Der Tag des Bier-Sees / Wie man sich so richtig vor Handwerkern blamiert


Was die Frage des peinlichsten Auftritts vor einem Handwerker angeht, so habe ich heute gewonnen. Haushoch. Hier wie immer die ganze Geschichte.
Die Heizung in meinem Zimmer funktioniert nicht, wie sie sollte. Deshalb war mein Morgen schon alles andere als toll. Um sieben klingelte der Wecker, ich verpasste den Bus und als ich dann gegen 9 Uhr früh in meinem Elternhaus eintraf, um meinem Bruder bei der Arbeit zu helfen – wie abgesprochen – sagte er mir nur, ich hätte gar nicht kommen müssen. Also ging ich hoch in mein altes Kinderzimmer und kämpfte mit den Staubmäusen, räumte die Bücher meiner Mutter ins Regal und schrieb „Lesezimmer?“ an die Tür.
Ich lud noch ein paar Kleinigkeiten in meinen Rucksack (ein Foto des Elternhaus meiner Tübinger Großmutter, ein alter Topf, ein paar Fertiggerichte, ein Verlängerungskabel…) und fuhr dann wieder heim. Zug, Bus, ein paar Meter laufen, Haustüre stehen offen, ich falle beinahe die Treppe herunter, öffne die Wohnungtür und hab direkt einen Shining-Moment. Im – wirklich sehr langen – Flur steht ein fremder Mann mit Werkzeug und erklärt mir, er sei Handwerker und habe den Schlüssel von meinem Vermieter Herr B.
Ich gebe mich betont freundlich und er erklärt mir, er hätte den Zählerkasten im Flur angebracht und Internet und Kühlschrank wären zwar kurz vom Netz gewesen, sollten nun aber wieder funktionieren. Ich sehe nach. Handy hat W-Lan, wunderbar. Die Bierkisten, auf denen der Router stand, sind nun auch abgelöst. Küche. Licht geht. Alles toll. Kühlschrank auf.
Bäääm!
Mit großen Klirren landet das Getränkefach in der Tür auf dem Boden. Vier Biere – große Glasflaschen mit Henkelverschluss, ein Einzugsgeschenk – landen auf dem Boden. Sofort gibt es einen kleinen, sich verteilenden See aus stark riechendem Bier und Scherben. Ich schnappe mir einen Lappen. Suche verzweifelt lange nach einem Eimer und beginne, die Sauerei aufzuwischen.
In meiner freundlichen Rolle des Mieters frage ich den Elektriker, der noch immer im Flur werkelt und alles mit angehört und gesehen hat, ob er auch solle Tage kenne, an denen man besser im Bett geblieben wäre. Er pflichtet mir bei, meint es seie halt Montag und arbeitet weiter. Wäre der Boden nicht gefliest gewesen, ich wäre darin versunken.
Ich fülle einen ganzen – kleinen – Eimer mit dem Bier vom Boden und den Scherben, dann noch einen, wische danach nochmals nass durch und schäme mich. Weil ich teure Nahrungsmittel kaputt gemacht habe, weil ich dies vor dem Elektriker tat und weil dieser offenbar seit langen Jahren sehr gut mit meinem Vermieter-Schrägstrich-Onkel zusammenarbeitet.
Hmpf. Mein dritter Tag in dieser Wohnung und schon stinkt hier alles, als wäre es eine Brauerei. Der Handwerker packt zusammen, wir reden noch kurz über die Wohnungsnot unter Studierenden und dann verabschiedet er sich sehr freundlich, ich wünsche ihm einen schönen Tag. Dann schnappe ich mir ein Anti-Geruchsspray, warte bis er gefahren ist, öffne alle Fenster und hoffe einfach auf das Beste.
Keine Woche in der neuen Wohnung und schon Hopfen, Malz und Würde verloren.
Scheiß Montag.

Miau miau miau miau!

Katze .

Manchmal frage ich mich, ob Katzen uns für völlig bescheuert halten.

.
Heute war ich in der neuen Wohnung, baute ein Regal auf und räumte das Sofa von einem Eck ins Nächste, bis ich davon so erschöpft war, dass mir die Anordnung endlich gefiel. Ich räumte auch die paar Kleidungsstücke ins Regal, die ich schon rüber gebracht hatte.
Als ich kurz in der zukünftigen Küche war entdeckte mich eine Katze auf dem Innenhof. Und wie sie mich entdeckte, entdeckte ich sie – und öffnete vor Schreck das Fenster. Sofort sprach sie zu mir. Miau, miau, miau, miau. Mit aller Nachdringlichkeit. Möglicherweise wollte sie mich missionieren oder fragte nur nach dem Weg. Vielleicht wollte sie aber auch einfach etwas zu Essen oder Trinken haben. Ausgehend von letzterem suchte ich – vergeblich – nach einer Schale, die ich ihr mit Wasser hätte hinstellen können.
Sie wartete noch eine weile, nach dem ich das Fenster geschlossen hatte und zog dann von Dannen. Man sah regelrecht, wie enttäuscht sie war, dass ich sie offenbar nicht verstanden habe. Ich meine, man kann doch wohl erwarten, dass jemand ein Schälchen Wasser da hat. Oder der Nachbar ein wenig Zucker oder Salz.
Ich werde natürlich das nächste mal ein Schälchen mitbringen, um für den Fall gerüstet zu sein, dass dieser Gast noch einmal auftaucht. Eventuell ist sie aber so erzürnt darüber, dass ich sie nicht verstanden habe, dass sie zukünftig unseren Innenhof meidet. Möglicherweise hält sie mich auch für unhöflich, fies oder schlicht dumm, weil ich ihre sehr verständlichen Worte („Miau! Miau! Miau!“) nicht verstanden habe.

Yay! It's Garten Ecke Brücken Time – with me and Unicat. (I)

Garten- Ecke Brückenstraße
Blick vom Stauwehr Neckarabwärts
Brückenstraße
Die Matratze lieg noch auf dem Boden und ich kann vermutlich nicht genug Regale in das Zimmer stopfen, um alle Bücher unterzubringen, die ich mitgebracht habe. Außerdem vermute ich eine Verschwörung bei IKEA, weil ins Expedit-Regalfach exakt ein Kasten Wulle passt.
Außerdem ist das Bad unendlich weit weg und die Küche bis auf einen Kühlschrank noch nicht vorhanden. Trotzdem… freue ich mich wie Bolle. (Der Auspruch hängt möglicherweise mit einem Berliner Geschäftsmann zusammen, über den ein Lied gedichtet wurde. Daraus findet sich etwa dieser Auszug: „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel, da verlor er seinen Jüngsten ganz plötzlich im Gewühl. (…) Aber trotzdem hat sich Bole ganz prächtig amüsiert.“ Möglicherweise hängt es aber auch mit einem Spottlied über einen Barbier namens „Bollermann“ aus Brandenburg zusammen. Ein Ur-Berliner mag das bitte aufklären. Danke.)
Wo war ich? Genau. Ich freue mich auf diese „Abenteuer-Zeit“ und ich bin ziemlich sicher, dass es anfangs sehr turbulent und streckenweise sicher auch problematisch sein wird, dennoch freue ich mich …, genau, wie Bolle. Aber das hatten wir ja gerade.
Außerdem, und für diesen Satz werde ich mich in ungefähr 3 Wochen sehr hassen, freue ich mich wirklich schon aufs Studium. Vor allem der Schwedisch-Unterricht reizt mich gerade und ich glaube – in all meiner Naivität -, dass es auch ab und an mal Spaß machen wird.
Und deshalb… und weil ich inzwischen so blogsüchtig bin, dass ich wohl nie aufhören werde können (Thomas Matterne), lasse ich Dich – DICH! – daran teilhaben. Und mein zukünftiges Ich. Außerdem… mal ehrlich: Eine Einhornkatze? Wie abgefahren ist das denn bitte?!

Mach du mal die Renovierung, ich hab hier genug zu tun damit mir eine Ausrede auszudenken.

Mal der aktuelle Stand des Umzugs (da ich in diesem Blog mit einer Warteschleife arbeite bin ich eventuell schon minimal weiter).
Mein Vermieter und Onkel ist gerade dabei Steckdosen zu installieren, eine Küche zu suchen, einen Duschvorhang aufzuhängen und die Wohnung halbwegs bewohnbar zu machen. Um ehrlich zu sein bin ich im Moment sehr zufrieden. Es gibt einen Kühlschrank, das Bad ist – abgesehen vom fehlenden Duschvorhang – voll funktionsfähig und von den fünf Zimmern ist immerhin eines nicht renovierungsbedürftig.
Ursprünglich wollte ich mein Wunschzimmer heute streichen, aber es gab kein Farbe. Oder Rollen. Oder irgendwas.
Ursprünglich wollte ich in ein anderes Zimmer einziehen, nun aber doch erstmal dieses.
Ursprünglich wollte ich selbst streichen, selbst die fehlende Fußleiste anbringen, selbst mich um alles – abgesehen von der Elektrik, davor habe ich zu große Angst großen Respekt – kümmern. Aber heute war ich so motiviert, dass als ich erfuhr dass ich nichts machen kann diese einfach einem Ballon gleich platze und verschwand.
Ursprünglich wollte ich schon Mitte September einziehen.
Nun aber so. 1. Oktober ist fest eingeplant. Ich ziehe erstmal in das Zimmer, das ich nur so halb gut finde, dafür muss ich das Wunschzimmer nicht zweimal wohnbar machen, sondern nur einmal mit dem gesamten Rest der Wohnung und zusammen mit dem Vermieter, wenn dieser denn Zeit hat.
Was noch? Waschmaschine ist auch schon besorgt und muss nur noch in die Küche gestellt werden. (Und aus einem verdammten Keller hochgetragen. Ich freu mich schon. Nicht.)
Ansonsten wird noch total viel erneuert und verändert und… ich bin einfach sehr vorfreudig. Nicht, weil ich von daheim weg will, sondern weil ich mich auf die andere Wohngegend freue, die meiner bisherigen doch so ähnlich ist: Spielplatz in der Nähe, halbneuer Bau, Neckarpromenade, Nahverkehr halbstündlich, …
Update: Ich hasse Waschmaschinen. Ich hasse Waschmaschinen. Ich hasse Waschmaschinen. Diese verflucht unhandlichen, schweren Mist-Dinger. Falls Du jemals eine transportieren willst: Sackkarre. SACKKARRE! SACKKARRE!!! Niemals, NIEMALS, ohne eine versuchen. Man ruiniert sich alles und wüsste ich es nicht besser, würde ich behaupten Stephen Hawking sei bei nem ganz blöden Unfall beim Transport einer Waschmaschine… ach, lassen wir das.

Ein Rollmatratzen-Abenteuer

All meine Sorgen sind unberechtigt. Eine Rollmatratze scheint direkt nach dem ausrollen sehr weich zu sein und erreicht erst durch das zwei Tage lange liegen und sich mit Luft vollsaugen ihre gewünschte Festigkeit und Härte. Aber, ich erzähle die Geschichte besser von vorne.
Mit meiner alten Matratze bin ich unzufrieden. Sie ist nicht schlecht und sie riecht auch nicht unangenehm, aber nach gut 10 Jahren unter mir hat sie schon etwas gelitten. Ich erinnere mich noch, dass sie gar nicht mal so billig war und ich anfangs sehr gut darin schlief. Aber ich wurde älter – geht ja anderen auch so – und sie wurde älter – was niemand zu verhindern wusste – und um ehrlich zu sein legte ich im Vergleich zu meinem Grundschul-Ich auch etwas an Gewicht und Körpergröße zu.
Nach dem ich nun schon seit einigen Wochen kaum noch darauf schlafen kann – und will – entschied ich mich, das sowieso als „Matratzengeld“ veranschlagte Geburtstagspräsent der Großmutter mit in den nächsten Möbeldiscounter zu nehmen. Nach kurzer Diskussion unter Freunden, einem eher erfolglosen Versuch in einem örtlichen Bettenfachgeschäft (Ich: „Ja, guten Tag, ich suche eine Matratze die möglichst hart sein soll, kann aber nur bis 150 Euro bezahlen, sonst kann ich nächsten Monat nämlich nichts essen. Die Größe ist mir relativ egal.“ [… Komplizierteste Diskussion im gesamten Universum …] Sie: „Da hätten wir zum Beispiel dieses Modell hier für 375 Euro.“ [Vorhang, Buh-Rufe]) und langem Hin und Her entschied ich mich recht spontan zum „Dänischen Bettenlager“ zu fahren. Schnell noch die Angebote gecheckt: Könnte passen.
Ein Zug, ein überfüllter Bus und eine ewig lange Straße weiter (wie sich herausstellte, hätte ich eine Bushaltestelle später aussteigen sollen), war ich am Ziel angekommen: Die Tübinger Filiale des „Dänischen Bettenlager“, Tochter der JYSK-Holding, die wiederum Lars Larsen (!) gehört, einem der reichten Männer Dänemarks (zirka 2,4 Millarden Euro schwer).
Zunächst war ich etwas verwundert. Nur gut ein Drittel der Verkaufsfläche war tatsächlich mit Betten und dessen Zubehör gefüllt. Der Rest war voller Regale, Tische, Krimskrams und anderem Einrichtungsunsinn. „Dänisches Betten- und anderes Zeugs-Lager“ hat wohl nicht aufs Schild gepasst. Hm. Ich schnurstracks quer durch den Laden gelaufen und im hintersten Eck tatsächlich ein Regal mit Matratzen gefunden. Große Matratzen, kleine Matratzen, bunte Matratzen, weiße Matratzen, Rollmatratzen, Jugendmatratzen (Keine Ahnung, was das sein sollte), Federnkern-, Schaumstoff- und Zaubermatratzen, dicke und dünne und alle schön preislich sortiert vom teuersten zum „Hey, das kann ich mir gerade so leisten“.
Ich schaue mich ein bisschen um, schaue nach Härtegraden und werde plötzlich von einer Mitarbeiterin – die eine Matratze ins Regal hebt – entdeckt. Ich helfe ihr kurz, sie bedankt sich und fragt dann: „Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“
„Ja, ich suche ne möglichst harte Matratze, bin jetzt aber eher knapp bei Kasse. Ideal wäre im 2-stelligen Bereich.“ – „Jagut, da haben wir grad nur eine da.“ Sie zeigt mir das Angebot. Probeliegen is‘ nicht, da Rollmatratze, aber drüben ist eine bauähnliche aufgebaut, die praktisch den gleichen Härtegrad besitzt. Ich hocke mich drauf. Kein Knarzen und Springen von Metallfedern. Kein Einsinken wie in Treibsand. Fühle mich wohl.
„Perfekt, die nehme ich dann. Was kostet die denn?“ „99 Euro im Angebot.“ Die wirklich sehr nette Mitarbeiterin krabbelt halb unters Regal und sucht die Rollmatratze raus. 1,40 auf 2 Meter. Ich hellauf begeistert. Ich lasse mir dann noch Bettlacken in dieser Größe zeigen (worauf meine Begeisterung leicht einknickt. 12,50 das Stück. Im günstigsten Fall.) Immerhin. Mit 125 Euro weniger und einer riesigen, in Folie verpackten Rollmatratze verlassen ich den Laden und finde – auch dank den netten Mitarbeiterinnen – direkt die Bushalte. Einladen, von allen Leuten doof angesehen werden und dann 3 Minuten, nach dem der Anschlussbus abgefahren ist, am Umsteigeort aussteigen. Mist.
Also Matratze geschultert und bis zur Wohnung geschleppt. Bin begeistert von der Wohngegend. Wohngegend ist weniger begeistert von mir. Noch mehr blöde Blicke. Egal. Haustür auf, Matratze und ich rein. Vorsichtig runter, um nicht – schon wieder – die Treppe runterzufallen, Wohnungstür auf und in einem der leeren Zimmer ausgepackt.
Die Matratze beginnt sofort zu wachsen, so dass die Folie nur mit grober Gewalt runter geht. Bin leicht irritiert, weil die H3-Matratze zunächst sehr weich ist. Aber, 2 Tage lang wie auf der Packung verlangt ruhen lassen und dann erst meckern. Noch schnell ein Schild geschrieben – „Bitte nicht stören. Matratze muss sich ausruhen“ – und … Bus verpasst. Also einmal über die – wirklich wunderschöne – Brücke am Stauwehr laufen und gerade rechtzeitig in den dortigen Bus hüpfen, vom Bus zum Zug rennen und – Mission Accomplished.

Neue Matratze

Meine neue Schaumstoff-Matratze schläft sich aus. (Eigenes Bild)

Am nächsten Tag dann die positive Überraschung: Die Matratze ist nicht nur sichtbar gewachsen (vor allem in der Dicke), sondern auch viel härter geworden. Ich bin völlig zufrieden. Mal sehen, wie die erste Nacht darauf wird.