Heute kündige ich Malte die Freundschaft.

malte
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Ich stehe unter der Dusche, wasche mir die Haare. Mein Handy klingelt. Kalenderalarm. Im kleinen Fenster blinkt eine Erinnerung auf: 9:14 – Malte kündigen. Ich drücke die „Später“-Taste. Das wollte ich schon ewig machen. Malte kündigen. Ewig schiebe ich es vor mir her. Schon beinahe, seit wir uns kennen. Er nannte mich „Held“ bei unserer ersten Begegnung, aber eigentlich war er nur auf meine Bankverbindung scharf. Ich weiß, er will Gutes tun und braucht dabei meine Hilfe, aber ich halte das einfach nicht mehr aus. Ständig schickt er mir Post. Bettelbriefe. Das Geld reiche noch nicht. Er brauche mehr, als Dauerauftrag versteht sich, aber ich solle sehen, wieviel Gutes schon mit meiner Hilfe erreicht werde und wie viel noch möglich sei. Inzwischen öffne ich die Briefe nichtmal mehr.
Eigentlich war ich überzeugt von ihn und seiner Arbeit. Ich glaube, er will nur Gutes tun und er braucht dabei Hilfe. Meine, deine, ihre, von uns allen. Aber dank dem Vorfall damals mag ich ihm nicht mehr vertrauen. Er holte sich damals – wie wir es vereinbart hatten – 60 Euro von mir. Er buchte sie von meinem Bankkonto ab. Das Problem war, dass ich damals keine 60 Euro hatte. Er buchte sie trotzdem ab. Eigentlich müsste ich sauer auf meine Bank sein, die das ja zugelassen hat, aber inzwischen bin ich von ihr so maßlos enttäuscht, dass ich mich damit abgefunden habe, dass sie mich in Schulden treibt, die ich nie wollte. Das Bauernopfer ist Malte. Ihn verlasse ich, weil er mir mehr genommen hat, damals, als ich hatte.
Ich habe Schuldgefühle. Ich hasse es, Freundschaften zu beenden. Vor allem so. Formular ausfüllen, Einschreiben verschicken. Das ist so bürokratisch. Hätten wir uns nicht einfach aus den Augen verlieren können? Nein. Er ist ein Pflaster auf meiner Weltschuld, und er kann nur mit Gewalt entfernt werden.
Es tut mir leid, Malte.
(Anm. Dieser Eintrag wurde vergangenen Mittwoch (Vierter August) handschriftlich verfasst. Auf meine Kündigung meiner Mitgliedschaft bei den Maltesern erfolgte bisher keine Reaktion.)
(Inzwischen (Mitte August) kam eine Antwort, in der sie sehr bedauern aber mir danken. Vielleicht könne ich ja einen kleineren Betrag von meinem Konto abbuchen lassen)

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