"Cool. Eine heiße Quelle."

Nachdem ich gestern einen Biersee hatte, ging es heute mit der Bewässerung direkt weiter.
Eigentlich wollte ich gerade gehen, da höre ich einen Schlag und ein lautes Plätschern. Das Ventil des Heizkörpers und der Stift liegt auf dem Boden, der sich mit heißen Wasser aus der Heizung füllt. Ich hole einen Eimer, der viel zu schnell voll wird und natürlich habe ich keinen zweiten Eimer und das nächste Waschbecken, in das ich das Wasser schütten kann ist – genau! – am anderen Ende der Wohnung. Shitshitshit! Ich renne nach oben, wähle die Nummer des Heizungsnotdienstes, die dort an der Pinnwand hängt. Raten Sie mal, welcher Handwerke heute sein Handy ausgeschaltet hat? Genau. Ich leere den Eimer, verbrühe mich an dem Mistwasser und rufe panisch meine Mutter an – weil ich die Nummer meines Vermieters nicht zur Hand habe -, diese ruft ihn dann an und nach einer Stunde in meiner eigenen, kleinen Sauna mit heißer Quelle taucht dieser mit Werkzeug auf.
Im Small-Talk, welchen ich mit seiner Frau / meiner Tante, die er mitgebracht hat, halte, erfahre ich dann auch, dass die Miete wohl deutlich höher sein wird, als ich das bisher erwartet habe. Vor lauter Schock schaffe ich mir nicht einmal, die Zahl zu merken. Toll. Mal sehen, ob ich mir die dann überhaupt leisten können werde…
Boah. Keine Woche in dieser Wohnung und schon… komplett mit den Nerven am Ende.
Bin sehr gespannt, was morgen passiert.

Der Tag des Bier-Sees / Wie man sich so richtig vor Handwerkern blamiert


Was die Frage des peinlichsten Auftritts vor einem Handwerker angeht, so habe ich heute gewonnen. Haushoch. Hier wie immer die ganze Geschichte.
Die Heizung in meinem Zimmer funktioniert nicht, wie sie sollte. Deshalb war mein Morgen schon alles andere als toll. Um sieben klingelte der Wecker, ich verpasste den Bus und als ich dann gegen 9 Uhr früh in meinem Elternhaus eintraf, um meinem Bruder bei der Arbeit zu helfen – wie abgesprochen – sagte er mir nur, ich hätte gar nicht kommen müssen. Also ging ich hoch in mein altes Kinderzimmer und kämpfte mit den Staubmäusen, räumte die Bücher meiner Mutter ins Regal und schrieb „Lesezimmer?“ an die Tür.
Ich lud noch ein paar Kleinigkeiten in meinen Rucksack (ein Foto des Elternhaus meiner Tübinger Großmutter, ein alter Topf, ein paar Fertiggerichte, ein Verlängerungskabel…) und fuhr dann wieder heim. Zug, Bus, ein paar Meter laufen, Haustüre stehen offen, ich falle beinahe die Treppe herunter, öffne die Wohnungtür und hab direkt einen Shining-Moment. Im – wirklich sehr langen – Flur steht ein fremder Mann mit Werkzeug und erklärt mir, er sei Handwerker und habe den Schlüssel von meinem Vermieter Herr B.
Ich gebe mich betont freundlich und er erklärt mir, er hätte den Zählerkasten im Flur angebracht und Internet und Kühlschrank wären zwar kurz vom Netz gewesen, sollten nun aber wieder funktionieren. Ich sehe nach. Handy hat W-Lan, wunderbar. Die Bierkisten, auf denen der Router stand, sind nun auch abgelöst. Küche. Licht geht. Alles toll. Kühlschrank auf.
Bäääm!
Mit großen Klirren landet das Getränkefach in der Tür auf dem Boden. Vier Biere – große Glasflaschen mit Henkelverschluss, ein Einzugsgeschenk – landen auf dem Boden. Sofort gibt es einen kleinen, sich verteilenden See aus stark riechendem Bier und Scherben. Ich schnappe mir einen Lappen. Suche verzweifelt lange nach einem Eimer und beginne, die Sauerei aufzuwischen.
In meiner freundlichen Rolle des Mieters frage ich den Elektriker, der noch immer im Flur werkelt und alles mit angehört und gesehen hat, ob er auch solle Tage kenne, an denen man besser im Bett geblieben wäre. Er pflichtet mir bei, meint es seie halt Montag und arbeitet weiter. Wäre der Boden nicht gefliest gewesen, ich wäre darin versunken.
Ich fülle einen ganzen – kleinen – Eimer mit dem Bier vom Boden und den Scherben, dann noch einen, wische danach nochmals nass durch und schäme mich. Weil ich teure Nahrungsmittel kaputt gemacht habe, weil ich dies vor dem Elektriker tat und weil dieser offenbar seit langen Jahren sehr gut mit meinem Vermieter-Schrägstrich-Onkel zusammenarbeitet.
Hmpf. Mein dritter Tag in dieser Wohnung und schon stinkt hier alles, als wäre es eine Brauerei. Der Handwerker packt zusammen, wir reden noch kurz über die Wohnungsnot unter Studierenden und dann verabschiedet er sich sehr freundlich, ich wünsche ihm einen schönen Tag. Dann schnappe ich mir ein Anti-Geruchsspray, warte bis er gefahren ist, öffne alle Fenster und hoffe einfach auf das Beste.
Keine Woche in der neuen Wohnung und schon Hopfen, Malz und Würde verloren.
Scheiß Montag.