Als ob es auch nur Einem besser ginge, wenn wir unser Geld nicht verbrennen würden.

Eigentlich wäre es gesünder sich jeden Abend einen halben Kasten Bier in den Ranzen zu schütten, als auch nur eine Sekunde den Nachricht zu opfern. Man beginnt sich aufzuregen über die Realitätsferne der Politik, die Ignoranz und das Unverständnis ihrer Bürger und nicht zuletzt die sensationsgeilen Medien. Schlimm wird es, wenn die Plebs, die Regierenden und Medien miteinander kollidieren, wie es in Falle unseres bisherigen Bundespräsidenten Wulff geschah. Auf der Straße fehlt wie zu oft jegliches Verständnis für unseren Rechtsstaat, der nunmal niemanden ohne Beweis seiner Schuld verurteilt – und so auch keinem Bundespräsidenten seine „Rente“ ohne triftigen Grund aberkennt -, daneben steht eine politische Klasse, die man nur noch mit schwersten Bauchkrämpfen als eine solche bezeichnen kann und letzt endlich eine Medienlandschaft, die sich auf jeden Krümel Information stürzt um diesen zu einem dünnen Brei aus Verleumdung und Weltuntergangsspektakel anzurühren und jedem um die Ohren zu schmieren, der nicht ausreichend weit weg steht.
Ich bin mir nicht sicher, ob diese Geschichte bei SPON in die letztgenannte Kategorie gehört, aber sie erfüllt mich aus den falschen Gründen mit Wut. Ihre Überschrift besteht lediglich aus Informationen, daher nehme ich mir das Recht heraus, sie zu zitieren: „Wulff will Büro und Mitarbeiter für 280.000 Euro im Jahr“. Es ist – Rechtsstaat und so – durchaus Wulffs gutes Recht, ein Büro mit Mitarbeitern vom Steuerzahler sich bezahlen zu lassen. Rechtlich – sofern ihm keine Schuld nachgewiesen wird – ist das alles in Butter. Moralisch nicht. Moralisch könnte man anführen, dass 280.000 Euro so etwa die Summe Geld ist, die der Staat aufbringt, um einen seiner Bürger Medizin studieren zu lassen. Wobei sich diese Zahl – man spricht meistens von 200.000 bis 250.000 Euro (die Saarbrücker Zeitung nennt hier für Humanmedizin Studienkosten von 203 700 Euro) – auf das gesamte Studium bezieht. Man könnte auch anders rechnen: Im Schnitt – ich beziehe mich wieder auf Zahler der Saarbrücker Zeitung – kostet ein Student an einer Uni den Steuerzahler pro Jahr 8650 Euro. Man könnte also problemlos statt Büros für Wulff und Mitarbeiter 32 Leuten eine Chance auf ein besseres Leben geben. Man könnte 32 Techniker ausbilden, man könnte 32 neue Lehrer ausbilden, 32 neue Philosophen die Welt verstehen lassen.
Das Problem an dieser Milchmädchenrechnung ist ganz einfach: Es wird nicht passieren. Wenn wir den sterbenden Banken nicht auch noch „gutes Geld“ hinterher werfen, wenn wir Wulff nicht eine „Sofortrente“ zahlen, wenn wir die Diäten nicht erhöhen und nicht mehr so viel Geld für Rüstung ausgeben – kurz: wenn wir alles, was wir für nicht sinnvoll halten lassen würden, wäre trotzdem nicht mehr Geld da, um Kindern warme Mittagsessen zu geben, Mitarbeiter gerechter zu entlohnen oder den Universitäten Platz für mehr Studierende zu schaffen. Noch kürzer:
Wir tun nicht das gute, wenn wir das schlechte lassen.
Wir lassen nur das schlechte sein.

Es macht keinen Sinn sich darüber aufzuregen, wie unfair die Welt ist. Es macht keinen Sinn zu sagen: „Aber für diesen Unsinn habt ihr Geld!“, genauso, wie es uns als Kinder nie genützt hat, Vater oder Mutter vorzuhalten, wieviel Zeit sie anderweitig verschwenden, anstatt sich um ihr Kind zu kümmern. Die Welt ändert sich nicht, in dem wir das „Falsche“ anprangern. Wir müssten das „Richtige“ tun.
Andererseits ist die Forderung, doch bitte aus Bellevue ein Studentenwohnheim zu machen (allein die Küche soll gut 300 qm haben), eher überzogen.
Plop.