Die Zeit kann kein Wort schreiben, nicht zählen, nicht mal bis Zehn

Himmel.
Gestern war ein komischer Tag. Nicht nur wegen meiner Nachbarschaft oder den Burgermeister-Burgern oder wegen viel zu viel Uni und viel zu wenig Zeit, sondern vor allem, wegen einem Wohnungsangebot, welches mich am Wahrheitsgehalt selbigen Tages zweifeln lässt. Aber davon will ich jetzt gar nicht schreiben.
Eigentlich wollte ich schreiben, die Zeit bringe Veränderungen mit sich, mit denen klarzukommen ich mich noch nicht fähig fühle. Zum Beispiel das „Aus seinem Leben etwas machen“-Ding überfordert mich völlig. Betrachtet man aber Zeit von einem zeitlosen Punkt aus – begibt man sich beispielsweise gedanklich an den Punkt des höchsten Wesen -, dann bringt die Zeit nicht Veränderungen mit sich. Viel mehr ist es so, dass die Veränderungen einfach da sind, dass sie allenfalls die Zeit erfühl- und begreifbar machen. Gäbe es weder Kalender noch Zeitrechnung, begriffen wir nichts Wiederkehrendes im Leben, so gäbe es tatsächlich nur „Jetzt“ – welches auch nur Gedanklich in Abgrenzung zu anderen gedanklichen „Zeitpunkten“. Tatsächlich kommen wir Zeit unseres Lebens nie aus dem Jetzt heraus. Es gibt keinen Morgen, nur die Fortsetzung des vergangenen Tages mit den gleichen Mitteln.
Es darf also nicht heißen, dass die Zeit die Veränderungen mit sich bringe. Es ist ein Erde-Sonne-Verhältnis. Zwar könnte man auch argumentieren, dass die Sonne die Erde umkreise, letztlich müssen wir es aber anders sehen. Veränderungen, oder allgemeiner der Wandel deutet eine zeitliche Abfolge an. Der Wechsel von Tag und Nacht ist nicht Ergebnis der Zeit, es ist die Möglichkeit, Zeit zu erkennen.
Ein Zeitloses Wesen kennt weder Zeit noch Veränderung, weil alles ist. Jetzt. Denkbar wäre aber auch lediglich ein „Herr der Zeit“, der zwischen den Momenten wandeln kann, wie wir es in den drei Dimensionen Höhe, Breite, Länge tun können. Aber, das würde jetzt zu weit führen.
Demnach sollte man selbst dem Unglück dankbar sein, denn es veranschaulicht unsere ablaufende Zeit weit deutlicher und schneller, als es der eigene Zerfall tut. Letzterer lässt sich nicht aufhalten – der Tod lässt sich nicht abwenden. Deshalb müssen wir etwas mit unserem Leben anfangen. Dürfen nicht nur Angst haben, dürfen nicht nur Rumsitzen und nichts tun.
Andererseits müsste schon die ganze Welt untergehen, damit mein träger Geist begreift, dass er etwas machen muss…. So. Schichtwechsel, aber der Kollege kommt gleich.

Ja ja, hohe Schuhe sind gut für dein Abitur und die Zeit danach

Kamera und Notizen lensbracelet.com
Manchmal wünsche ich mir, dass Kupetzky, der hauptberufliche Problemlöser aus der gleichnamigen ORF-Sendung, tatsächlich existiert. Er würde dann eine Rechnung mir in die Hände drücken, weil er für mich das Problem meiner Lebenszielfindung gelöst hat. Ohne Ihn muss ich mir selbst Gedanken machen, was ich sein will in der fernen Zukunft, die gar nicht mehr so weit weg ist, wie ich es mir erhoffe. Im Gegenteil, mit dreckigen Schuhen steht die Zukunft von der Tür, brüllt meinen Namen und klopft an meine Haustür. Noch verstecke ich mich, aber die Zukunft weiß, wo ich mich verstecke. Im Internet, in Serien (habe gerade 3 Staffeln „My Name is Earl“ praktisch ohne Unterbrechung – außer Schlafen – angesehen), in bescheuerten Gedankengängen. Aber, wir brauchen eine Entscheidung. Jetzt.
Wirklich weiter hilft da niemand. Kein Rainald Grebe (die Überschrift stammt aus seinem Lied „Faust“), kein Kreisky („Jacqueline“: „Leute wie wir müssen fort“), kein was-studiere-ich.de, kein Selbstfindungstest.
Ich muss das selbst rausfinden. Das, und noch ein paar andere Sachen.
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„So. Schichtwechsel. Aber der Kollege kommt gleich.“