Eine gute zweite Halbzeit.

Der Tag heute wurde mit zunehmender Länge besser.
Angefangen hatte er mit einem um 6 Uhr klingelnden Wecker, einer Vorlesung über Öffentliches Recht (an sich ganz gut, nur hoffnungslos überlaufen). Danach folgte die Einführungsveranstaltung in Skandinavistik mit zirka 50 Studierenden und unheimlich sympathischen Dozenten. Bei der Fachschaft gabs „fika“, eine Kaffeepuase mit Kekse und nettem Beisammensein, und ganz nette Gespräche (auch wenn ich da eher passiv blieb).
Abends ging es in die nahegelegene Kneipe zum Fußball schauen. Nach einer katastrophalen ersten Halbzeit – die Deutschen zimmerten eins nach dem anderen rein und führten die Schwedischen Spieler regelrecht vor – wendete sich das Blatt in der zweiten Halbzeit. Erstes Tor, zweites Tor, drittes Tor, keine 15 Minuten sind vergangen. Noch ein Tor im Rückstand. Letzte Minute. Tor. TOOOOOOOR!!!
Dabei hatte ich mich in der Halbzeit noch mit meinem zukünftigen Schwedisch-Dozenten unterhalten, dass es keine Schande wäre, dass Schweden verliere gegen eine der besten Mannschaften der Welt. Und dann sowas. Unglaublich, wirklich.
Ich kann nach diesem langen, anstrengenden Tag nun beruhigt schlafen. Obwohl ich tatsächlich heute kaum jemand kennenlernte. Aber, bekanntlich brauch ich da immer ein bisschen mehr Zeit.

Bäm! Oktober!

Zuerst hatte ich es nicht geglaubt, dann nicht wahrhaben wollen und nun kann ich es nicht mehr ignorieren. Die vorlesungsfreie Zeit endet, scheinbar alle Leute atmen auf und ich freue und fürchte mich zugleich vor den nun folgenden Wochen und Monaten.
Shit, ich wollte soviel in diesen Wochen machen. Bücher lesen (ich habe kein einziges geschafft, nur Dutzende angelesen). Ich wollte umziehen, mich in der neuen Heimat (ein Städtchen weiter) anmelden (kommt noch) und sowieso das alles auf die Reihe bekommen.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor!
Und bin so faul als wie zuvor.

Für die jüngeren Leser: Nein, gemeint ist nicht der Film. Der heißt „Thor“, nach der Comicfigur beruhend auf dem skandinavischen Namen des germanischen Gottes „Thor“, den man hier eher als Donar kannte (mit Blitzen und so). Gemeint ist auch nicht ein Hauseingang mit einer großen Tür davor, sondern das etwas veraltete Wort für einen… Idioten. (Genauer: Jemand, der unvernünftig handelt. Aber ich will dieses Fass nicht auch noch aufmachen. Kennt ihr jungen Menschen überhaupt noch Fässer? Und, dass man die – weil die früher gängigerweise aus Holz waren – nicht mehr einfach zudrehen konnte, wie man das mit diesen Bierfässchen macht, die einem neuerdings überall hinterhergeworfen werden?
Man könnte jetzt natürlich darüber streiten, ob Goethe nicht auch auf den Donnergott Thor anspielte, um die Überheblichkeit seines Dr. Faust noch offensichtlicher zu machen. Andererseits fände ich das bei aller Liebe für die Literaturwissenschaft doch sehr weit hergeholt.
Auch kann man darüber streiten, ob man es sich erlauben kann, in der frischen Wohnung dem Brauch des Surströmmingsskiva nachgehen kann. In Nordschweden wird ja bekannermaßen – jaja, du wolltest das auch gerade sagen – zum Ende des Sommers Surströmming gegessen. Also, wenn mans verträgt. Snip von Wikipedia: „Der Verzehr der in einer Dose vorgegorenen Heringe mit Kartoffeln oder tunnbröd (Dünnbrot – eine Vorstufe des Knäckebrots aus Norrland) erfordert aber unempfindliche Geruchsnerven.“ Ich hab das ja bis jetzt – leider? – nicht probieren können, bin da jetzt aber auch eher vorsichtig, schließlich sind die Deutschen da ja gerne ein bisschen empfindlich. Eien Mieterin, die das 1981 im Treppenhaus verschüttete, wurde – wie das Landgericht Köln bestättigte – rechtmäßig gekündigt. Man sollte allerdings dazu erwähnen, dass bei der mündlichen Verhandlung eine Dose Surströmming geöffnet wurde.
Ob Thor gerne aus Fässern trank und den Verkaufsstart des Surströmming (Ende August) nicht erwarten konnte, ist mir leider nicht bekannt. Aber, wie gesagt, es ist Oktober. Und das macht mir … gemischte Gefühle.