Sie hatte schulterlange Haare. Und ich bin ein Egoist.

Vermutlich bin ich egozentrisch. Ich blogge schon viel zu lange, und das ist weder gut fürs Sozialverhalten, noch für die Gedankenwelt. Blogger sind oft egoistische Arschlöcher. Könnte man zumindest manchmal glauben. Ab und an genieße ich sogar, ein wenig egoistisch zu sein. Als Single und Westeuropäer ist das fast schon Usus.
Dementsprechend feiere ich das Älterwerden meines Blogs (siehe unten), deute ein schönes Mädchen in kurzen Hosen, das vor mir aus einer Tür schwebt, als Reaktion auf meinen „Das Leben ist scheiße“-Gedanken und – als ich dann ein wenig deprimiert wurde, weil ich mir einredete, dass die Dame viel zu hübsch für mich sei beziehungsweise aus jeder Beziehung doch langfristig nur Schmerz und Leid gezogen werden könne – da hörte ich von der anderen Neckarseite ein Orchester die Indiana-Jones-Titelmelodie („Raiders March“?) einüben. Es ist schon irgendwo komisch, dass klassische Musik scheinbar nur noch in der großen Masse durch Filmmusik hörbar wird. Ich kenne kaum jemand, der mir ein Stück von Bach vorsummen könnte, aber jeder kennt die Melodien von John Williams.
Eigentlich müsste es einen traurig machen, dass sich unsere Kultur nur noch über den Film und das Ego einiger weniger definiert, mich jedoch macht es glücklich. Es ist eine großartige Zeit, in der wir leben. Es ist aufregend und bezaubernd und so unglaublich vielseitig. Könnte ich mich nur hinsetzen und all das hier aufsaugen, all die Bilder, die Gefühle, die Gedanken, die Kunst; mein Herz wäre so voll und weit.
Vor allem sind es die Menschen, die diese Zeit so perfekt machen. Es ist, wie in der einen Folge von „How I Met Your Mother“: Ich möchte zurückgehen und alle umarmen.
Aber eigentlich genüg es mir auch schon, hier weiter schreiben zu dürfen, weiter Blogs zu lesen, weiter an diesem wunderbaren Internet, weiter aber auch – vor allem – an der wunderbaren echten Welt teilzunehmen.
Fühlt euch trotzdem geknuddelt.

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