Geht zum Friseur: Facebook-Fotoalbum mit 305 neuen Fotos.

Vielleicht werde ich alt, vielleicht passiert auch einfach zu wenig in meinem Leben, aber die ursprüngliche Idee, hier täglich zu bloggen, muss ich verwerfen. Es fühlt sich schlicht nicht richtig an, jeden Tag eine Nebensächlichkeit aufzublasen. Ich interessiere mich einfach nicht für irgendwelche Ereignisse, die durch die Medien getrieben werden (deshalb könnte ich auch nie Journalist sein). Die CSU war schon immer ein korrupter Haufen und dass Politiker dieser Partei versuchen, Journalisten zu beeinflussen, ist mir nicht einmal ein Gähnen mehr wert. Auch die trotzige Verschlossenheit der Kirche, wie sie einer meiner absoluten Lieblingsblogger hier anlässlich des Jahrs des Glaubens beschreibt, gehört für mich zur Alltäglichkeit. Warum erzählen wie etwas ist, wenn es alle schon wissen und sich eh niemand dafür interessiert. Warum soll ich darüber berichten, dass ich eine ganze Stunde durch die Tübinger Innenstadt wanderte, um eine Küchenwaage zu finden? Natürlich rege ich mich gerne über so etwas auf und – wenn gut geschrieben – liest Du so etwas auch gerne. Aber es ändert einfach nichts an der Situation. Egal wie vielen Zeilen ich schrieb / über die Scheiße die passiert: Die Scheiße passiert. (Panik Panzer: Rechtfertigung) Warum soll ich aus dem Gefühl heraus, hier Output liefern zu müssen, etwas bloggen, was ich nicht so interessant finde? Weil ich es möchte. Aber im Moment – heute – will ich halt einfach nicht. Morgen kann das ganz anders sein.
Ich liebe es zu schreiben. Ich liebe auch meine Ansprüche an dieses Blog. Ehrlich zu sein, nichts zu erfinden, was nicht als Erfindung kenntlich ist, Kleinigkeiten zu hinterfragen und nicht nur zu erzählen. Aber im Moment gibt es einfach keinen Text, auf den ich Lust hätte (außer diesen hier, weshalb ich ihn jetzt auch schreibe). Ich habe – heute – keine Lust über den Schaal meiner Ex-Freundin zu schreiben, oder über irgendeine Scheiße, die gerade im Netz abläuft. Ich hab auch keine Lust meine Studienleistung zu hinterfragen, hier meine Kommilitonen abzufeiern oder mich über meine Dozenten zu beschweren. Eigentlich will ich nur Daheim sitzen und die Nebelmaschine anwerfen. (So wie Funny van Dannen). Weil es halt einfach manchmal sein muss.
Und weil es irgendwo albern ist, hier alles reinzuschreiben. Ich habe ein Notizbuch, ich schreibe außerdem an einem zweiten Themenbezogenen, ich twittere sehr grottig und unglaublicherweise kommuniziere ich auch mit anderen Menschen.
Heute reicht mir das. Heute, an diesem kalten Novembertag. Morgen will ich dann vielleicht wieder über diese verdammte Katze schreiben, die neulich an mir vorbei ins Haus huschte, als ich die Türe öffnete. Bis dahin behalte ich das aber für mich. Wie so vieles.
Oder, dem Blog nach zu urteilen, viel zu wenig.
Wer als Erstes „Könntest ruhig öfter mal die Fresse halten“ kommentiert bekommt ein freundliches „Arschloch“ als Antwort.

Muss ich jetzt vor dir auf die Knie fall'n weil du einen Blog betreibst?

Nein.*


* Leute, die Blogs ernst nehmen glauben auch, dass das, was in der Bildzeitung steht, vernünftig recherchiert und mit journalistischer Sorgfalt aufbereitet wurde. Leute, die Blogs ernst nehmen, glauben auch, dass Illoyal solche triggernde, sexistische Kackscheiße ernst meinte (Titelfrage ist aus diesem… „Lied“). Leute, die Blogs ernstnehmen halten auch die ungewaschenen „Propheten“, die einem in Großstädten täglich den Weltuntergang prophezeien für vertrauenswürdig. Nein, ernsthaft: Blogger äußern Ihre Gedanken und Meinung. Niemand muss darauf hören. Das ist lediglich Dialog. Dialog, der gut sein kann, Dialog der einen ankotzt und nervt (wie oben erwähntes „Lied“), Dialog, der nichts bewirkt oder die Welt verändert. Es wird nie soweit kommen, dass wir ein Bonus-System erhalten, weil wir unsere Zeit dazu verschwenden, zu denken. Bloggen ist toll, ja, aber außerhalb der Blogosphäre sollte niemand auf uns hören, nur weil wir Blogger sind. Deswegen ist die ganze Diskussion in unserem Land auch ziemlich müßig. Niemand argumentiert, jeder versucht nur mit seinem Status und seinem Visitenkärtchen seine Ideen durchzusetzen. Niemand sollte auf die Blogosphäre hören, nur, weil es die Blogosphäre sei. Ebenso, wie kein Politiker auf das Gerede und Geschimpfe vom Stammtisch hören sollte (CSU, I’m looking at you!). Deshalb: Nein. Niemand muss mich hier ernst nehmen oder vor mir auf die Knie fallen. Jeder ist gleichberechtigt und alles, was irgendwo im Internet oder sonstwo gesagt, geschrieben oder gedacht wird kann man diskutieren, kritisieren und überdenken. Das hier übrigens auch.

Ich könnte dir Recht geben, aber dann längen wir beide falsch.

    Und jetzt zu Euch, liebe Datenmüll-Produzenten, die Ihr Euch „Blogger“ zu nennen wagt: Warum macht Ihr das? Haltet Ihr Euer nebensächliches Leben für so spannend, dass die Menschheit daran teilhaben sollte? Das Web? Ein Drittel der Menschheit, das sind für die Schnellrechner über zwei Milliarden Menschen, hat Zugriff auf das Internet. Ihr versteht, was Ihr mit Euren Blogs anrichtet? Also bitte, nehmt sie offline und überlasst denen das Feld, die wirklich was zu sagen haben. Das Internet soll ja nicht aussehen wie das Nachmittagsprogramm von Sat1.
    Christian Rentrop auf Netzwelt.de am 14.07.2005

Zunächst: Es ist nicht fair, einen 7 Jahre alten Text auszugraben.
Meine Tante hat die Bilder aufgehoben, die ich ihr als Kind schenkte. Es sind krakelige Buntstift-Schauerstücke, die bestenfalls Ressourcenverschwendung sind, schlechtestensfalls Beweis meiner mangelnden Malfähigkeiten. Auch heute bin ich nicht gut darin. Kritzele, wenn überhaupt. Ich bin auch kein besonders guter Schreiber, habe keine interessanten Themen, komme nicht schnell genug auf den Punkt. Ich produziere auch keine großartige Fernsehserie, schreibe kein Romane und ich bin auch – um ehrlich zu sein – kein guter Student.
Und?
Hier ist er, der Punkt: Schlecht ist völlig in Ordnung. Ein mieses Blog damit zu füllen, dass man von seinem Familienleben berichtet, ist ok (sofern die Familie das ok findet). Das Internet ist keine Stadt und selbst in der Kleinstadt gibt es Ecken mit dummen Schmierereien, schlechten Graffitis und kaputten Glasflaschen. Das gehört einfach dazu.
Bevor ich der beste Schwimmer der Welt werden kann, muss ich erstmal das Schwimmen lernen. Gleiches gilt fürs Schreiben, für jede verdammte Arbeit, für Handwerkstätigkeiten, fürs Putzen, fürs … ja, genau… fürs Bloggen. Ich weiß, dass das hier, was ich tagtäglich verzapfe zu 99 % großer Müll ist. Ich weiß das besser als Sie. Stört es mich? Nein. Ich mache weiter. Ich schreibe solange weiter, bis ich richtig gut darin bin – oder keine Lust mehr darauf habe.
Wer könnte mir das verübeln? Und, unabhängig davon: Wer entscheidet denn, wer wirklich was zu sagen hat? Wenn die Idioten aufhören, müssen sich die Schlauen nicht mehr anstrengen. Wie wäre also ein Internet, in dem es nur Sascha Lobos und Netzwelt.de gäbe? Nun. Es wäre scheiß langweilig. Nicht, weil wir tatsächlich die ganzen Kochblogs vermissen würden oder so einen Müll wie diesen hier, aber es würde dennoch etwas fehlen. Genauso, wie etwas fehlen würde, wenn die Parteien, die ich für unnötig halte, nicht mehr gewählt werden dürften. Oder wenn die Menschen, die ich nicht mag, nicht mehr vor die Tür dürften. Wer fordert – selbst nur aufs Internet bezogen und nur im übertragenen Sinn -, dass Leuten, die nichts wichtiges zu sagen haben, die Stimmbänder entfernt werden, der fordert ein Ende einer lebenswerten Gesellschaft und letztlich eine Oligarchie. Daneben sollte niemand sicher sein, dass ihm nicht auch der Mund verboten wird, wenn nur noch „das Beste“ zugelassen wird.

Warum blogge ich immer noch?

Bäm! Sieben Jahre, 2 Monate, 17 Tage, 12 Stunden und – lass mich kurz die Uhr checken – gut 30 Minuten blogge ich schon. Teilweise auf über 10 Blogs zeitgleich. Und trotzdem habe ich keine Ahnung, worum’s überhaupt geht.
Koljah, damals Teil der Anti Alles Aktion, rappt in „Du weiszt“ darüber, worum es geht:

Es geht doch immer um mehr als Musik zu machen
Es geht um Lieben und Hassen verschiedene Sachen
Um dies und das
Psychatrie und Knast
Spiel und Kampf
Genie und Wahn
Doch es geht auch darum n klaren Kopf zu bewahr’n
Und auch manchmal jemandem den Kopf einzuschlagen
(Egotronic: Du weiszt (feat. Koljah & Thai Phun) (Spotify).)

So dämlich das klingt, aber es geht um mehr als um das Bloggen. Es geht um Lieben und Hassen, und verschiedene Sachen. Es geht darum einen klaren Kopf zu bewahren. In letztgenanntem Sinne baue ich mir hier ein Gedächtnis auf. Eines, welches mich nicht täuscht. Ich selbst erzähle meinem zukünftigen Ich, wie ich war. Und weil es einen Einschnitt in meinem Leben geben soll, geben muss, deshalb blogge ich nun nicht mehr da, wo ich selbiges bisher tat, sondern hier. Glaube ich SMBC, dann ist das jetzt der richtige Zeitpunkt.

Glaube ich meinem halb leeren Zimmer im Elternhaus und fast vollständig eingerichteten Zimmer in der neuen WG, die allerdings eher noch eine Baustelle ist, dann ist das der verdammte richtige Zeitpunkt.
Glaube ich der verdammt großartigen letzten Fasnet und der nun folgenden (Einträge dazu folgen), glaube ich meiner Studienbescheidigung (Ich bin eingeschrieben für Skandinavistik), glaube ich meinem eigenen Gefühl, dann ist der der verfickt richtige Zeitpunkt.
Das meiste bleibt gleich. Es gibt dann aber auch wieder neues Zeug. Außerdem wollte ich zuerst wissen, ob ich mit WordPress und alledem klar komme. Die Antwort: Ja. Naja. Es gibt hier schon ein paar wirklich lesenswerte Einträge

Die Blogtheorie / Meine Zeilen und ich

unicat
Ich habe keine Lust mehr auf diese ständige Bloggerei. Wenn ich nochmal irgendwo ein verdammtes Reise-Blog von irgendeinem Mittvierziger lesen muss der sich selbst „Weltenbummler“ nennt (am besten noch mit Anführungszeichen) oder auch nur ein halbes Rezeptblog mit „supereinfachen“ Rezepten und Zutaten, die ich alle samt erst ergoogeln muss („Ah, das ist also eine Miami-Nuss?“), dann brennen hier aber Festplatten!
Es ist nicht so, dass mich Blogs an sich stören würden. Meins ist super. Mein wunderbares Blog könnte besser sein als all eure Möchtegern-Blogs zusammen. Nur, um es mit F.R. zu sagen: „[Ich bin ] [d]er technischversierteste Doubletimerapper des Landes, / ohne es in jedem Song zu zeigen, [denn] das ist anstrengend.“ (Spotify-Link). Es gibt auch noch ungefähr 150 andere ganz ertragbare bis teilweise sogar recht gute Blogs. Aber auch mindestens 2 Millionen WordPress-Wichsvorlagen, die einfach unerträglich sind. SEO-Scheiße, irgendwelcher Müll darüber, dass man ja so anders sei, weil man Werbung ablehnt und das Müsli morgens „bio“ ist oder weil man sich gerade so sehr weiterentwickelt.
Jetzt mal ehrlich, Leute. Das ist Unsinn.
90 % aller Einträge sind großer Mist. Nicht nur bei euch, auch bei mir. Jahre später steht man an einem Bahnsteig und plötzlich flammt ein Gedanke wieder auf, der in einem Blogeintrag entzündet wurde. Wer kann – außer den beknackten SEO-„Experten“ – ersthaft annehmen, er könne wissen, was in 5 Jahren von Bedeutung sein wird? Die Einträge, die ich am meisten verachtete, sind mir heute am wichtigsten. Die Devise muss also lauten: Machen.
Denkt nicht über Konsequenzen nach. Haltet euch keine Chancen offen. Macht einfach. Macht das, was ihr in dieser verdammten Sekunde gut findet. Schreibt einen Eintrag aus einem Atemzug heraus, und nicht aus stundenlanger Vorbereitung. Außerdem: Wenn ein tauber Beethoven einfach weiterkomponiert, als ob alles ruhig wäre, dann könnt ihr auch mit eurer Pseudo-Zukuftsangst einfach drauf losbloggen. Los! Macht euch keine Sorgen, weil ihr morgen etwas geschrieben haben könntet. Macht euch eher Sorgen, weil ihr aus Nicht-Gründen die Chance auf einen guten Song, einen guten Text oder einen tollen Kommentar versäumt habt. („Oh, ja, ich seh den Zaunpfahl.“) Oder um es mit xkcd zu sagen:
dreams: fuck. that. shit.
xkcd: Dreams

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Oder um es mit MoTrip zu sagen:
Äh, und was ist wenn…? (Egal, wenn sie die Wahrheit nicht verkraften
Deine Stimme wird auf Beats gelegt, und der Trip des Jahres ist im Kasten)
Und die Triptheorie? (Befolge diese ohne Widerworte
Geb‘ sie allen weiter, so wie sie dir überliefert wurde)
Meinst du echt? (Ja man, schau dir mal die Charts an
Deutscher Rap hat lang auf einem Baum gelebt wie Tarzan)
Und ich soll das ändern? (Nein, du bist schon dabei
Lass paar Tausender springen, Mann, was ist schon dabei?)
Ich wollte alles hier verein‘ (Doch dein Album wird die Szene spalten
Neues feiern und Vergangenes in Ehren halten
Du wirst all den anderen den Weg bereiten
Auch wenn man im Labyrinth begraben wird
Der Name wird für ewig bleiben – Trip)
Darf ich vorstellen: Das sind meine Rhymes und ich
Ich komm aus dem Libanon, wo die herkommen, das weiß ich nicht
(Wir begleiten dich bis zum Release und schreien Mo-mo-mo
Schreib die Triptheorie)
Die Triptheorie, deine Stimme plus die Technik
Mal die Flows geteilt durch Skills ist gleich der Inbegriff von Freshness
(Nimmst du das noch minus Wackness, minus Fake, minus Shit
Minus Hate – ergibt Trip)
– MoTrip: Triptheorie / Meine Rhymes & Ich (vgl. Rapgenius)


Übrigens finde ich die „Unicat“ so großartig, dass ich sie wohl als Logo verwenden werde.