"Papi, was ist ein Schlitten?"

In der Nähe einer Wallfahrtskirche nicht unweit unserer Schule gab es diesen Hügel. In einem Winter saß ich zusammen mit ein zwei Schulkameraden auf einem Schlitten. Wir wählten den steilsten Abhang aus, der uns noch befahrbar erschien und landeten am Ende in einem schneebedeckten, umgepflügten Acker. Ich muss dazu sagen, dass meine beiden Kammeraden damals etwas mehr Gewicht auf den Schlitten brachten. Wir sausten den Hang hinunter, fuhren bis weit in den Acker hinein und freuten uns unseres jungen Lebens.
Ich weiß noch, dass es manche Wochen gab, in denen die ganze Zeit über genug Schnee lag, um Schlitten zu fahren. Oft auch mehrere Wochen hintereinander. Manchmal schafften wir es gar, unsere Lehrer davon zu überzeugen, dass dies ein passender Ausflug wäre.

Schnee
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich nicht mehr weiß, wo unser Holzschlitten steht oder daran, dass ich seit damals deutlich gewachsen bin, jedoch erscheinen mir diese Erinnerungen so weit entfernt, als wäre sie aus einem völlig anderen Leben. Schnee war in den letzten Jahren meines Lebens nur als Matsch oder Momenthafte ruhige Decke in Erscheinung getreten. Zum Schlittenfahren reichte es aber schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Zumindest, nicht so wie in meinen Kindertagen.
Wo ist der Schnee hin? Wo sind die ruhigen Wintertage? Erscheint es mir nur im hektischen Alltag anders, oder sind die Zeiten tatsächlich vorbei, als noch genug Schnee lag, um auf Alditüten den Hang hinunter zu rutschen?
Im Fernsehen berichten sie von Skigebieten, in denen kein Schnee mehr fällt. Angenommen, es ginge so weiter: Dürfte die nächste Generation das ruhig-aufregende Schneetreiben nur noch in einer sterilen, kommerzialisierten Form mit Skiliften und Schneekanonen erleben? Das wäre schade. Dann wäre nicht der Blick aus dem Fenster – „Es hat geschneit!!“ – der Freudenschwung im Kinderherz, sondern der Blick auf den im Kalender nahenden Urlaub, der in eines der überteuerten Schneekanonier-Gebiete führt der Grund zur Freude.
kinderbart
Ich will nicht behaupten, dass meine Kindheit das Stereotyp einer Kindheit ist und ein kleiner Mensch nur Großwerden kann, wenn er bestimmte Punkte auf einer Liste abgehackt hat – auf Baum geklettert, runtergefallen, Arm gebrochen, alle auf Gips unterschreiben lassen (Ich bin ein Kleinstadtkind. Bäume zum Klettern gabs bei uns nicht). -, aber ich fand die Winterzeit gut und kann es nur jedem empfehlen.
Als mein Vater nicht mein Vater, sonder selbst Kind war, war der Fluss durch meine Heimatstadt im Winter manchmal zugefroren. So dick, dass man ohne große Angst darauf spielen konnte. Als mein Großvater noch Kind war, hatte der Neckar fast jeden Winter eine dicke Eisschicht. Ich kann mir das gar nicht mehr vorstellen.

Aber, vielleicht ist das ja normal.
Erinnert sich noch jemand – Du? – an die Winter seiner Kindheit?