist.
Er fragte, ohne jedes Wort zuvor und in einem Befehlston, dem jedem preußischen General die Freudentränen ins Gesicht gespült hätte: „Machst du eigentlich gerade etwas fürs Studium?“ Ich fragte, völlig überrumpelt von dieser Frage, lediglich „Jetzt gerade? In dieser Sekunde?“. Ein wenig befehliger und mit der Enttäuschung, die ich in letzter Zeit häufiger aus seiner Stimme herauszuhören glaube, präzisierte er: „Wenn du vor dem Computer sitzt. Machst du dann etwas für dein Studium oder spielst du nur rum?“. „Der Bildschirm kennt nur Unterhaltung“ weiterlesen

"Die Konkurrenz schläft nicht"

Photo
Es heißt, die Konkurrenz käme ohne Schlaf aus. Wir sind Helden sangen einmal ein Lied darüber. Es ist eine bedrohliche Vorstellung, dass irgendwo jemand sitzt, und während ich schlafe und mich auf meinem Erfolg ausruhe (haha, welcher Erfolg?) mich überholt. Die China-Angst, wenn man so will. Die Angst, dass die Studienplätze komplett von hochbegabten Chinesen belegt werden, die alle talentierter, besser aussehend und vermutlich auch besser in Deutsch sind als man selbst. Man verzichtet also auf Schlaf, will ja nicht überholt werden, und ackert. Weil der hochbegabte Chinese mit perfekten Deutschkenntnissen aber ebenso weiß, dass die deutsche Konkurrenz ebenso wenig schläft, ackern sich beide zu Tode.
Heißt also die Devise fürs Überleben, gar nicht erst mitzumachen bei diesem Wettlauf? Einfach sein Leben zu verschlafen?
Nein. Denn ohne Wettkampf keine Weiterentwicklung, sagen Adam Smith, sagen Darwin, sagen alle Leute, die erstere beiden missverstehen. Der Markt regelt das schon, dass der bessere gewinnt. Und weil niemand verlieren will, kämpft jeder – und wacht. Der frühe Vogel fängt den Wurm, der Späte verhungert zwangsläufig. Selbstverständlich könnten auch beide ausschlafen, aber der schlaue Wurm würde dann einfach sein Tagesgeschäft schon Morgens erledigen, so dass beide Vögel am Ende dumm dastehen. Es stimmt halt auch: Wer nicht teilnimmt, hat schon verloren.
Wie soll man aber noch leben zwischen beiden Extremen? Wie soll man das gesunde Mittelmaß finden? Wie soll man die Konkurrenz übertreffen, wenn diese nie ruht?
Es geht nicht ums Gewinnen. Dabei sein ist alles. Es wird immer Leute geben, die einen übertreffen. Aber das ist kein Grund für Wahnsinn, Schlaflosigkeit oder sonstwas. Natürlich hat Stephen King mehr Leser als ich (und ist auch besser bezahlt), aber ich müsste sehr unglücklich sein, würde ich mich mit ihm messen wollen. Ebenso unglücklich wäre wohl Stephen King, wenn er den Erfolg seiner Bücher mit – sagen wir – der Bibel messen würde. Es ist eben so: Man kämpft immer nur mit und für sich selbst.
Ich muss mich an meinen eigenen Zielen messen. Ich will nicht das erfolgreichste Blog Deutschlands, und auch nicht das perfekte Abitur, sondern mit mir zufrieden sein. Und dafür reicht ab und an ein Kommentar, eine gepflegte Blogfreundschaft oder – im Falle des Abitur – über 8 Punkte in Deutsch, und ansonsten 5 oder mehr (außer Mathe, da strebe ich wenigstens 1 Punkt an), und bei alledem ab und an noch ausschlafen dürfen.
Wenn Ihnen einmal wieder jemand begegnet, der verängstigend ruft: „Die Konkurrenz schläft nicht!“, sagen Sie doch einfach, wenigstens seien Sie ausgeschlafen. In diesem Sinne: Gute Nacht.
Jetzt in den Kommentaren: Bessere Antworten auf die wachende Konkurrenz, sowie: Mit wem wollen Sie sich nicht messen lassen? Würde mich freuen.