Ich versage, du versagst, wir versagen. (Essayversuch ohne Grundlage eines Dossiers)

(Deutsch. Es gibt zwar kein Dossier zum Thema, und ich hab auch so wichtige Sachen wie die Freeters in Japan vergessen… aber… hmmm…)
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Man sieht es ihren Gesichtern an. Verbittert, enttäuscht, verschwitzt verlassen sie den Rasen, auf dem sie Geschichte hätten schreiben können. Kein Weltmeistertitel, kein „’54, ’74, ’90, 2010“, wieder nur kleines Finale. „Es sollte einfach nicht sein.“ behaupten Moderatoren und würdigen das hohe Spieltalent der deutschen Nationalmannschaft von 2010. Trotzdem hat es nicht gereicht. Trotzdem haben sie versagt, sind traurig, der Motivationssprüche überdrüssig.
Versagen, verlieren, Letzter werden. Ist es nicht ein essenzieller Bestandteil eines jeden Wettbewerbs, dass alle – bis auf einen – verlieren, dass alle – außer der Gewinner – nicht auf dem ersten Platz stehen? Hübsche Frauen und Jubel für einen, alle anderen werden ausgebuht. Muss man nicht auch kleine Erfolge feiern, wenn man nicht auf dem Siegertreppchen stehen kann? Anderenfalls, weil das Leben ein einziger Wettkampf sei, gäbe es – bis auf einen – nur Versager auf dieser Erde. 6,93 Milliarden Versager und nur ein Gewinner. Also, eine Chance 1 zu 6,93 Milliarden, dass Sie ein Verlierer sind. Das ist nicht besonders motivierend. Deshalb schauen wir nur nach links und rechts, schauen nach oben und unten, vergleichen uns nur mit denen aus unserer Gruppe. Und wir feiern auch die kleinen Siege.
Der größte Erfolg des österreichischen Fußballs zum Beispiel fand in der argentinischen Stadt „Cordoba“ statt, Mitte der Siebziger Jahre, als die rot-weiß-rote Nationalmannschaft gegen Deutschland siegte – und sie aus der Weltmeisterschaft schmiß. Dass Österreich selbst auch nicht über die Vorrunde kam, ist unwichtig. Der große Sieg ist nur das Versagen des Anderen.
Was ist eigentlich so schlimm am Versagen? Ein berühmter Softwareentwickler sagte einmal: Wenn man nicht in 9 von 10 Fällen versagt hat man nicht ausreichend große Ziele. Trotzdem gelten in unserer Gesellschaft Versager als etwas negatives. Arbeitslose, Schulabbrecher, Sitzenbleiber seien schlecht, seien gar gefährlich für unser Land. „Wer nichts taugt, tauge immer noch als schlechtes Beispiel“, ehrte Erich Kästner einmal die Dauerverlierer. Aber, halt, kann man überhaupt dauerhaft verlieren? Und, bemisst sich der Wert eines Menschen wirklich nach Schulbildung, nach Arbeitsstelle und Einkommen?
Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte, ebenso wie unser Grundgesetz und die Verfassung der meisten Demokratien geben dem Menschen eine unantastbare Würde. Ist also Josef Ackermann genauso viel wert wie Werner Klopsteck, der Hartz-IV-Empfänger und Alkoholiker in 3. Generation? Bin ich immer noch ein Mensch, wenn ich das Abitur nicht schaffe?
Tatsächlich verneinen kann man in einer Demokratie diese Fragen nicht. Aber, bejahen ginge auch an der gesellschaftlichen Realität vorbei. Man muss vielleicht den Faktor Zeit miteinrechnen. Ein Versager bin ich für den Moment, in dem ich versage, und für den, in dem der Gewinner gekührt wird. Danach bin ich wieder bereit für den nächsten Wettkampf. Bin bereit, wieder zu versagen.
Das einzige, was ich – und alle scheinbare „Dauerversager“ unserer Gesellschaft – dazu brauchen, ist immer wieder eine Möglichkeit, eine Chance, ein neues Antreten im Wettkampf. Abitur wiederholen, die nächste Weltmeisterschaft, das nächste Jobangebot. Denn, eins ist klar: Am Ende erinnert sich niemand, dass Österreich das Achtelfinale nicht einmal erreichte, jeder spricht nur davon, wie sie Deutschland besiegten. Versagen ist nicht so schlimm, wie wir manchmal denken. Hauptsache, wir verlieren nicht die Hoffnung.
Denn: Sie glauben immer noch an Cordoba.

Gegen den Strom schwimmen?

(Ein Essayversuch als Hausaufgabe. Thema im Titel.)
Wenn meine Eltern mir Selbstvertrauen und Durchsetzungsfähigkeit beibringen wollten, dann hatten sie wohl eher wenig Erfolg. Umfragen sagen, Selbstvertrauen sei eines der wichtigsten Fähigkeiten, die sich Eltern von ihren Kindern wünschen. Nehmen wir die Metapher vom „Gegen den Strom schwimmen“ wörtlich, so hätte ich auch da schlechte Chancen – als Nichtschwimmer.
Doch, was bedeutet überhaupt „gegen den Strom schwimmen“? Ist das was Gutes?
Der Strom, um den es geht, hört man deutlich im englischen Wort „Mainstream“, also der Hauptströmung der Kultur, des öffentlichen und privaten Lebens, der Gesellschaft – kurz: allem -, gegen die vor allem Jugendliche und Idealisten ankämpfen und „dagegen schwimmen“. Am Anfang steht ein einfaches „Nein“, ein, wie Albert Camus schrieb „bis hier hin und nicht weiter“. Denn, bleiben wir im Bild des Flusses, so kann man erst gegen eine Strömung anschwimmen, wenn man sich zumindest ein wenig von der Quelle flussabwärts treiben ließ.
So beschreibt es auch Ursula Nuber in Psychologie Heute. Um zu erkennen, wer wir sind, müssten wir erstmal den falschen Weg weitergehen, müssten erstmal irgendwo hin, damit wir wissen, dass wir wo anders sein wollen. Aus dem sich-Autoritäten-unterwerfen der Kindertage werde ein sich-auflehnen der Adoleszenzjahre. Ohne die anfängliche Unterwerfung kann nie ein Widerstand gegen diese entstehen.
Um das Thema vollständig beleuchten zu können, sind vor allem drei Aspekte wichtig: 1. Die Innensicht. 2. Die Außensicht. 3. Die gesellschaftliche und geschichtliche Weiterentwicklung.
„Gegen den Strom“-Schwimmer werden aus der Gesellschaft allzu oft ausgeschlossen und gedemütigt. Wer anders ist – oder wer nicht-anders ist – wird oft benachteiligt und muss deshalb einen harten Kern und viel Überzeugung besitzen, um nicht den einfachen Weg mitzuschwimmen zu wählen.
Aus Sicht von Außen sind System-Gegner und Anders-Macher eine große Gefahr. Man ist sofort an Terroristen erinnert, die uns ins Mittelalter zurück bomben wollen, oder an Studentenproteste, die den Rentnern ihre Renten und den Banken ihre Rettung streitig machen wollen. Wer sich nicht anpasst, wer dagegen ist, wird heutzutage gerne als Störer, als Reformbremser, Wutbürger oder gar Staatsfeind gewertet.
Dennoch sind „Gegen den Strom“-Schwimmer für unsere Gesellschaft, für Kultur, Wissenschaft und Geschichte so wichtig wie der Cliffhanger am Ende eines Fortsetzungsromans. Denn, wenn Ideen gut sind, dann kann man sie nicht töten. Galileo Galilei beispielsweise wurde zwar für seine Ansichten verfolgt, am Ende setzen sie sich dann aber doch durch. Ähnlich verhält es sich mit den Geschwistern Scholl im Dritten Reich. Die Verwirklichung der Idee vom Ende der Nazi-Diktatur wurde von ihnen selbst nicht mehr erlebt, aber wären sie – wie viele andere – nicht gegen den brauen Sumpf angeschwommen, Deutschland wäre wohl heute noch eine Diktatur.
Damit sich ein Strom ändern kann, braucht es Mutige, die voran gehen, Mutige, die gegen die Flussrichtung schwimmen, die die Störmung am Ende vielleicht umkehren – und dafür allzu oft ihr Leben lassen.
Letztlich ist es nämlich so: Als Gesellschaft brauchen wir Andersdenkende, hassen aber auch niemand mehr als sie.
Gegen den Strom schwimmen ist also gut?
Nein. Aber auch ein bisschen ja. Oder Ja, mit einer Priese Nein. Für die „Gegen den Strom“-Schwimmer persönlich sind die Konsequenzen aus ihrem Nicht-Angepassten Handeln eher unangenehm. Wer Richtung Quelle schwimmt, und nicht als Jubelperser seinem Unterdrücker zulächelt, der hat zu oft mit insbesondere eher unfreundlichen Diktatoren Probleme. Erich Honeckers berühmtes Zitat „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ bedeutet eben auch: Wer gegen den Strom schwimmen will, dem entziehen wir das Wasser.
Eine demokratische Lösung – also eine für alle – ist „Dagegen sein“ längst nicht. Wenn zu viele „Gegen den Storm schwimmen“, erhalten wir ein Bild wie an den Zuflüssen der Bay of Fundy zur Flut. Aufgrund der hohen Tidekräfte dort dreht sich nämlich die Flussrichtung einiger Flüsse um. Wer dort weiterhin „Dagegen schwimmen“ will, muss also seine Richtung wechseln. Viermal täglich.
Es ist ein „Nicht ohne, aber auch nicht mit“ mit den „Gegen den Strom“-Schwimmer. Wir können auf ihre Veränderungsvorschläge nicht verzichten, ebenso wenig wie auf ihre Katalysatorwirkung bezüglich öffentlichen Diskussionen. Ohne das andere, erkennen wir nicht das eine. Oder den, der sich müht und kämpft und schwimmt, würden wir vielleicht nicht einmal bemerken, dass wir uns selbst im Fluss befinden.
Auf diese Weise gewinnt man selbst der altbackenen Ideen unserer Eltern noch etwas positives ab: Ihre blöden Sprüche zeigt uns, wie weit wir ihnen schon voraus sind. Denn es stimmt eben auch, was Jonathan Ive, Senior Vice President bei Apple, sinngemäß einmal sagte:
Es ist sehr leicht, anders zu sein, aber sehr kompliziert, besser zu sein.

Nette Worte ohne Inhalt

Ich gebe zu: Ein kleines bisschen verliebt bin ich schon. Nicht in meine Deutschlehrerin selbst, nur in ihren Unterricht. Offenbar beruht das jedoch nicht auf Gegenseitigkeit.
chucks boden sofa whatever
Mit der letzten Arbeit, für die ich ungewöhlich gut vorbereitet war – es ging um den „Proceß“ – bin ich so weit abgestürzt, dass die Differenz dieser und meiner bisher schlechtesten Arbeit immer noch ein „Bestanden“ gewesen wäre. Anfangs dachte ich, nagut, die nächste wird besser. Mittlers dachte ich – etwas deprimiert -, dass ich nun meine Hoffnung auf ein Germanistik- oder anderes stark sprachbezogenes Studium eigentlich vergessen kann. Jetzt… bin ich irritiert und geistig traurig.
Ich weiß, oder viel mehr gewann ich in den letzten 2 Jahren Unterricht bei Frau Deutschlehrerin den Eindruck, dass sie, hätte sie nicht das Damoklesschwert Deutschabitur über sich, einen gleichsam lehrreichen und angenehmen Unterricht machen könnte. Aber so ist sie gezwungen, durch Themen und Lektüren zu spurten, wie es diese Werk und das Fach Deutsch einfach nicht verdiennt haben. Trotz drei Lektüren und vier weiteren Themengebieten gelang es ihr aber immer wieder, den Unterricht in einer Weise zu gestalten, dass es große Freude machte, ihn zu besuchen. Mehr noch, und wer mich kennt, weiß, wie groß dieses Lob ist: Mittwochs und Donnerstags stellte ihr Unterricht für mich den einzigen Grund dar, überhaupt morgens aufzustehen.
Und dann, mit einem mal, bricht das Glas. Sie sagt, ich würde nicht wissenschaftlich genug schreiben. Sie sagt, wie sie immer negative Sachen in schöne Worte packt – eine große Stärke der Germanisten -, ich würde zu unterhaltsam, zu leserorientiert schreiben. Ich würde viel zu weit vom Thema abdriften, müsse bei einer Interpretation sachlicher schreiben, präziser die Fragestellung beantworten. Das schlimme ist: Frau Deutschlehrerin hat Recht. Es schrieb in unzähligen Bildern, verwendete spärlich Fachbegriffe, verglich sogar etwas mit „Ghost Busters“, schrieb von „wabbernder“, von „Abzockerbanden“, von… allem, nur nicht dem Proceß. Eigentlich ein Wunder, dass sie mich nicht in die Grundschule zurückversetzt hat.
Die Bewertung war gerechtfertig, wenn nicht sogar zu gut. Mein Fall hätte tiefer sein können, hätte lehrsamer sein können. War er aber nicht. Ich schreibe immer noch – halbwegs – Leserorientiert, bin immer noch alles andere als sachlich, knapp, schreibe nicht einmal durchgehend Präsens. Aber es ist eben auch ein Stück Selbstvertrauen kaputt. Das wissen, zumindest da, in diesem winzig kleinen Bereich des Schulaltags nicht ganz mies zu sein.
Aber, wie sie sagte, besser jetzt als im Abitur.

Der innere Lehrer

Ich mag es nicht, durch eigenes Nachdenken zu den Schlüssen zu kommen, die andere schon über mich zuvor beschlossen haben. Denn das bedeutet, ich muss meinem früheren Ich wiedersprechen, was bedeutet, ich muss mir wiedersprechen, – und, seien wir ehrlich – Unrecht haben habe ich nicht so gerne.
Heute morgen kam ich zu spät zum Deutschunterricht – über 10 Minuten -, weil ich verschlafen hatte. Früher kam das öfters vor, sogar ziemlich oft, sogar, eigentlich immer. Wenn ich vor dem Lehrer am Platz saß, bedeutete das, dass der Lehrer noch im Stau stand oder massiv zu spät war. Wiedermauchsei. Ich habe mich gebessert. Bis auf heute. Und vor einigen Wochen war ich auch schon einmal zu spät. Meine Deutschlehrerin wies mich dementsprechend darauf hin, dass sich das „häufen“ würde und ich doch bitte zukünftig mehr auf Pünktlichkeit achten sollte. Noch höflich ausgedrückt: Ich war angepisst. Was fiel meiner Deutschlehrerin da bitte schön ein, mir einfach vorzuwerfen, ich würde häufig zu spät zum Unterricht erscheinen, obwohl das – entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten – bisher nur 2 mal vorfiel? Weil ich etwas langsam schalte, wirkte ich auf sie wohl nur irritiert und nicht beleidigt.
Aus meiner Wut wurde im Verlauf des Tages schlechte Laune. Gründe: Alle meine Klassenkameraden haben deutlich mehr „wichtige“ Bücher gelesen, haben deutlich mehr „Leseerfahrung“, als ich. „Die Physiker“, „Die Leiden des jungen Wärter Werther“ und so weiter, sagen mir alle gar nichts. Ich bin dumm. Extrem dumm. Seufz. Anscheiend waren das alles Schullektüren. Seufz. Als ob das nicht schon genug wäre, warf man mir wegen meines Geschlechts (hihi) vor, ich hätte keine Hausaufgaben gemacht, was ich immerhin direkt kritisierte. Später kam heraus: Ich lenke meinen Nebensitzer im Wirtschaftsunterricht ab. Zum Schluß durfte ich im Sportunterricht wiedereinmal feststellen, dass ich physisch nichts kann. Der Tag zeigte also, psychisch, physisch und überhaupt allisch kann ich nichts.
Und dann läuft man gekränkt heim und schreibt einen creppy crappy Blogeintrag darüber, wie man selbst seine Wut aufgeben musste: Frau Deutschlehrerin hat Recht. Wenn man mein langfristiges Zuspätkommen die letzten Jahre mit Alkoholismus vergleicht, dann lässt sich die Aussage, auch ein kleiner Schluck Alkohol ist schon ein Rückfall auf das Zuspätkommen übertragen. Jede Sekunde, die ich vom Unterricht verpasse, ist eine Chance mehr, in abgelegte Verhaltensmuster zurückzufallen.
Nicht mal wütend sein darf ich. Scheiß verinnerlichte Autoriät.
Man sagt keine Schimpfwörter.
Seufz.

Dr. H. Autsch

Man kann ja wirklich Vieles über mich sagen, aber dass ich ein Weichei sei, dass sieht man schon von selbst. Ich bin dementsprechend Donnerstag – weil wir Mittwochs Sportunterricht haben – etwas demoliert. Meine völlige Unfähigkeit hält mich nämlich nicht davon ab, teilweise mit starkem Einsatz im Sportunterricht meine anderweitigen Unfähigkeiten (ich kann mir beispielsweise immer nur eine Anweisung merken) auszugleichen zu versuchen.
Diese Woche, wir spielten mit Übergroßen halben Q-Tips, die offenbar für kleinere Menschen konzipiert wurden, zeigte ich besonderen Einsatz und leide nun auch besonders. So sehr, dass ich heuer kaum aufstehen konnte und ganze 10 Minuten verspätet zum Unterricht erschien, weil ich tatsächlich nur sehr langsam vorran kam (unser Klassenraum liegt im 2. Obergeschoß). Wiedemauchsei.
Im Moment stütze ich mich auf einen Regenschirm, humpele, überlege mir jeden Aufstehen und Setzen ganz genau – und denke trotzdem ständig „Aua, Aua, Aua!“. Vielleicht gehe ich jetzt einfach schlafen. Der Tag, oder besser gesagt, die gesamte Woche hatte nicht wirklich etwas für mich. Abgesehen von dem kleinen House-M.D.-Gefühl beim Humpeln.
Stock
Was war sonst heute noch? • Meine Deutschlehrerin riss – versehendlich – eine Seite aus meiner Prüfungslektüre (Der Proceß). • Zu Dritt Datenverarbeitung. • Film sehen in Englisch und Mathe. • Die Schulleitung ist neuerdings sauer auf mich… • Im Grunde hätte ich heute daheim bleiben sollen.