Rap für Versager.

Was 1994 der Grunge war, ist 2013 Deutsch-Rap. Zumindest rede ich mir das ein. Die MTV-News (die Älteren werden sich erinnern) sind heute die Facebookseiten der Künstler. Auf selbiger der Antilopengang gab es heute erstmals seit Jakobs Tod wieder ein Posting.

Die gute Nachricht für alle Antilopen-Fans lautet: Es geht weiter. „Antilopen 4 Life!“
Zudem gibt es den oben eingebundenen Track aus NMZS‘ Nachlass. Das Stück mit dem Titel Freaks ’n‘ Geeks wurde 2012 aufgenommen und kann man sich hier herunterladen. Außerdem wird im Verlauf des Jahres sein komplett fertig aufgenommenes Album „Der Ekelhafte“ in angemessener Form erscheinen. Angekündigt ist auch eine Box mit NMZS‘ Gesamtwerk.
Es ist ein komisches Gefühl, dass der Mensch hinter dem Künstler jetzt weg ist. Ich glaube aber, so wie seine MP3-Tracks auf jedem MP3-Stick routieren, bleibt der Musiker NMZS da. Es ist diese seltsame Anwesenheit, die wir bei Kurt Cobain oder Tupac vor allem in den letzten Jahren zunehmend erleben. Der Künstler „lebt“. Ihre Musik lebt. Sie haben Fans, und, was NMZS angeht, so sind es jetzt offenbar alle seine Fans. Als sein Tod durch die sozialen Netzwerke schwabte hörte ich seine Musik und las die Beileidsbekundungen von Deutsch-Rap-Namen wie Kool Savas. Manche Leute bekundeten ihr beleid auch und sagten, dass sie nun das erste mal von NMZS hören würden. Ein Tod zieht seltsam weite Kreise.
Und seine Musik läuft weiter. In meinen Kopfhörern kocht er weiter seinen Eintopf. Liebt und hasst er weiter seine Stadt. Ist er weiter auf Abwegen. Ist er immer noch der Bananaman. Macht er Rap wieder dumm. Ist es immer noch Survival of the Sickest. Springt sein Hirn weiter gegen Gummiwände. Und er bleibt der Beste von A bis Y.
Der Künstler stirbt nicht.
Update: Inzwischen ist nicht nur seine (vermutlich) private Facebook-Seite bekannt, sondern Jakob Wich alias NMZS hat nun auch einen Wikipediaeintrag. Auf RapGenius versuchen einige Benutzer (ja, ich auch) Nemesis‘ Texte zu sammeln und zu interpretieren, darunter auch das postum veröffentlichte Freaks ’n‘ Geeks. Außerdem haben die verbleibenden Antilopen neue Auftritte angekündigt.
Update II: Koljah hat in der Juice einen recht lesenswerten Nachruf veröffentlicht. Die darin erwähnten Graffitis findet man beispielsweise am Mainzer Hauptbahnhof (Facebookfoto von Koljah).

Mach den Aschenbecher leer.

Erst diese Woche hatte ich wieder „Abwege“ vom großartigen NMZS gehört mit der sich einbrennenden Zeile „Du lebst jeden Tag, irgendwann bist du tot.“. Ein Lied über einen missglückten Suizid, zu finden auf seiner Robopommes-EP aus 2008, das ich jetzt auf Repeat höre. Darin wird der Ich-Erzähler vom Tod abgelehnt:

„Guten Tag junger Mann. Ich würde gerne sagen es wäre eine Freude dich zu sehen, aber nein, nicht heute. Du sagst die Welt ist schlecht und verzweifelst an deinem Leid. Aber sieh es ein, Junge, deine Zeit ist noch nicht reif. Geh und such dein Glück, vielleicht findest du’s auch nicht, aber hier kannst du nicht bleiben, ich schicke dich zurück. “ – NMZS & SZMN: Abwege (Youtube)

Und jetzt…. Seufz.

Einer der besten Rapper Deutschlands ist tot.

Vor zwei Tagen (am 20.03.13) hat sich NMZS, bekannt unter anderem als Teil der Antilopengang, nach schwerer Depression das Leben genommen, wie es auf der Facebook-Seite heißt.
Ich weiß grad echt nicht, was ich sagen soll. Scheiße. Einfach nur scheiße. Mein aufrichtiges Beleid gehört Jakobs Familie und Freunden. Ich hoffe, sie haben die Kraft, diese schwere Zeit durchzustehen. Er war ein großartiger Musiker und seine Texte haben sich in die Köpfe von tausenden jungen Menschen eingebrannt.
Fuck. Einfach nur fuck. Ruhe in Frieden Jakob.