Die nächste Generation Internetmacher kritisiert ihre Vorgänger

lobogottDie Weisheit kam von Sascha Lobos Fingerspitzen in meinen Feedreader.

In meinem Feedreader landete heute zwei Einträge, die nacheinander gelesen ein interessantes Bild ergeben. Der Erste stammt von Sascha Lobo – dem Internetübervater – und behandelt einen Ausweg – einen Entschuldigungsbrief -, den Schlecker aus ihrem Mini-Shitstorm nehmen könnten. Er schreibt davon, dass sie sich entschuldigen sollten, aber den Blick auf die Zukunft richten. Wenn man so will, hat Sascha Lobo die Wirkung folgenden Blogeintrags für mich zerstört. Vasco Sommer-Nunes, der seit mindestens 7 Jahren die deutsche Internetlandschaft verändert, schreibt einen ähnlich gestaltete Erklärung bezüglich der Layer-Ads, die bei mokono-Werbepartnern in letzter Zeit auftauchten.
Es geht um die große Frage: In wie weit darf man seine Herkunft verraten, um bei den Großen dazuzugehören? Oder, weniger frei gedeutet: Darf Mokono – Vascos Unternehmen – bei Blogs die AGOF-Umfrage-Layer zulassen, obwohl Layer so ziemlich das übelste sind, wovon Blogger nachts träumen (abgesehen von Abmahnungen)?
Marcel Wichmann, seinerseits Jungunternehmer (für alle unter 30: „Gründer eines Start-Ups“) – auf QUOTE.FM freut sich gerade das halbe Internet -, kritisiert Mokono und deren Marktmacht:
Überrascht jetzt wenig,
dass mich auf Amy&Pink eine monoko-Umfrage begrüßt.
(Twitter)
Das ist in soweit interessant und vor allem niederschreibenswert, weil Marcel Wichmann am Anfang dessen steht, was Vasco Sommer-Nunes schon seit fast 10 Jahren lebt: Sein Traum.
(„Nicht emotionalisieren“… äh… ja)
Und genauso wie Vasco wird Marcel auch irgendwann an einen Punkt kommen, an dem er kleine Dinge zulassen muss – die ihm nicht gefallen – um größere Dinge zu erreichen. Behaupte ich zumindest mal.
Vasco kam mir persönlich nie wie jemand vor, der nur an Gewinnen und ähnlichem interessiert gewesen sei. Ich glaube nur, dass er seine Ziele manchmal zu verbissen verfolgt. Andererseits, ohne diese Eigenschaft hätten wie vermutlich weder Blog.de noch irgendetwas anderes brauchbares (wir hätten vermutlich nicht einmal Feuer, wenn nicht irgendjemand verbissen daran gearbeitet hätte, das beherrschbar zu machen (man stelle sich einen Höhlenmenschen vor, der konzentriert am Feuer arbeitet, Holzsorten betrachtet, etc. Dazu „Gonna Fly Now“.))
In jedem Fall bleibt es spannend, wie sich das deutschsprachige Internet weiterentwickeln wird; sowohl mit den „alten Hasen“ Vasco Sommer-Nunes, Sascha Lobo, René Walter, Johnny Häusler, Thomas Matterne – die es geschafft haben, ihre Träume zu Geld zu machen -, aber auch mit den neuen Spielern, wie etwa Marcel Wichmann, die die „Alten“ kritisieren und nun antreten, das Internet noch großartiger zu machen.
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Offenlegung: Ich betreibe ein Blog bei Blog.de, was zu Mokono gehört, welches von Vasco geführt wird. Außerdem durfte ich ihm einmal die Hand schütteln. Guter Mann.

Sascha Lobo, unser Gott.

lobogottEs kommt eigentlich gar nicht mehr darauf an, was Sascha Lobo sagt. Eher die Tatsache, dass er es sagt, gibt dem Wort Gewicht und Inhalt. Würde er sich für eine bestimmte Unterhosenmarke aussprechen, die Online-Stores wären leergeräumt innerhalb von Minuten. Plötzlich würde die halbe deutsche Blogosphäre und vermutlich das gesamte deutsche Twitter-Welt die Lobo-Unterwäsche tragen. Er könnte auch behaupten, 2 und 2 sei 5, und zumindest ich würde meine Mathebücher als Schund- und Lügenliteratur verbrennen.
Würde es aber bei diesem Fantum enden, wäre es noch vergleichsweise ertragbar. Jedoch entdecke ich bei mir selbst bereits Krankheiten, die Sascha Lobo an sich beschreibt. Die Verbindung aus blinder Verfolgerei und Hypochondrie ist in dem Fall äußert unangenehm.
Aber warum ist Sascha Lobo, dieser Berufsbezeichnungsloser Onlinemensch aus Berlin, eigentlich unser Gott, oder zumindest, der höchste Prophet? „Einer von uns!“, „Einer von uns!“ höre ich die Bloggerinnen und Blogger, die Twitterer und Twitterinnen flüstern, wie ein kleines Glaubensbekenntnis. „Einer von uns.“
Aber Sascha Lobo ist nicht einer von uns! Längst hat der Rest des Internets den Anschluss verloren an die Rakete Lobo. Längst ist Lobo nicht mehr irgendein Online-Mensch, sondern die Vertretung der Internetwelt in der Realität. Egal, zu was die Massenmedien Fragen haben: Lobo weiß die Antwort. Als sei er kein Mensch, sondern ein großer Server, ein Roboter, von Google zur Erlangung der Weltherrschaft programiert, der umherstreift und „ist“, anstatt zu streben.
Sascha Lobo ist für das Internet, was Kurt Cobain für die „Generation X“ war.
Und ich glaube auch, dass er gar keiner von „uns“ sein möchte. Oder jemals war. Der Glaube an Sascha Lobo als Gott des deutschen Internets ist wohl schlicht auf Uninformiertheit oder mangelnde Nutzung des eigenen Verstands zurückzuführen. Aber um das zu erkennen müsste man fünf Minuten denken, anstatt ununterbrochen zu bloggen.
Und auch, wenn ich eigentlich weiß, dass es Unsinn ist, an eine Person wie Lobo zu glauben, der Person willen, so weiß ich auch, dass ich ohne diesen Lobo-Gott-Glauben noch verlorener wäre in einer unübersichtlichen Welt. Oder, zumindest leide ich unter der Wahnvorstellung, ich könnte noch verlorener sein.
Welches Toilettenpapier Sascha Lobo wohl benutzt?
edit. 12. Juli 2009: Kann man Sascha Lobo bitte den Gott-Status wieder wegnehmen? Im Moment nervt er mich nur, und da er auf saschalobo.com (oder .de?) sogut wie gar nicht bloggt… naja… Ich frage mich nur, was das für ein Web 2.0 Gott sein soll, der auch nur noch wirkt wie die Vermarkungsmaschinerie eines Großkonzerns, nur, dass der Großkonzert in diesem Fall er selbst ist.