Ich könnte dir Recht geben, aber dann längen wir beide falsch.

    Und jetzt zu Euch, liebe Datenmüll-Produzenten, die Ihr Euch „Blogger“ zu nennen wagt: Warum macht Ihr das? Haltet Ihr Euer nebensächliches Leben für so spannend, dass die Menschheit daran teilhaben sollte? Das Web? Ein Drittel der Menschheit, das sind für die Schnellrechner über zwei Milliarden Menschen, hat Zugriff auf das Internet. Ihr versteht, was Ihr mit Euren Blogs anrichtet? Also bitte, nehmt sie offline und überlasst denen das Feld, die wirklich was zu sagen haben. Das Internet soll ja nicht aussehen wie das Nachmittagsprogramm von Sat1.
    Christian Rentrop auf Netzwelt.de am 14.07.2005

Zunächst: Es ist nicht fair, einen 7 Jahre alten Text auszugraben.
Meine Tante hat die Bilder aufgehoben, die ich ihr als Kind schenkte. Es sind krakelige Buntstift-Schauerstücke, die bestenfalls Ressourcenverschwendung sind, schlechtestensfalls Beweis meiner mangelnden Malfähigkeiten. Auch heute bin ich nicht gut darin. Kritzele, wenn überhaupt. Ich bin auch kein besonders guter Schreiber, habe keine interessanten Themen, komme nicht schnell genug auf den Punkt. Ich produziere auch keine großartige Fernsehserie, schreibe kein Romane und ich bin auch – um ehrlich zu sein – kein guter Student.
Und?
Hier ist er, der Punkt: Schlecht ist völlig in Ordnung. Ein mieses Blog damit zu füllen, dass man von seinem Familienleben berichtet, ist ok (sofern die Familie das ok findet). Das Internet ist keine Stadt und selbst in der Kleinstadt gibt es Ecken mit dummen Schmierereien, schlechten Graffitis und kaputten Glasflaschen. Das gehört einfach dazu.
Bevor ich der beste Schwimmer der Welt werden kann, muss ich erstmal das Schwimmen lernen. Gleiches gilt fürs Schreiben, für jede verdammte Arbeit, für Handwerkstätigkeiten, fürs Putzen, fürs … ja, genau… fürs Bloggen. Ich weiß, dass das hier, was ich tagtäglich verzapfe zu 99 % großer Müll ist. Ich weiß das besser als Sie. Stört es mich? Nein. Ich mache weiter. Ich schreibe solange weiter, bis ich richtig gut darin bin – oder keine Lust mehr darauf habe.
Wer könnte mir das verübeln? Und, unabhängig davon: Wer entscheidet denn, wer wirklich was zu sagen hat? Wenn die Idioten aufhören, müssen sich die Schlauen nicht mehr anstrengen. Wie wäre also ein Internet, in dem es nur Sascha Lobos und Netzwelt.de gäbe? Nun. Es wäre scheiß langweilig. Nicht, weil wir tatsächlich die ganzen Kochblogs vermissen würden oder so einen Müll wie diesen hier, aber es würde dennoch etwas fehlen. Genauso, wie etwas fehlen würde, wenn die Parteien, die ich für unnötig halte, nicht mehr gewählt werden dürften. Oder wenn die Menschen, die ich nicht mag, nicht mehr vor die Tür dürften. Wer fordert – selbst nur aufs Internet bezogen und nur im übertragenen Sinn -, dass Leuten, die nichts wichtiges zu sagen haben, die Stimmbänder entfernt werden, der fordert ein Ende einer lebenswerten Gesellschaft und letztlich eine Oligarchie. Daneben sollte niemand sicher sein, dass ihm nicht auch der Mund verboten wird, wenn nur noch „das Beste“ zugelassen wird.

2 Broke Girls und der Untergang des Abendfernsehland.

So, order something else from the menu, shove it in your pie hole, and get on with your damn life!

Die CBS-Komödie „2 Broke Girls“, die aktuell auf ProSieben zu sehen ist (auch online) und von der in den USA kommende Woche die zweite Staffel beginnt ließ mich nach einer Nacht mit der kompletten ersten Staffel mit gemischten Gefühlen zurück.
Kurz zum Aufbau: Max ist Kellnerin in einem Diner, arbeitet als Babysitterin in Manhatten für eine völlig überzeichnete reiche Mutter und backt nachts Cupcakes. Caroline, ein Kind aus sehr reichem Hause, fängt in ebendiesem Diner mit Max an zu kellnern, da ihr Vermögen wegen krummer Geschäfte ihres Vaters eingefroren wurde. Das ganze artet in die üblichen Serienklischees aus und schließlich werden beide Freundinnen (oder zumindest Schicksalsgenossinnen), die zusammen ein Cupcake-Geschäft eröffnen wollen. Die Zahl am Ende einer jeden Folge gibt an, wie viel sie schon von den 250.000 US-Dollar, die sie für diesen Traum benötigen würden, angespart haben. Titelmelodie ist Second Chance von Peter Bjorn and John.
Wie bei meinem Lieblings-TV-Blogger Blamayer ab hier „volle Spoiler für die 1. Staffel.“
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