Word of advice? Don't give her money back.

100_0350 Diesen Sommer stelle ich kurze Serien vor. Jeden Freitag um Zwölf. Warum steht hier. Heute: Wonderfalls.

Bevor ich von dieser Serie anfange zu schwärmen, hier die drei großen Mankos von Wonderfalls: 1. Bereits nach einer Staffel abgesetzt. 2. Der bezaubernde Lee Pace kommt trotz Hauptrolle viel zu wenig darin vor. 3. Es gibt keine deutsche Synchronisation, weshalb ich es nur mit ungefähr einem drittel der Leute teilen kann, denen ich diese Serie gerne aufdrängen würde.
Zumindest für letzteres Problem gibt es Lösungsansätze. So kann man mit einem handelsüblichen SRT-Player/Viewer nutzergenerierte Untertitel abspielen, wie man sie zum Beispiel in Foren findet. (Verwendung auf eigene Gefahr.) Auch das „Viel zu wenig Lee Pace“-Problem lässt sich durch mehrfaches Ansehen lösen. Bleibt die Absetzung nach einer Staffel: Als weitgehend abgeschlossene Geschichte macht Wonderfalls keine sonderlichen schlimmen Trennungsschmerzen. Man wird elegant aus der Staffel – und der Serie – geleitet und hat an keiner Stelle das Gefühl, hier um mehr betrogen worden zu sein, als eine weitere tolle Staffel.
Niagara Falls
(Foto: Prayitno CC:BY)
Wonderfalls ist eine Serie von Bryan Fuller (duh!) und Todd Holland (der hat z.B. Malcom mittendrin gemacht) und dreht sich um Jaye Tyler, eine klassische Underachiever-in (Wikipedia schlägt hier „Minderleisterin“ vor. Mir kräuseln sich die Zehennägel wie Curly-Fries (Kringel-Pommes).), die zwar aus gutem Hause kommt, Philosophie studierte, die aber nun – inklusive Trailerpark-Dasein – in einem Andenkenladen am Niagara-Fall arbeitet. („Did you end up over-educated and unemployable like you said in the yearbook?“ – „Yep.“) Eines Tages wird ihr Kollege – der „Mouth breather“ – befördert und ein Wachslöwe mit deformierter Mähne aus einem Automaten richtet ein Wort an sie. Sie hat einen Nervenzusammenbruch. Doch die Tierfiguren – zu denen sich nun auch ein Affe aus dem Büro des Psychologen und Kuscheltiere gesellen -, hören nicht auf mit ihr zu reden. Mit kryptischen Aufforderungen soll Jaye das Leben ihrer Mitmenschen zum besseren wenden. Wie und warum? „Because … you listen.“. Natürlich ist sie mit ihrem Schicksal alles andere als glücklich, hadert mit sich selbst und den verrückten Ereignissen um sie herum und ja, verdammt, dass Bryan Fuller und Todd Holland ihre Finger im Spiel hatten lässt sich wirklich nicht verleugnen.
Wonderfalls ist dabei gerade einmal 13 Episoden stark und der US-Fernsehsender FOX strahlte davon nur 5 aus. Den Rest gibts auf DVD – nach ewigen Fan-Protesten – und in einschlägigen Quellen im Internet. Die Folgen sind 42 Minuten lang, wirken aber deutlich kurzweiliger.
Natürlich gibt es auch eine Rahmenhandlung mit feschem Jungen, Problemüberladener Lovestory, netter Freundin, verrückter Familie – darunter auch wie erwähnt Lee Pace als Aaron Tyler, einem Daheim wohnenden atheistischen Theologie-Studierten („I was fine when existence had no meaning. Meaninglessness in a universe that has no meaning — that I get. But meaninglessness in a universe that has meaning… what does it mean?„) – und jede Menge sehr schön gezeichnete Einmal-Charaktere.
Ich hab mir die ganze Serie innerhalb von zwei Tagen reingezogen – und sie dann direkt nochmal geschaut. Das Spiel mit halben Informationen und Uneindeutigenkeiten – und den daraus resultierenden Schwierigkeiten (Vogelfigur im Käfig: Let him go!) – machen riesigen Spaß und zu allem Überfluss sind auch die redenden Tierfiguren weitgehend gut animiert. Für eine Serie von 2004 eine wirklich sehr ordentliche Leistung.
Und überhaupt. Ansehen. Ich kann die Serie hier gar nicht hoch genug loben. Schau sie dir an. Los jetzt. Keine Wiederrede. (Your welcome.)

Push it back!

Mein Seriengeschmack ist ebenso schlecht wie unerbittlich. Was mir gefällt kann ich rational nicht erklären, ich fühle es einfach tief drin, dass gerade etwas gutes passiert. Zum richtigen Zeitpunkt verbringe ich auch mal eine ganze (Studien-!) Woche damit, Breaking Bad zu schauen (jaja, schnarch).
Dabei gehöre ich zur nervigsten Sorte der Serienschauer, die felsenfest behaupten, Früher™ sei alles besser gewesen und dann uralte Serien ausgraben und die Leute beim ersten Sichten so tief anstarren, dass sie dabei eine Bleischürze tragen sollten, um strahlungsbedingte Folgeerscheinungen zu vermeiden. Ich drifte ab.

Eine dieser Serie, die ich nun schon seit der deutschen Erstausstrahlung einem heiligen Gral gleich vor mir her trage, ist Pushing Daisies. Eine Serie, so zuckersüß und lecker, wie ein perfekt gebackener Kuchen. Die perfekte Mischung aus Herz-Schmerz, Krimi und Irrsinn. Eine an den Haaren soweit hergezogene Geschichte, so perfekt vorgetragen und inszeniert, dass ich immer noch Tränchen weg drücken muss bei der ein oder anderen Szene.
Als ABC die Serie damals einstellte hieß es, es würde einen Comic geben. Das Ende war zwar gut, aber jeder Serienfan kennt das schreckliche Gefühl, aus der Serienwelt in die eigene Zurückkehren zu müssen, weil man noch auf die nächste Folge warten muss. Dieses kleine Sterben, ohne die Aussicht auf Wiedergeburt in der nächsten Woche, ist vermutlich die schlimmste Folter, die verwöhnte Westeuropäer – die wie ich kaum auf Demos gehen – ertragen müssen.

Die Geschichte kann darf nicht aufhören.

„Watching television shows doesn’t create psycho killers
– canceling TV shows does!“
(Scary Movie)

Deshalb twittern Leute noch heute Kurzplots für Seinfeld-Folgen. Deshalb gibt es Millionen von Fan-Foren, von Star-Trek-Conventions und tonnenweise (ein Kritiker würde „mülltonnenweise“ sagen) Fanfiction. Und wo Leute – endlos – auf etwas warten, da brodelt die Gerüchteküche.
Pushing Daisies sollte in Comic-Form vollendet werden. So hieß es damals™. Daraus wurde… nichts*. Bryan Fuller, der Macher der Serie, deutete dann irgendwann auch ein Musical an, und sinnierte über die Möglichkeit der Verfilmung oder einer Mini-Serie. (Mehr bei Wikipedia)


Nun, da Veronica Mars mit Kickstarter (hoffentlich) zu einer Verfilmung durchstartete, ist auch Pushing Daisies wieder im Raum. Als hätte das Internet die magischen Finger des Kuchenbäckers. Wen wir für das Revival sterben lassen? Darauf haben wir keinen Einfluss. Zufall. Aber wenn: Wie wäre 2 Broke Girls oder nach der gefühlt zweimillardensten Staffel Grey’s Anatomy? Two and a half men würde von der Absetzung sogar profitieren. Sowie alle Fernsehbesitzer und alle, die Menschen kennen, die einen Fernseher besitzen. Daneben finden sich sicher noch andere Serien. Wenn es sein müsste, gäbe ich auch den Tatort her.
Jedenfalls. Der kleine Schimmer am Horizont, der Hoffnungen macht, die vermutlich eh nur wieder enttäuscht werden, der ist gerade™ da.
*Es gab sehr wohl ein paar Seiten aus den geplanten Comics zu sehen. Dieses bezaubernde Tumblr sammelte diese Comic-Seiten nicht nur – HIER -, es drückt auch ziemlich genau aus, wie ich mich nun fühle. Bei Buzzfeed gibts außerdem ne nette Sammlung mit Bildern/Gifs aus der Serie anlässlich des – Achtung, Schenkelklopfer! – Pi-Days neulich.