Warum Affen?

Bekanntermaßen bin ich Fan der Planet-der-Affen-Reihe und konnte es mir deshalb auch nicht entgehen lassen, den neuesten Film der Reihe anzusehen. „Planet der Affen – Prevolution“ ist dabei ein ganz anderer Affen-Film als die bisherigen. Zum einen handelt es sich nicht wie alle anderen um einen Maskenfilm: Die Affen entstanden am Computer. Zum anderen ist dies der erste Affenfilm nach dem Tod von Charlton Heston und Roddy McDowall (die zwar nicht immer beide, aber in jedem Film wenigstens einer von beiden mitgespielt hat). Zum dritten und letzten handelt es sich hierbei weder um einen fernen Planeten („Planet der Affen“ 2001), noch um eine durch Zeitreise-Absonderlichkeiten („Flucht vom Planet der Affen“) oder Training („Eroberung des Planet der Affen“) herbeigeführte Umwältzung.
Viel mehr haben wir das alte Spiel: Der Mensch möchte etwas Gutes erreichen, schlägt dabei aber über die Stränge und handelt damit gegen die Natur.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Spezialeffekte sind großartig, der Geschichte kann man durchaus inhaltliche Tiefe unterstellen, die – man möchte sagen – zweite Reihe Hollywoods („Den kenne ich doch aus [Filmtitel]. Da hat der diesen… [Nebenrolle] gespielt.“) spielt gefühlt besser als die jetzt schon Großen, der – mir völlig unbekannte – Regisseur hat gute Arbeit geleistet und viele kleine Schmuckstücke spielen auf den Originalfilm an.
Es ist – meiner Meinung nach – der beste Science-Fiction-Film, den ich dieses Jahr gesehen habe. Schlüsselwort ist dabei bedauerlicherweise nicht „beste“, sondern „dieses Jahr“. 2011 war – bisher – ein ziemlich enttäuschendes Jahr. Zumindest für mich.
Der Titel ist also eher wenig wert bei dieser Konkurrenz (Super 8? Ernsthaft?!). Die Pfade, die Planet der Affen: Prevolution sind ausgetreten. Alzheimerforschung führt zu bösartigen Wesen. Statt Haien („Deep Blue Sea“) sind es nun eben Affen. Statt irgendwelchen Rittern oder Fabelwesen (Wenn ich jetzt „Herr der Ringe“ schreibe, bekomme ich wieder Hassbriefe) kämpfen nun eben Affen in der großen Schlussschlacht „Gut gegen Böse“.
Aber vielleicht tue ich dem Film damit auch Unrecht. Vielleicht, bei einer erneuten Betrachtung – die die anderen Affen-Filme damals auch bedurften – freunde ich mich doch noch damit an und erkenne, was die zitierten Kritiken bei Wikipedia erkannt zu haben glauben. Vielleicht haben sich die Studios aber auch nur für diesen – immerhin 90 Millionen Dollar teuren Film – entschieden, weil die Wahrscheinlichkeit hoher Einspielergebnisse bei Affen als Versuchsobjekt größer sind als bei beispielsweise Beutelratten.
Die kleinen Anspielungen und versteckten Schmuckstücke scheinen dann aber doch in eine andere Richtung zu deuten.
Vorläufiges Fazit:
Wer Lust hat, mal wieder einen Film zu sehen, der nicht nur durch visuellen Unsinn überzeugen möchte („Avatar“, etc.) und auch nicht den gefühlt 1000sten Harry-Potter-Streifen ins Auge erbrochen bekommen möchte, der sollte „Planet der Affen: Prevolution“ eine Chance geben.
Kein Meisterwerk, aber James Franco („Freaks and Geeks“) und ein bisschen Planet-der-Affen-Feeling machen den Film trotzdem sehenswert.
Und wer Lust hat, sieht sich bei IMDb an, welche Anspielungen auf den Originalfilm einem nicht aufgefallen sind.

"Es ist ein Gorilla."

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ACHTUNG! Die im folgenden Text erwähnten Informationen können unter umständen die Freude an den Planet der Affen-Filmen, der Neuverfilmung und auch am Buch schmälern. ACHTUNG! Überlänge! SPOILER!
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Ich kann nur wirklich von mir behaupten, ich hätte mich mit Planet der Affen beschäftigt. Ich sah mehrmals die Originalfilme, die alle für sich genommen gute, teilweise sogar großartige, Filme sind. Ich sah mehrmals (allerdings bei weitem nicht so oft wie die Originalfilme) die Neuverfilmung von Tim Burton. Nun darf ich mich auch rühmen, Pierre Boulle’s Planet der Affen gelesen zu haben.
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Zuallererst waren für mich da der Originalfilm. Arthur P. Jacobs hat, gemessen an den damaligen Kenntnissen und Filmfertigkeiten (Stichwort Technik, Stichwort Affenmasken/-makeup, Stichwort Requisiten), und gemessen an einem Budget von gerademal 5.800.000 $ (zum Vergleich: Das Remake aus 2001 kostete 100.000.000 US$) einen der besten Filme gemacht, die ich jemals sehen durfte. Planet der Affen gehört zu meinen absoluten Favoriten und das, wie ich finde, zu recht. Die vier folgenden Filme sind für sich genommen ebenfalls gute Filme. Ich möchte kurz zu allen fünf etwas sagen.
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Planet der Affen ist eine Erzählung über einen Astronauten, der auf einem Planeten landet, auf dem die Affen die Herrscher sind, und die Menschen primitive, zum Sprechen unfähige Wesen. Im Vergleich zum Buch ist die Affenstadt des Film äußerst primitiv (für die im Buch auftauchenden Flugzeuge usw. war schlicht und einfach kein Geld da.). Verwirrenderweise sind die Affen – geteilt in die krieglustigen Gorillas, die religösen und traditionsbewussten Orang-Utan und die fortschrittlichen, gebildeten und pazifistischen Schimpansen – zwar mit Gewehren ausgerüstet, aber gänzlich ohne motorisierte Fahrzeuge (die ebenfalls im Buch auftauchen, im Gegensatz zu den Waffen). Die Synchonisation ist äußerst dürftig, deshalb empfehle ich den Originalton, um solche Meisterwerke wie „Take your stinking paws off me, you damned dirty ape!“ nicht zu versäumen.

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