Bildung muss holistisch sein. Sonst könnten wir auch Lexikons großziehen.

Gestern kaute ich aus Gründen meinem Bruder ein Ohr ab (Metaphorisch).
Es ging irgendwie um das Gespräch die drei Halbsätze mit meinem Vater. (Siehe gestern in ihrem Lieblingsblog) Ich verteidigte ihm gegenüber meine Ansichten, was Bildung ausmache. Damit ich das nicht völlig vergesse und mir in spätestens drei Wochen an den Kopf greifen kann „Was hab ich den da für einen Mist geglaubt“ schreib ich das hier einfach mal auf. In Thesen.

  1. Bildung ist nicht das Auswendiglernen von Fakten. Eine gebildete Person muss nicht zwangsläufig wissen, wie lange der längste Fluss dieser Erde ist oder was der schwedische Wort für Souterrain ist.
  2. Bildung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie mehr ist als die Summe ihrer Teile. Eine „holistische“ Bildung würde demnach dazu befähigen, Zusammenhänge zu erkennen, diese zu durchdenken und zu durchschauen und fähig zu sein selbst aktiv eingreifen zu können.
  3. Bildung ist keine Vorraussetzung für Arbeitsplätze, sondern eher hinderlich. Bildung führt zu guten Wissenschaftlern, im Idealfall wohlgeratenen Gesellschaftsmitgliedern oder mustergültigen Demokraten. Sie ist aber nicht hilfreich, um sich einer Arbeitshierarchie unterzuordnen oder mit einem niedrigen Lohn zufrieden zu sein.
  4. Allgemeinbildung ist demnach (da holistisch zu verstehen) nicht eine Sammlung aus Allgemeinwissen (längster Fluss, Hauptstadt, amtierende Politiker, wie addiert man Zahlen, wie berechnet man die Mehrwertsteuer, usw.), sondern eine Art Grundschatz an Denkvermögen und erlernten Zusammenhängen, die als gemeinsamer Minimalplatz notwendig ist, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Allgemeinbildung ist mehr als die Summe seiner Teile.
  5. Allein Bildung wird uns als Gemeinschaft voranbringen können. Für den einzelnen gesehen ist Bildung jedoch eher hinderlich. (Halbwissensbeispiel: Der sehr gebildete Isaac Newton starb als als Jungfrau.)
  6. Im Wissen, in logischem Denken und auch in der Ausübung von „körperlicher“ Arbeit sind uns Maschinen weit überlegen beziehungsweise werden uns bald weit überlegen sein. Bildung jedoch ist etwas, was eine Maschine nur sehr begrenzt erreichen könnte. Gerade aus diesem Grund ist sie von so entscheidender Wichtigkeit.

Bewusst habe ich mir keine Mühe gegeben, diese Punkte auszuarbeiten, um in diesem Stadium des Grobentwurfs noch Freiräume zu lassen, um zu denken und auch zu kritisieren. Die Nummerierung dient der einfacheren Übersicht.

Ich versage, du versagst, wir versagen. (Essayversuch ohne Grundlage eines Dossiers)

(Deutsch. Es gibt zwar kein Dossier zum Thema, und ich hab auch so wichtige Sachen wie die Freeters in Japan vergessen… aber… hmmm…)
faulit-thinkinh
Man sieht es ihren Gesichtern an. Verbittert, enttäuscht, verschwitzt verlassen sie den Rasen, auf dem sie Geschichte hätten schreiben können. Kein Weltmeistertitel, kein „’54, ’74, ’90, 2010“, wieder nur kleines Finale. „Es sollte einfach nicht sein.“ behaupten Moderatoren und würdigen das hohe Spieltalent der deutschen Nationalmannschaft von 2010. Trotzdem hat es nicht gereicht. Trotzdem haben sie versagt, sind traurig, der Motivationssprüche überdrüssig.
Versagen, verlieren, Letzter werden. Ist es nicht ein essenzieller Bestandteil eines jeden Wettbewerbs, dass alle – bis auf einen – verlieren, dass alle – außer der Gewinner – nicht auf dem ersten Platz stehen? Hübsche Frauen und Jubel für einen, alle anderen werden ausgebuht. Muss man nicht auch kleine Erfolge feiern, wenn man nicht auf dem Siegertreppchen stehen kann? Anderenfalls, weil das Leben ein einziger Wettkampf sei, gäbe es – bis auf einen – nur Versager auf dieser Erde. 6,93 Milliarden Versager und nur ein Gewinner. Also, eine Chance 1 zu 6,93 Milliarden, dass Sie ein Verlierer sind. Das ist nicht besonders motivierend. Deshalb schauen wir nur nach links und rechts, schauen nach oben und unten, vergleichen uns nur mit denen aus unserer Gruppe. Und wir feiern auch die kleinen Siege.
Der größte Erfolg des österreichischen Fußballs zum Beispiel fand in der argentinischen Stadt „Cordoba“ statt, Mitte der Siebziger Jahre, als die rot-weiß-rote Nationalmannschaft gegen Deutschland siegte – und sie aus der Weltmeisterschaft schmiß. Dass Österreich selbst auch nicht über die Vorrunde kam, ist unwichtig. Der große Sieg ist nur das Versagen des Anderen.
Was ist eigentlich so schlimm am Versagen? Ein berühmter Softwareentwickler sagte einmal: Wenn man nicht in 9 von 10 Fällen versagt hat man nicht ausreichend große Ziele. Trotzdem gelten in unserer Gesellschaft Versager als etwas negatives. Arbeitslose, Schulabbrecher, Sitzenbleiber seien schlecht, seien gar gefährlich für unser Land. „Wer nichts taugt, tauge immer noch als schlechtes Beispiel“, ehrte Erich Kästner einmal die Dauerverlierer. Aber, halt, kann man überhaupt dauerhaft verlieren? Und, bemisst sich der Wert eines Menschen wirklich nach Schulbildung, nach Arbeitsstelle und Einkommen?
Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte, ebenso wie unser Grundgesetz und die Verfassung der meisten Demokratien geben dem Menschen eine unantastbare Würde. Ist also Josef Ackermann genauso viel wert wie Werner Klopsteck, der Hartz-IV-Empfänger und Alkoholiker in 3. Generation? Bin ich immer noch ein Mensch, wenn ich das Abitur nicht schaffe?
Tatsächlich verneinen kann man in einer Demokratie diese Fragen nicht. Aber, bejahen ginge auch an der gesellschaftlichen Realität vorbei. Man muss vielleicht den Faktor Zeit miteinrechnen. Ein Versager bin ich für den Moment, in dem ich versage, und für den, in dem der Gewinner gekührt wird. Danach bin ich wieder bereit für den nächsten Wettkampf. Bin bereit, wieder zu versagen.
Das einzige, was ich – und alle scheinbare „Dauerversager“ unserer Gesellschaft – dazu brauchen, ist immer wieder eine Möglichkeit, eine Chance, ein neues Antreten im Wettkampf. Abitur wiederholen, die nächste Weltmeisterschaft, das nächste Jobangebot. Denn, eins ist klar: Am Ende erinnert sich niemand, dass Österreich das Achtelfinale nicht einmal erreichte, jeder spricht nur davon, wie sie Deutschland besiegten. Versagen ist nicht so schlimm, wie wir manchmal denken. Hauptsache, wir verlieren nicht die Hoffnung.
Denn: Sie glauben immer noch an Cordoba.

Gegen den Strom schwimmen?

(Ein Essayversuch als Hausaufgabe. Thema im Titel.)
Wenn meine Eltern mir Selbstvertrauen und Durchsetzungsfähigkeit beibringen wollten, dann hatten sie wohl eher wenig Erfolg. Umfragen sagen, Selbstvertrauen sei eines der wichtigsten Fähigkeiten, die sich Eltern von ihren Kindern wünschen. Nehmen wir die Metapher vom „Gegen den Strom schwimmen“ wörtlich, so hätte ich auch da schlechte Chancen – als Nichtschwimmer.
Doch, was bedeutet überhaupt „gegen den Strom schwimmen“? Ist das was Gutes?
Der Strom, um den es geht, hört man deutlich im englischen Wort „Mainstream“, also der Hauptströmung der Kultur, des öffentlichen und privaten Lebens, der Gesellschaft – kurz: allem -, gegen die vor allem Jugendliche und Idealisten ankämpfen und „dagegen schwimmen“. Am Anfang steht ein einfaches „Nein“, ein, wie Albert Camus schrieb „bis hier hin und nicht weiter“. Denn, bleiben wir im Bild des Flusses, so kann man erst gegen eine Strömung anschwimmen, wenn man sich zumindest ein wenig von der Quelle flussabwärts treiben ließ.
So beschreibt es auch Ursula Nuber in Psychologie Heute. Um zu erkennen, wer wir sind, müssten wir erstmal den falschen Weg weitergehen, müssten erstmal irgendwo hin, damit wir wissen, dass wir wo anders sein wollen. Aus dem sich-Autoritäten-unterwerfen der Kindertage werde ein sich-auflehnen der Adoleszenzjahre. Ohne die anfängliche Unterwerfung kann nie ein Widerstand gegen diese entstehen.
Um das Thema vollständig beleuchten zu können, sind vor allem drei Aspekte wichtig: 1. Die Innensicht. 2. Die Außensicht. 3. Die gesellschaftliche und geschichtliche Weiterentwicklung.
„Gegen den Strom“-Schwimmer werden aus der Gesellschaft allzu oft ausgeschlossen und gedemütigt. Wer anders ist – oder wer nicht-anders ist – wird oft benachteiligt und muss deshalb einen harten Kern und viel Überzeugung besitzen, um nicht den einfachen Weg mitzuschwimmen zu wählen.
Aus Sicht von Außen sind System-Gegner und Anders-Macher eine große Gefahr. Man ist sofort an Terroristen erinnert, die uns ins Mittelalter zurück bomben wollen, oder an Studentenproteste, die den Rentnern ihre Renten und den Banken ihre Rettung streitig machen wollen. Wer sich nicht anpasst, wer dagegen ist, wird heutzutage gerne als Störer, als Reformbremser, Wutbürger oder gar Staatsfeind gewertet.
Dennoch sind „Gegen den Strom“-Schwimmer für unsere Gesellschaft, für Kultur, Wissenschaft und Geschichte so wichtig wie der Cliffhanger am Ende eines Fortsetzungsromans. Denn, wenn Ideen gut sind, dann kann man sie nicht töten. Galileo Galilei beispielsweise wurde zwar für seine Ansichten verfolgt, am Ende setzen sie sich dann aber doch durch. Ähnlich verhält es sich mit den Geschwistern Scholl im Dritten Reich. Die Verwirklichung der Idee vom Ende der Nazi-Diktatur wurde von ihnen selbst nicht mehr erlebt, aber wären sie – wie viele andere – nicht gegen den brauen Sumpf angeschwommen, Deutschland wäre wohl heute noch eine Diktatur.
Damit sich ein Strom ändern kann, braucht es Mutige, die voran gehen, Mutige, die gegen die Flussrichtung schwimmen, die die Störmung am Ende vielleicht umkehren – und dafür allzu oft ihr Leben lassen.
Letztlich ist es nämlich so: Als Gesellschaft brauchen wir Andersdenkende, hassen aber auch niemand mehr als sie.
Gegen den Strom schwimmen ist also gut?
Nein. Aber auch ein bisschen ja. Oder Ja, mit einer Priese Nein. Für die „Gegen den Strom“-Schwimmer persönlich sind die Konsequenzen aus ihrem Nicht-Angepassten Handeln eher unangenehm. Wer Richtung Quelle schwimmt, und nicht als Jubelperser seinem Unterdrücker zulächelt, der hat zu oft mit insbesondere eher unfreundlichen Diktatoren Probleme. Erich Honeckers berühmtes Zitat „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ bedeutet eben auch: Wer gegen den Strom schwimmen will, dem entziehen wir das Wasser.
Eine demokratische Lösung – also eine für alle – ist „Dagegen sein“ längst nicht. Wenn zu viele „Gegen den Storm schwimmen“, erhalten wir ein Bild wie an den Zuflüssen der Bay of Fundy zur Flut. Aufgrund der hohen Tidekräfte dort dreht sich nämlich die Flussrichtung einiger Flüsse um. Wer dort weiterhin „Dagegen schwimmen“ will, muss also seine Richtung wechseln. Viermal täglich.
Es ist ein „Nicht ohne, aber auch nicht mit“ mit den „Gegen den Strom“-Schwimmer. Wir können auf ihre Veränderungsvorschläge nicht verzichten, ebenso wenig wie auf ihre Katalysatorwirkung bezüglich öffentlichen Diskussionen. Ohne das andere, erkennen wir nicht das eine. Oder den, der sich müht und kämpft und schwimmt, würden wir vielleicht nicht einmal bemerken, dass wir uns selbst im Fluss befinden.
Auf diese Weise gewinnt man selbst der altbackenen Ideen unserer Eltern noch etwas positives ab: Ihre blöden Sprüche zeigt uns, wie weit wir ihnen schon voraus sind. Denn es stimmt eben auch, was Jonathan Ive, Senior Vice President bei Apple, sinngemäß einmal sagte:
Es ist sehr leicht, anders zu sein, aber sehr kompliziert, besser zu sein.